Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pestizid macht männliche Frösche weiblich

03.03.2010
Häufig verwendetes Atrazin wirkt als Hormongift

Atrazin ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Pestizide. Einer Studie von Forschern der University of California in Berkeley zufolge, kann die Substanz bei erwachsenen Fröschen zur Unfruchtbarkeit und sogar zur Geschlechtsumwandlung führen. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences berichten die Forscher über die neuen Erkenntnisse.

In einer Studie wurden drei Viertel der männlichen Frösche mit dem Pestizid "chemisch kastriert". "Sie waren nicht mehr in der Lage sich zu vermehren", so Studienleiter Tyrone Hayes, Professor für integrative Biologie. Bei jedem zehnten männlichen Frosch kam es sogar zu einer Geschlechtsumwandlung. "Die männlichen Frösche litten unter Testosteronmangel und verloren all jene Fähigkeiten, die vom Hormon gesteuert werden", so der Forscher.

Keine Chance in freier Wildbahn

"In der freien Wildbahn, wo es zu einem Wettkampf um einen Sexpartner kommt, haben diese Tiere keine Chance", meint Hayes. Die zehn Prozent der männlichen Frösche, die zu weiblichen Tieren werden, können sich erfolgreich paaren - bringen aber ausschließlich männliche Nachkommen zur Welt. Damit ist das natürliche Geschlechterverhältnis der Tiere untereinander gestört. Das wiederum könnte eine ganze Population zum Aussterben bringen.

Obwohl die Experimente nur an Afrikanischen Krallenfröschen im Labor durchgeführt wurden, gehen die Experten davon aus, dass Atrazin, das als endokriner Disruptor bekannt ist, auch in der freien Umwelt zu ähnlichen Problemen führt. Als endokrine Disruptoren werden Stoffe bezeichnet, die wie Hormone wirken und so das empfindliche Gleichgewicht des endokrinen Systems (Hormonsystems) von Lebewesen stören können. Möglicherweise sei das ein Grund für den weltweiten Rückgang der Froschpopulationen, meint Hayes.

In Deutschland und Österreich verboten

Atrazin ist seit 1991 in Deutschland, seit 1995 in Österreich verboten. "In der Umwelt ist es allerdings immer noch nachweisbar", erklärt auch der Pflanzenexperte Werner Müller von GLOBAL2000 gegenüber pressetext. Da Atrazin und sein Hauptabbauprodukt Desethylatrazin auch ins Grundwasser gelangen und damit dann im Trinkwasser nachgewiesen werden können, wurde die Anwendung in den EU-Staaten verboten.

In den USA wird das Unkrautbekämpfungsmittel allerdings immer noch verwendet. Eingesetzt wird es hauptsächlich im Mais-, aber auch Spargel-, Kartoffel- und Tomatenanbau.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.berkeley.edu

Weitere Berichte zu: Atrazin Disruptor Frösche Geschlechtsumwandlung Hormon Pestizide

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie