Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pockenvirus könnte Krebsforschung revolutionieren

13.09.2012
Effektive Tumorzellen-Bekämpfung ohne Schädigung gesunder Zellen

Der Pockenvirus Myxoma ist in der Lage, in Krebszellen von Hunden einzudringen und diese zu vernichten, während gesundes Gewebe vollkommen verschont wird.

Dies gilt jedoch nur für eine modifizierte Version des Virus, welcher unter normalen Umständen nicht auf Menschen oder Hunde übertragbar ist. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität von Illinois im Rahmen einer Studie, die sich mit krebskranken Hunden beschäftigt.

Virale Behandlung vielversprechend

"Virale Systeme stellen ein starkes Werkzeug zur Bekämpfung der Tumorzellen dar, weil sie die Oberflächenstruktur des erkrankten Gewebes erkennen und dieses selektiv auswählen. Außerdem können Viren dazu genutzt werden, therapeutische Arzneimittel zu den Krebszellen zu transportieren", so Walter Berger, stellvertretender Leiter des Instituts für Krebsforschung an der Medizinischen Universität Wien, im Gespräch mit pressetext. Trotzdem könne diese Behandlungsmethode noch nicht im breiten Rahmen eingesetzt werden, da die erkrankten Zellen extrem wandelbar sind.

Laut Studienleiterin Amy MacNeil haben viele Krebsarten schwache Abwehrmechanismen gegen Virusinfektionen. Deshalb kann ein onkolytischer Virus dazu fähig sein, Tumore zu bekämpfen und zur gleichen Zeit gesunde Zellen zu schützen. Da herkömmliche Behandlungsmethoden wie Chemotherapie und Strahlenbehandlung nicht nur Krebszellen, sondern auch gesundes Gewebe abtöten, könnte diese Studie ein Durchbruch in der Krebsforschung sein.

Immunsystem wird unterstützt

Ergänzende Studien zeigen, dass ein erneuter Krankheitsausbruch bei Tieren, deren Krebs durch eine Virusinfektion erfolgreich bekämpft wurde, äußerst unwahrscheinlich ist. Sogar bei operativer Entfernung eines Tumors kann das Risiko einer wiederkehrenden Erkrankung durch eine virale Therapie gesenkt werden. MacNeil zufolge verhindert der Krankheitserreger die Entstehung eines Tumors, indem er das Immunsystem trainiert, die schädlichen Krebszellen zu erkennen und sie anzugreifen.

Der eigentliche Sinn des Experiments besteht jedoch darin, einen Zusammenhang zwischen menschlichen und tierischen Zellen herzustellen. Mithilfe des Virus wäre es nicht nur möglich, Hunde, sondern auch Menschen zu heilen, da man sie als Tiermodelle für menschliche Krankheiten einsetzen könnte.

Den Studienautoren nach ist dieser Denkansatz sehr nahe liegend, weil Menschen und Hunde unter den gleichen Umweltbedingungen leben und denselben kanzerogenen Stoffen im Wasser ausgesetzt sind.

Carolina Schmolmüller | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.illinois.edu
http://www.meduniwien.ac.at/krebsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie