Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilotstudie zeigt Zusammenhang von Mundgesundheit und Nahrungsangebot bei Altenheim-Bewohnern

28.10.2009
Zahnmedizinische Schulungen des Pflegepersonals führen zu einer deutlichen Verbesserung der Mundgesundheit

Zahnärzte, Pflegewissenschaftler und Mediziner der Universität Witten/Herdecke sehen nach einer ersten Pilotstudie in drei Wittener Altenheimen einen Zusammenhang: Wenn Bewohner von Altenheimen Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch haben, dann haben sie auch eher Probleme mit der Ernährung.

Diesen Ansatz hat die interdisziplinäre Forschergruppe "Gesund altern in Witten" unter Leitung der Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, des Zahnmediziners Prof. Dr. Dietmar Gesch und des Mediziners Dr. Stefan Wilm zum ersten Mal empirisch für Deutschland untersucht und am 20. Oktober in Witten der Öffentlichkeit vorgestellt.

So war die Mundgesundheit bei den Teilnehmern der Studie, die in irgendeiner Form passierte Kost (passiertes Fleisch, passiertes Mittagessen, passierte Kost bei allen Mahlzeiten, angedickte Flüssigkeiten) erhielten, viel häufiger insuffizient als bei den Bewohnern der Einrichtungen, die normale Kost zu sich nahmen. Tatsächlich erhielt kein Bewohner, dessen Zähne und Zahnfleisch in gutem Zustand waren, passierte Kost. Ob allerdings jeweils die fehlende Kaufähigkeit - oder auch andere Faktoren - für den Erhalt der passierten Kost verantwortlich war, wird Gegenstand weiterer Forschung sein. Die Folgefrage, ob eine Veränderung der Kostform jeweils als Indiz für mangelnde Zahngesundheit und die Notwendigkeit eines Zahnarztbesuchs oder besserer Mundhygiene aufzufassen sei, soll zudem in anschließenden Studien nachgewiesen werden.

Weiterhin zeigt die Pilotstudie, dass das Pflegepersonal den Gesundheitszustand der Altenheim-Bewohner wesentlich höher und die Notwendigkeit einer zahnmedizinischen Versorgung wesentlich niedriger einschätzte, als sie tatsächlich nach zahnärztlicher Beurteilung waren. Aufgrund dieser zu positiven Einschätzung wurde nicht bedarfsgerecht zahnärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Besondere Mundhygienemängel traten zum Erstaunen der Forscherinnen und Forscher im vorderen Mundbereich an Schneide- und Eckzähnen auf. Allerdings führte eine Schulung des Pflegepersonals zur Mundgesundheit durch eine Pflegewissenschaftlerin und eine Zahnärztin auch noch nach mehreren Wochen zu einem deutlich verbesserten Pflegezustand im Mundbereich. Die Zahnbeläge, die vorher nur unzureichend erkannt und beseitigt wurden, waren erheblich reduziert. Vom geschulten Personal wurden auch die Prothesen der Bewohner deutlich besser gepflegt als vom Personal aus der nicht geschulten Vergleichsgruppe.

Insgesamt bewirkte das Projekt zudem eine bessere Kooperation, Koordination und Kommunikation mit den Zahnärztinnen und Zahnärzten. Allerdings stehen einer besseren zahnmedizinischen Versorgung, da waren sich die Projektbeteiligten inklusive der Verantwortlichen aus den Altenpflegeeinrichtungen einig, immer noch wirtschaftliche Gründe im Wege.

Die Sensibilisierung der Pflegenden im Bezug auf Nebenwirkungen von Medikamenten im Mund- und Rachenbereich bewirkte ebenfalls eine Verbesserung der Mundgesundheit der Teilnehmer. Gerade durch Mundtrockenheit, eine unerwünschte Nebenwirkung einiger Medikamente, können sich Zahnfleisch und Schleimhäute entzünden, was die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschwert.

Die Schulungen des Pflegepersonals haben für die Teilnehmer - zumindest im kleinen Rahmen dieser ersten Pilotstudie, in der insgesamt 53 Bewohnerinnen und Bewohner untersucht wurden - auf jeden Fall positive Effekte bewirkt. "Auch wenn es erst bei deutlich größerer Fallzahl in weiteren Studien wissenschaftlich fundierte Aussagen geben wird", sagt Dietmar Gesch, "so können wir anhand unserer bisherigen Ergebnisse doch vermuten, dass die Schulung der Pflegenden sich positiv auf die Zahngesundheit und den zahnmedizinischen Versorgungsgrad der Bewohner von Altenpflegeeinrichtungen auswirkt und sich damit auch der Ernährungszustand verbessern wird."

Kay Gropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE