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Osteoporose: Ballonkyphoplastie verbessert Lebensqualität bei Patienten mit Wirbelkörperbrüchen

24.03.2009
MHH Unfallchirurgie leitet Studie für Deutschland / Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlicht

Wirbelkörperfrakturen durch Osteoporose, die etwa die Hälfte aller osteoporosebedingten Brüche ausmachen, führen oft zu erheblichen Schmerzen und einer Minderung der Lebensqualität.

Neben der verbesserten medikamentösen Therapie der Osteoporose steht seit wenigen Jahren eine operative Methode zur Behandlung schmerzhafter Wirbelkörperbrüche zur Verfügung: die Ballonkyphoplastie.

Die Klinik für Unfallchirurgie der Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat 2003 für Deutschland die Leitung einer Studie zur Methode der Ballonkyphoplastie übernommen, die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Lancet" vorgestellt.

Bei dem minimalinvasiven Verfahren werden über zwei kaum ein Zentimeter große Hautschnitte unter Röntgendurchleuchtung Ballonkatheter in den Wirbelkörper eingebracht. Unter ständiger Röntgenkontrolle werden die Ballone im Wirbelkörper entfaltet und führen so zu einer zumindest teilweisen Wiederaufrichtung des eingebrochenen Wirbelkörpers. Anschließend werden die Ballonkatheter entfernt, der verbliebene Hohlraum mit einem besonders zähflüssigen, speziellen Knochenzement aufgefüllt.

Neben der Verbesserung der äußeren Form der Wirbelsäule wird so der gebrochene Wirbelkörper von innen stabilisiert, was in der Regel die Schmerzen unmittelbar lindert. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 45 Minuten. Die meisten Patienten können sofort mobilisiert werden und das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen. Im Vergleich zur konservativen Behandlung können so länger andauernde Schmerzen und eine Einschränkung der Mobilität vermieden werden.

Die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Lancet vorgestellte Studie (Wardlaw et al., Lancet 2009) wurde von 2003 an in 21 Zentren in acht europäischen Ländern durchgeführt. Die MHH Unfallchirurgie übernahm dabei die Studienleitung für die deutschen Zentren. Insgesamt wurden 300 Patienten eingeschlossen und zur Hälfte entweder konservativ behandelt, das heißt mit Schmerztherapie, Osteoporosetherapie und Krankengymnastik, oder zusätzlich mit der operativen Therapie mittels Ballonkyphoplastie.

Die Patienten wurden über zwei Jahre regelmäßig in Bezug auf Lebensqualität, Rückenschmerzen und mögliche Komplikationen nachuntersucht. In den nun publizierten Ergebnissen bis zur Ein-Jahres-Kontrolle zeigten sich dabei sowohl kurzfristig, das heißt nach einer Woche und nach einem Monat, als auch im Mittel über ein Jahr signifikante Verbesserungen. Die sogenannte "FREE-Studie" ist dabei die erste randomisierte, prospektive Studie überhaupt in der operativen Behandlung osteoporosebedingter Wirbelkörperfrakturen und damit auch ein Meilenstein in der klinischen chirurgischen Forschung, in der solche Studien der höchsten Qualitätsstufe bisher kaum durchführbar waren.

In der MHH Unfallchirurgie wird die Methode bereits seit 2001 angewendet und wurde im Rahmen mehrerer Studien untersucht. Mittlerweile können unter bestimmten Kriterien auch Patienten mit Wirbelkörpermetastasen oder Patienten mit unfallbedingten Wirbelkörperfrakturen mit dieser Methode behandelt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Christian Müller unter email: mueller.christian@mh-hannover.de oder Telefon (0511)-532 2050

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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