Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzen gegen arsenbelastete Böden

16.11.2010
Zwei Gene, welche die Akkumulation und Entgiftung von Arsen in pflanzlichen Zellen kontrollieren, sind identifiziert worden. Dies ist das Ergebnis einer umfangreichen internationalen Zusammenarbeit, an der Labore aus der Schweiz, Südkorea und den USA sowie Mitglieder des nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) Plant Survival beteiligt sind.

Diese Entdeckung eröffnet viel versprechende Perspektiven für die Reduktion der Anreicherung Arsens in Kulturen in Regionen von Asien, die durch dieses toxische Metalloid stark belastet sind, und für die Sanierung von mit Schwermetall verschmutzten Böden. Die Studie wird diese Woche in der renommierten Zeitschrift PNAS veröffentlicht.

Das Gewinnen von Grundwasser aus tiefen Gesteinsschichten in Südost-Asien sowie der Bergbau in China, Thailand oder den Vereinigten Staaten, haben dazu geführt, dass in vielen Gebieten der Arsengehalt des Wassers die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Konzentration von 10 μg/L übersteigt. Wird dieser Grenzwert überschritten, so können gesundheitliche Probleme auftreten. Die Bevölkerung ist dieser Gefahr ausgesetzt, wenn sie kontaminiertes Wasser trinkt oder sich von Getreide ernährt, das auf arsenverschmutzten Böden kultiviert wurde. Von diesem Problem sind Menschen in der Grössenordnung einer zweistelligen Millionenzahl betroffen.

Eine jahrelange Exposition dieses giftigen Halbmetalls kann den Magen-Darmtrakt, die Nieren, Leber, Lungen und die Haut angreifen. Allein für Bangladesch wird angenommen, dass rund 25 Millionen Menschen Wasser trinken, das mehr als 50 μg/L Arsen enthält. Davon riskieren zwei Millionen Menschen, an einer durch dieses toxische Element verursachten Krebserkrankung zu sterben.

Toxische Metalle finden über Pflanzen Eingang in die Nahrungskette. So wird zum Beispiel Arsen in Reiskörnern gespeichert, was in den von diesem giftigen Metalloid verseuchten Regionen eine Gefahr für die Bevölkerung darstellt, da ihre Ernährung zu einem grossen Teil von diesem Getreide abhängt. Im Boden vorhandenes Arsen aber auch Cadmium wird von Pflanzen aufgenommen und in bestimmten Zellkompartimenten, den so genannten Vakuolen, gespeichert. Im Zellinnern wird der Transport von Arsen und seine anschliessende Akkumulation und Entgiftung in den Vakuolen von einer Kategorie von Peptiden – den Phytochelatinen – gewährleistet. Diese besitzen die Eigenschaft, giftige Metalloide zu binden. Bildlich gesprochen kann man sich einen Lastwagen vorstellen, an den ein Anhänger angehängt wird. Am Ende dieses Prozesses wird der «Lastwagen» mit «Anhänger» in den Vakuolen gespeichert.

«Da nun die Gene identifiziert wurden, die für den Transport und die Speicherung dieser Phytochelatin-Metalloid-Komplexe verantwortlich sind, haben wir Zugriff auf ein bis anhin fehlendes Glied der Entgiftung von giftigen Schwermetallen und Metalloiden. Dieses wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft seit mehr als 25 Jahren gesucht», erklärt Enrico Martinoia, Professor für Pflanzenphysiologie an der Universität Zürich. Die Experimente, die an der Modellpflanze Arabidopsis durchgeführt wurden, können leicht auf die meisten Pflanzen wie z.B. Reis übertragen werden.

Enrico Martinoia ist einer der Leiter dieser Forschungsarbeit, an der auch die Labors der koreanischen Professorin Youngsook Lee von der Pohang University of Science and Technology (POSTECH) und Julian Schroeder, Professor für Biologie an der University of California in San Diego (UCSD) beteiligt sind. Zusammen mit Stefan Hörtensteiner, ebenfalls von der Universität Zurich, und Doris Rentsch von der Universität Bern, zählt er auch zu den drei Mitgliedern des NCCR Plant Survival, die den in der PNAS erschienenen Artikel verfasst haben.

Die Kontrolle dieser Gene dürfte es nun ermöglichen, Pflanzen zu entwickeln, die fähig sind, den Transfer giftiger Metalle von der Wurzel bis in die Blätter und die Samen zu unterdrücken, und folglich den Eintritt von Arsen in die Nahrungskette zu begrenzen. «Indem wird uns auf diese Gene konzentrieren», präzisiert Youngsook Lee, «können wir vermeiden, dass sich Schwermetalle in essbaren Pflanzenteilen wie den Körnern oder Früchten anreichern.»

Gleichzeitig haben die Forscher eine Methode entdeckt, wie Pflanzen produziert werden können, die mehr giftige Schwermetalle aufnehmen und speichern könnten, und die sich zur Entgiftung von verschmutzten Böden verwenden liessen. Diese Pflanzen würden anschliessend in Hochöfen verbrannt, um die toxische Elemente zu eliminieren.

Literatur:
Won-Yong Song, Jiyoung Park, David G. Mendoza-Cózatl, Marianne Suter-Grotemeyer, Donghwan Shim, Stefan Hörtensteiner, Markus Geisler, Barbara Weder, Philip A. Rea, Doris Rentsch, Julian I.Schroeder, Youngsook Lee, Enrico Martinoia: Arsenic tolerance in Arabidopsis is mediated by two ABCC-type phytochelatin transporters, in: PNAS, Doi: 10.1073/pnas.1013964107
Kontakt:
Prof. Enrico Martinoia
Universität Zürich
Tel. : +41 44 634 8222
enrico.martinoia@botinst.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik