Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Pflege demenzkranker Menschen verbessern

25.10.2010
DZNE-Forscher in Witten starten Studie

Die Lebensqualität für Menschen mit Demenz und die Zufriedenheit der Pflegenden in der stationären Altenpflege zu verbessern – das ist das Ziel eines neuen Projekts des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Witten.

Dazu überprüfen die Forscher erstmals die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anwendung der Methode „Dementia Care Mapping“ in diversen Pflegeeinrichtungen. Die Methode fordert viel Aufmerksamkeit, gilt aber als besonders gutes Instrument, um die Pflegequalität und das Wohlbefinden des Menschen mit Demenz zu verbessern. Außerdem wird die Lebensqualität mit dem Testverfahren QUALIDEM (Quality of life in dementia)gemessen.

Immer mehr Menschen mit Demenz kommen in die Einrichtungen der stationären Altenhilfe, um dort gepflegt und begleitet zu werden. Diese Personengruppe stellt die Einrichtungen und deren Mitarbeiter vor große Herausforderungen, denn bestimmte Verhaltensweisen sind oft nicht einfach nachzuvollziehen und bedeuten für beide Seiten eine hohe psychische Belastung.

Um Pflegenden in der stationären Altenpflege eine zuverlässige Aussage über die Zufriedenheit und über die Betreuungsqualität der Menschen mit Demenz zu geben, wurden in den letzten Jahren verschiedene Methoden entwickelt. Dazu gehören das bereits bekanntere Dementia Care Mapping (DCM) und der neuere Test QUALIDEM.

Das Beobachtungsinstrument Dementia Care Mapping (DCM) kommt aus England und ist ein standardisiertes Verfahren, mit dem eine definierte Gruppe von sechs bis acht Personen über sechs Stunden hinweg in ihrem Alltag beobachtet wird. Dabei wird ein Verhaltens- und Wohlbefindensprofil jeder Person mit Demenz und der Gruppe erstellt und eine Rückmeldung an die Pflegenden gegeben. Diese Rückmeldung nutzen die Pflegenden, um ihr Verhalten gegenüber dem an Demenz Erkrankten besser einschätzen und anpassen zu können. DCM wird in Deutschland bereits seit 12 Jahren eingesetzt.

Der demenzspezifische Test QUALIDEM wurde 2007 in den Niederlanden entwickelt und von der Berliner Charité für den deutschsprachigen Raum übersetzt. Er misst die Lebensqualität in allen Phasen der Demenzerkrankung in der stationären Altenpflege durch eine sogenannte Fremdeinschätzung durch die Pflegenden QUALIDEM ist in der Bearbeitung deshalb schneller als DCM, enthält aber keine so vielfältigen Informationen und ist nicht in einen Qualitätsprozess eingebunden. Allerdings misst QUALIDEM auch sozialpsychologische Bereiche, wodurch es interessanter in der Anwendung ist als andere Fremdeinschätzungsinstrumente.

Forscherinnen um Prof. Bartholomeyczik wollen neben der Prüfung von Organisationsbedingungen für DCM untersuchen, welche Wirkung DCM und QUALIDEM auf Menschen mit Demenz, deren Pflegende und Angehörige hat. Ziel ist, letztlich die Lebensqualität des Versorgten und die Zufriedenheit der Angehörigen zu steigern sowie das Verständnis der Pflegenden für verschiedene Verhaltensweisen aufzuzeigen und damit deren psychische Belastung zu reduzieren.

„DCM ist seit einigen Jahren in der deutschen pflegerischen Praxis erprobt, benötigt allerdings einige Ressourcen der Organisation, wenn es in einer Einrichtung erfolgreich eingesetzt werden soll. Hier wollen wir ansetzten und DCM bezogen auf seine Effekte im Rahmen der kontrollierten Studie evaluieren. Außerdem untersuchen wir Faktoren, die hemmend oder fördernd für eine erfolgreiche Umsetzung der Methode in den Pflegealltag wirken können“, so Christine Riesner vom DZNE-Standort Witten.

Über drei Jahre hinweg besuchen die Forscher des DZNE verschiedene Pflegeeinrichtungen. Derzeit sind es neun Einrichtungen, von denen drei DCM, drei QUALIDEM anwenden werden. In drei Einrichtungen wird DCM bereits eingesetzt. Sie beobachten und befragen Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen nach ihrer Arbeitszufriedenheit, Haltung und Einstellung zur Demenz und Belastungserleben. Angehörige werden befragt, welche Veränderungen sie bei den Besuchen wahrnehmen. Auch das Verhalten und die Lebensqualität der Menschen mit Demenz werden analysiert. Bereits im September 2011 rechnet die Forschergruppe mit den ersten Ergebnissen zu beiden Instrumenten.

„Die Verbesserung der Lebensqualität von an Demenz erkrankten Menschen ist einer der Hauptschwerpunkte in der Forschung des DZNE“, erklärt Prof. Pierluigi Nicotera, wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des DZNE.

Pflegeeinrichtungen haben ein besonderes Interesse an neuen Methoden. Sie müssen seit Mai 2010 das Wohlbefinden ihrer an Demenz erkrankten Bewohner ermitteln und aus diesen Ergebnissen Verbesserungsmaßnahmen ableiten. Die Gruppe in Witten glaubt, dass ihre Forschung für weitere Pflegeeinrichtungen interessant sein kann.

Kontakt:
Das Forschungsteam erreichen Sie direkt via: leben-qd@dzne.de
Sonja Jülich-Abbas
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (komm.)
Tel.: +49-(0)228-43302-260
Mobil: +49-(0)172-2838930
E-Mail: sonja.juelich-abbas@dzne.de

Daniel Bayer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzne.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie