Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Online-Reisemarkt verschenkt Umsätze

25.06.2014

Fraunhofer FIT legt eine Studie zur Kundenorientierung deutscher Internet-Reiseportale vor. Das Ergebnis ist verheerend.

Selbst die Spitzenreiter in Sachen Benutzerfreundlichkeit erfüllen nur etwa die Hälfte der Kundenwünsche bei der Online-Buchung. Getestet wurden zehn deutsche Anbieter. Die Studie steht kostenlos zum Download bereit.


"Online-Reisemarkt verschenkt Umsätze: Eine Studie zur Kundenorientierung deutscher Internet-Reiseportale 2014", Fraunhofer FIT

© Titelbild: javier brosch – Fotolia.com


Rangfolge der Online-Reiseportale.

© Fraunhofer FIT

"Jede zweite Buchung beginnt im Internet und endet im Reisebüro", so eine Studie von Google, GfK und TUI zum Buchungsverhalten der Deutschen aus 2013. Und dass obwohl vorher neun bis 25 Stunden intensiver Recherche im Web investiert wurden (vgl. Stiftung Warentest: Vorm Urlaub Klick machen, 2012). Warum das so ist, zeigt eine Studie der Abteilung Usability und User Experience Design des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT.

Die Wissenschaftler untersuchten anhand drei typischer Urlaubsszenarien zehn deutsche Online-Reiseportale: Familienurlaub in Spanien mit drei Kindern im Ferienhaus mit Swimmingpool, strandnah aber ruhig gelegen; Pärchen plant Flitterwochen und hat eine paar Sonderwünsche bei der Ausstattung seiner Unterkunft und zuletzt noch eine Einzelperson, die eine Flugrundreise in USA und Kanada unternehmen möchte.

Das dürfte doch eigentlich nicht besonders kompliziert an, denkt man. Ist es aber doch. Beispiel Flugrundreise: Möchte der Urlauber seine Reise rückwärts planen und mit der Ankunftsuhrzeit beginnen, etwa weil bestimmte Termine in der zweiten Urlaubshälfte fix sind, so wird er nur bei einem Anbieter fündig. Bei Flugreisen sind auch Informationen zu den Zielflughäfen sehr nützlich, um etwa zu wissen, wie weit die einzelnen Gates voneinander entfernt sind, um den Anschlussflug nicht zu verpassen. Oder auch, wie der Flughafen an öffentliche Verkehrsmittel angebunden ist. Hier halfen dem Buchenden lediglich zwei Anbieter komfortabel weiter, zwei boten unzureichende Informationen, die restlichen gar keine.

Beispiel Familienurlaub: Hier sind neben der Beschaffenheit der eigentlichen Unterkunft auch die Umgebungsbedingungen ausschlaggebend für ein entspanntes Urlaubsvergnügen. Leider findet der Buchende Auswahlkriterien wie »Kindersicherheit« (ein Anbieter) oder »Nachtruhe« (zwei Anbieter) höchst selten. Will man seine Unterkunft gerne anhand der Entfernung zum Flughafen planen, etwa um den Kindern eine weite Anfahrt im Mietwagen zu ersparen, ist dies nur bei einem Anbieter einfach möglich.

Die Mängelliste ist lang. Unzureichend ist häufig auch die Informationspolitik der Reiseportale, etwa werden Stornierungskosten während des Buchungsverlaufs gar nicht angezeigt. Oder nützliche Auswahlkriterien verstecken sich hinter unpassenden Kategorien, wie etwa Sport- und Freizeitangebote unter »Besonders gut bewertet«.

"Eine Ursache ist die von den Online-Reiseportalen nicht oder zu wenig wahrgenommene Zielgruppensicht der Internet-Benutzer. Es besteht ein hohes Verbesserungspotential hinsichtlich der Effizienz der Online-Reiseportale. Bei der Gestaltung der Suchmasken und Suchkriterien sollten die Kundenbedürfnisse mehr berücksichtigt werden", so Britta Hofmann, Leiterin der Abteilung für Usability und User Experience Design des Fraunhofer FIT.

Insgesamt erfüllen die Reiseportale im Mittel 23 von 37 Nutzungsanforderungen, die von den Autoren der Studie, Kerstin Leesemann und Britta Hofmann, aus den drei Urlaubsszenarien abgeleitet wurden. Von den 23 Nutzungsanforderungen wurden durchschnittlich neun effizient – also einfach handhabbar – und 14 ineffizient, sprich machbar, aber umständlich, erfüllt.

Anhand eines Punktekatalogs wurde das Ranking der geprüften Portale erstellt. Den ersten Platz teilen sich mit 39 von 74 zu erreichenden Punkten fluege.de und ab-in-den-Urlaub.de. Beide Anbieter hatten von den insgesamt 37 Nutzungsanforderungen 13 effizient, 13 ineffizient und 11 gar nicht erfüllt. Getestet wurde in den sieben Prüfdimensionen Unterkunft, Flugbuchung, Informationen zum Serviceangebot, Reiseplanung, Umgebungsbedingungen, Kostentransparenz und Mietwagen.

Die Auswahl der Reiseportale basierte auf einer Studie von Computerbild aus 2013. Es wurde keine Unterscheidung zwischen Reiseveranstalter und Reisevermittler getroffen. Untersucht wurden ab-in-den-urlaub.de, expedia.de, fluege.de, HolidayCheck.de, L´tur, lastminute.de, Neckermann Reisen, opodo.com, reisen.com und weg.de.

Die komplette Studie »Online-Reisemarkt verschenkt Umsätze: Eine Studie zur Kundenorientierung deutscher Internet-Reiseportale 2014« steht online zum Download bereit: http://www.fit.fraunhofer.de/content/dam/fit/de/documents/Studie_Online-Reisepor...

Kontakt:
Alex Deeg
pr@fit.fraunhofer.de
Telefon +49 2241 14-2208

Alex Deeg | Fraunhofer-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics