Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Oft alleingelassen: Studie zu den Wünschen alleinerziehender Hartz-IV-Empfänger/innen

21.03.2012
Flexible Arbeitszeiten, verständnisvolle Arbeitgeber, eine bessere Kinderbetreuung und mehr Umschulungsmöglichkeiten: Das wünschen sich Mönchengladbacher Alleinerziehende, die Arbeitslosengeld II beziehen, laut einer aktuellen Befragung des am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein angesiedelten Forschungsinstituts SO.CON.

Im Auftrag der Mönchengladbacher Allianz für Alleinerziehende befragten die Forscherinnen 485 Hartz-IV-Bezieher/innen aus Mönchengladbach, die ihre Kinder alleine erziehen. Gestern wurden die Ergebnisse auf der Fachtagung „Alleinerziehend=Hartz IV? Wege in eine familienfreundliche Beschäftigung“ vorgestellt.

Die Mönchengladbacher Allianz ist ein Projekt des Arbeitskreises Netzwerk W MG im Rahmen des Bundesprogramms „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, welches überwiegend aus Bundesmitteln und Mitteln des europäischen Sozialfonds finanziert wird.

Bei der Befragung ging es um Wünsche, Bedürfnisse und Einstellungen der Alleinerziehenden. „Die Gruppe der Alleinerziehenden ist eine ausgesprochen diversifizierte Gruppe“, sagte Dr. Ann-Marie Krewer zu Beginn der Präsentation. Krewer stellte gemeinsam mit Ihrer Kollegin Astrid Taube vom SO.CON-Institut die Ergebnisse der Studie vor. Von den 485 befragten Personen waren 97 Prozent weiblich, 80 Prozent zwischen 25 und 40 Jahre alt und 64 Prozent deutscher Herkunft.

Thema Nummer eins bei den alleinerziehenden Arbeitslosengeld-II-Beziehern/innen ist die Frage der Kinderbetreuung. Das kommt bei der Frage sowohl nach dem Betreuungsbedarf zum Ausdruck als auch bei der Frage, warum die Arbeitssuche bislang erfolglos verlief: 37 Prozent monierten hier fehlende Unterstützung bei der Kinderbetreuung, 38 Prozent gaben an, sich selber um die Kinder kümmern zu wollen; ebenfalls 38 Prozent gingen vom Unwillen der Arbeitgeber aus, Alleinerziehende einzustellen. Nur die Punkte „Kein Auto/Führerschein“ (42 Prozent) und „Fehlender Berufsabschluss“ (38 Prozent) erhielten ähnlich viel Zustimmung.

Handlungsbedarf besteht nach den Ergebnissen der Wissenschaftlerinnen auch auf der Beratungsebene. So hätten 71 Prozent noch nie Beratungsangebote in Anspruch genommen. 40 Prozent gaben an, Qualifizierungsangebote nicht zu nutzen. Dabei wünschte sich mehr als jede Zweite Umschulungsmaßnahmen in einen neuen oder anderen Beruf.

Relativ einheitlich zeigten sich die alleinerziehenden Hartz-IV-Bezieher/innen bei der Frage, welche Anforderungen ein Arbeitsplatz für sie erfüllten müsste. Hier stehen die Rahmenbedingungen der Arbeit eindeutig vor den Inhalten. 80 Prozent der Befragten gaben an, die Arbeit müsse mit den Aufgaben als Mutter oder Vater vereinbar sein. 76 Prozent wünschten sich einen wohnortnahen Arbeitsplatz und 45 Prozent flexible Arbeitszeiten. Bei den inhaltlichen Anforderungen wie „verantwortungsvolle Arbeit“ oder „Entscheidungs- und Handlungsspielräume“ stimmten nur 18 beziehungsweise 15 Prozent zu.

Entsprechend fielen auch die Wünsche an den Arbeitgeber aus: Dieser müsse „mehr Verständnis für die Probleme Alleinerziehender“ aufbringen, gaben 77 Prozent der Befragten an. Und 67 Prozent wünschten sich „mehr Mut, Alleinerziehende einzustellen“. Möglichkeiten zur Kinderbetreuung in Unternehmen gaben dagegen nur 45 Prozent als Wunsch an die potenziellen Arbeitgeber an.

Die Handlungsempfehlungen, die die Wissenschaftlerinnen der Hochschule Niederrhein aus ihren Ergebnissen ableiteten, um die Arbeitsmarktchancen von alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängern zu verbessern, sind eindeutig: eine bessere Kinderbetreuung, aktualisierte und verbesserte Beratung, mehr Umschulungs- und Qualifikationsmöglichkeiten sowie ein besseres Image der Alleinerziehenden bei den Arbeitgebern.

Pressekontakt: Dr. Christian Sonntag, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Niederrhein, Tel.: 02151 822-3610; christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Dr. Christian Sonntag | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie