Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Pferde haben Lernstress

21.09.2010
Menschen haben enorm davon profitiert, Tiere domestizieren zu können. Um ihre Aufgaben zu erfüllen, müssen die Tiere jedoch erst trainiert werden; die Auswirkungen für die betroffenen Tiere werden dabei nicht immer bedacht. Alice Schmidt aus der Gruppe von Christine Aurich an der Veterinärmedizinischen Universität Wien präsentiert nun eine Studie über Stress von Pferden, der durch das Anreiten verursacht wird.

Pferde wurden schon vor tausenden Jahren domestiziert und waren ungemein wichtig für die Entwicklung der menschlichen Zivilisation: Die Geschichte von Landwirtschaft, Mobilität, Kommunikation und zahlreichen Kriegen wäre ohne Pferde wohl ganz anders verlaufen. In der Gegenwart hat Pferdesport an Popularität immer mehr gewonnen; der Kontakt zum Menschen ist mindestens genauso stark wie früher.

Wilder Ursprung

Trotzdem hat das Pferd zumindest einige Aspekte seiner wilden Wurzeln behalten. So ist es vollkommen einsichtig, dass Pferde häufig Situationen ausgesetzt sind, die für ursprünglich wilde Tiere extrem stressbehaftet sind: Man denke bespielsweise an das Training von Rennpferden, die Teilnahme an Wettbewerben, die Untersuchungen durch Tierärzte oder den Transporte auf der Straße. Tatsächlich ist bekannt, dass all dies Stressreaktionen bei Pferden auslöst. Sogar geritten zu werden, könnte eine Stressquelle sein, aber dazu gab es bisher wenige Studien. Eine aktuelle Arbeit von Alice Schmidt aus der Gruppe von Christine Aurich an der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat zum ersten Mal den Stress untersucht, dem junge Pferde beim Anreiten ausgesetzt sind.

Schmidt untersuchte den Stress, indem sie die Herzschläge und die Mengen des Stresshormons Cortisol im Speichel analysierte. Bei der Beobachtung der Herzschläge bedachte sie nicht nur die Frequenz, sondern auch kurzfristige Schwankungen im Intervall zwischen den Schlägen; letzteres wurde erst kürzlich als guter Stressindikator nachgewiesen. Das Training von Sportpferden beginnt üblicherweise, wenn sie drei Jahre alt sind, daher untersuchte Schmidt für ihre Arbeit Pferde dieses Alter zum Beginn ihrer ersten Trainingseinheiten.

Ein scheinbarer Angriff

Was sie herausgefunden hat, ist wohl nicht überraschend: Der Trainingsbeginn ist eine stressige Zeit. Die Einstiegsarbeit an der Longe verursacht nur eine geringe Menge Stress, aber der Stresslevel steigt merklich, wenn der Reiter zum ersten Mal aufsteigt. Das Herz schlägt schneller, die Intervalle zwischen den Herzschlägen variieren, Cortisol wird ausgeschüttet. Es scheint wahrscheinlich, dass das Pferd das erste Aufsitzen des Reiters als eine möglicherweise tödliche Attacke eines Raubtiers interpretiert, der es nicht entkommen kann. Darüberhinaus ist der Reiter außerhalb des Blickfeldes des Pferdes, was wahrscheinlich das Problem verschlimmert.

Bewegung und Routine beruhigt

Sobald aber das Pferd mit dem Reiter geht oder trabt, sinkt das Stressniveau. Es sieht also so aus, als ob sich das Pferd ausgesprochen schnell darauf einstellt, geritten zu werden, und dass – wie auch beim Menschen – Bewegung zum Stressabbau beitragen kann. Darüberhinaus sinkt das Stressniveau mit der Anzahl der Trainingseinheiten – vorausgesetzt natürlich, dass das Training korrekt durchgeführt wird. Aurich mahnt daher zur Vorsicht: Mangelnde Sorgfalt oder falscher Umgang im frühen Training können einen langfristigen Schaden in der Beziehung zwischen Pferd und Reiter anrichten und Ängstlichkeit des Tieres verursachen; so kann ein Sportpferd nicht sein höchstes Potential entfalten.

Obwohl ihre Ergebnisse zum ersten Mal deutlich machen, dass das Einführungstraining Sportpferde stresst, hat Schmidt auch beruhigende Worte für Trainer und Jockeys: „Der Stress beim Anreiten ist weit entfernt von dem Stress bei Transporten. Wenn man mit dem Pferd bei Trainingsbeginn behutsam und vorsichtig umgeht, gewöhnt es sich bald an den Reiter.“

Zur Publikation

„Changes in cortisol release and heart rate and heart rate variability during the initial training of three-year-old sport horses“ von Alice Schmidt, Jörg Aurich, Erich Möstl, Jürgen Müller und Christine Aurich wurde in der September-Ausgabe von “Hormones and Behavior” veröffentlicht. Die Studie wurde an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften, Neustadt (Dosse) durchgeführt.

Beate Zöchmeister | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise