Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Opiate bei Arthrose: Geringer Nutzen, hohe Risiken

07.10.2009
Übersichtsstudie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Muskuloskelettale Gesundheit - Chronische Schmerzen" (NFP 53)

Menschen, die an schwerer Arthrose leiden, sollten sehr zurückhaltend mit Opiaten behandelt werden. Der Nutzen dieser Schmerzmittel ist gering und steht einem hohen Risiko für Nebenwirkungen gegenüber, wie ein Forschungsteam an der Universität Bern nun herausgefunden hat.

In der Schweiz muss jeder vierte Erwachsene über 35 Jahre wegen chronischer Hüft- oder Knieschmerzen behandelt werden. Patienten mit starken Schmerzen erhalten manchmal Opiate, wenn die üblichen Medikamente nicht mehr nützen oder sie diese nicht vertragen. Nun haben Eveline Nüesch und Kollegen im Forschungsteam von Peter Jüni am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern in einer Übersichtsstudie die Wirksamkeit der Opiate Morphin, Kodein, Fentanyl, Oxycodon und Oxymorphon untersucht. "Laut vorsichtigen Schätzungen erhalten in der Schweiz zwischen 10'000 und 50'000 Hüft- und Kniearthrosepatienten diese Medikamente", sagt Eveline Nüesch.

Für die soeben in der renommierten "Cochrane Library" erschienene Untersuchung (*) werteten die Forschenden zehn klinische Studien mit insgesamt 2'268 Patienten aus. Es zeigte sich, dass die Opiate zwar Schmerzen leicht lindern und die Beweglichkeit der Gelenke geringfügig verbessern. "Doch die Wirksamkeit war überraschend klein", sagt Eveline Nüesch. Zudem fand sich kein Hinweis darauf, dass eine höhere Dosis die Wirkung verbessert. Patienten, die Opiate erhielten, mussten aber aufgrund von Nebenwirkungen etwa viermal häufiger ihre Therapie abbrechen als Patienten, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Zudem ist laut der Studie viel zu wenig bekannt über das Suchtpotenzial der Opiate für Arthrose-Patienten, die oft über einen langen Zeitraum behandelt werden müssen.

Die Forschenden warnen aufgrund der Resultate, die untersuchten Opiate bedenkenlos einzusetzen. "Ärzte sollten diese Medikamente nur mit Vorsicht verschreiben - selbst wenn Arthrosepatienten starke Schmerzen haben", sagt Peter Jüni. Auch wenn seine Forschungsgruppe in der Untersuchung nicht alle Opiate berücksichtigt habe, so müsse trotzdem bei schwerer Arthrose ein Gelenkersatz als Alternative zu den Opiaten in Betracht gezogen werden. Allerdings gelte es, auch die Risiken eines solchen Eingriffs gründlich zu beurteilen.

(*) Nüesch E., Rutjes A.W.S., Husni E., Welch V., Jüni P.: Oral or transdermal opioids for osteoarthritis of the knee or hip. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 3. Art. No.: CD003115. DOI: 10.1002/14651858. CD003115.pub2. Als PDF beim SNF erhältlich: Bestellung bitte an pri@snf.ch.

Kontakt:
Eveline Nüesch
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Bern
Finkenhubelweg 11
3012 Bern
Tel.: +41 (0)31 631 33 28
Fax: +41 (0)31 301 90 10
E-Mail: enueesch@ispm.unibe.ch
Nationales Forschungsprogramm "Muskuloskelettale Gesundheit - Chronische Schmerzen" (NFP 53)

Die Gesundheit des Bewegungsapparats ist für das Schweizer Gesundheitswesen von grosser Bedeutung: Rund ein Drittel aller Arztkonsultationen geht auf Beschwerden im Bewegungsapparat zurück. Das Nationale Forschungsprogramm "Muskuloskelettale Gesundheit - chronische Schmerzen" (NFP 53) hat während 5 Jahren die Gesundheit des Bewegungsapparats in der Schweizer Bevölkerung erforscht und zeigt Möglichkeiten auf, wie diese verbessert werden kann. Am 29. Oktober findet die Abschlussveranstaltung des NFP statt.

Eveline Nüesch | idw
Weitere Informationen:
http://www.nfp53.ch
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom

23.10.2017 | Medizin Gesundheit

Wussten Sie wie viele Teile Ihres Autos Infrarot-Wärme brauchen?

23.10.2017 | Automotive

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten