Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plastik zerfällt im Meer sehr schnell

21.08.2009
Gefährliche Umweltgifte gelangen ins Wasser

Plastikabfälle im Meer zerfallen einer neuen Studie zufolge sehr viel schneller als bisher angenommen. Der große Nachteil dabei ist, dass die einzelnen - zum Teil sehr gefährlichen - Bestandteile dadurch ins Wasser geraten.

Beim derzeit in Washington DC stattfindenden Treffen der American Chemical Society (ACS) wurde eine Studie vom japanischen Chemiker Katsuhiko Saido dazu präsentiert. Erst vor kurzem haben sich Forscher der kalifornischen Scripps Institution of Oceanography auf den Weg gemacht, den größten Müllstrudel der Welt - den Great Pacific Garbage Patch - zwischen Kalifornien und Hawaii zu untersuchen.

"Plastikprodukte, die im täglichen Leben verwendet werden, scheinen ziemlich stabil zu sein", meint Saido, der als Chemiker an der Nihon University in Chiba tätig ist. "Wir haben allerdings entdeckt, dass Plastik im Meer aufgrund der Umwelteinflüsse wie etwa Sonne und Regen relativ rasch zerfällt. Das große Umweltproblem dabei ist, dass dieser Zerfall eine weitere Quelle der Kontamination darstellt, die weltweit stark zunehmen wird", so der Forscher. Zu den gefährlichen Stoffen, die gelöst werden zählen unter anderem Bisphenol A. Es wird als Hauptbestandteil bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen etwa für Compact Discs, Plastikschüsseln, Babyfläschchen sowie für Epoxidharzlacke für Beschichtungen von Konservendosen und Folienverpackungen verwendet. Die Substanz steht nach zahlreichen Versuchen im Verdacht, erbgutschädigend zu sein. In Tierversuchen stört es die Embryonal- und Gehirnentwicklung, verursacht Unfruchtbarkeit, Krebs und Verhaltensstörungen.

Ganz klar ist nicht, ob die Konzentrationen in den Meeren groß genug sind, um tatsächlich Vergiftungsschäden anzurichten. Forscher haben allerdings berichtet, dass Fische und Krustentiere Kunststoffteile fressen und diese dadurch auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Ob die Plastikteile im Verdauungstrakt in ihre Einzelbestandteile zerfallen, kann Saido nicht bestätigen. Bedrohlich ist jedoch die Größe des Garbage Patch im Pazifik. Mittlerweile gehen Experten von einer Fläche zwischen 700.000 und einer Mio. Quadratkilometer aus.

Auf den weltweit wachsenden Plastikmüllberg macht auch der Filmemacher Werner Boote in seinem neuesten Dokumentar-Kinofilm "Plastic Planet" http://www.plastic-planet.at , der Ende September 2009 anlaufen wird, aufmerksam. "Vor zehn Jahren war das Verhältnis Plastik zu Plankton in den Ozeanen noch sechs zu eins", erklärt Charles Moore, der 1994 den tausende von Kilometern großen Plastikmüllteppich im Nordpazifik entdeckt hat. "Mittlerweile ist das Verhältnis 60 zu eins", so Moore. "80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von insgesamt weltweit jährlich rund sechs Mrd. Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane", zitiert Boote gegenüber pressetext die Fakten. Die Meeresschutzorganisation Oceana schätzt, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden, die Hälfte davon ist aus Plastik.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.acs.org
http://www.sio.ucsd.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften