Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ÖsterreicherInnen sind mit dem Leben zufriedener als Deutsche

18.11.2010
Appell an Jugendliche zur Testteilnahme

ÖstereicherInnen sind zufriedener mit ihrem Leben und ihren Lebensumständen als Deutsche. Zu diesem Schluss kommen Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Höfer von der Medizinischen Universität Innsbruck und Prof. Dr. Willibald Ruch von der Universität Zürich in einer gemeinsam durchgeführten internationalen Studie.

Über 5000 ProbandInnen unterschiedlicher Berufs- und Altersgruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bislang an der Erhebung teilgenommen. Nun soll die Stichprobe für die Befragung zur Lebenszufriedenheit mit einem gezielten Fokus auf Jugendliche erweitert werden.

Um Lebensqualität und Lebensstandard einer Gesellschaft zu beschreiben, bedienen sich Autoren oftmals wirtschaftlicher Kennzahlen, wie dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zwei Wissenschaftsteams der Medizinischen Universität Innsbruck und der Universität Zürich haben diese oft hergestellte Kausalität von hohem BIP und hoher Lebensqualität jedoch nicht als Hypothese für ihre Studie herangezogen, sondern durch eine andere Messgröße ersetzt. „Die Lebenszufriedenheit ist ein wesentlich aussagekräftigerer Parameter, um Lebensqualität und Lebensstandard zu beschreiben, als es abstrakte Wirtschaftszahlen vermögen. Denn in das BIP fließen auch Kosten, die durch negative Ereignisse wie Umweltkatastrophen entstehen ein, wodurch dieses künstlich erhöht wird und so zu falschen Interpretation führt“, weiß Studienautor Priv.-Doz. Dr. Stefan Höfer von der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Auf Basis der laufenden Studie können die Forscher die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der befragten ÖsterreicherInnen mit 70 Prozent, jene der deutschen StudienteilnehmerInnen mit 64 Prozent festlegen.

Der Well-being Index als effizienter Parameter

In der Analyse des subjektiven Wohlbefindens nimmt die Universitätsklinik für Medizinische Psychologie eine führende Rolle ein und befindet sich damit sogar in einem internationalen Umfragetrend. Immerhin wollen sich immer mehr europäische Staaten das Wohlbefinden ihrer Bevölkerung als Gradmesser für politische und wirtschaftliche Strategien zu Nutze machen.

International Well-being Index (IWI) nennt sich das Instrument, welches in der aktuellen Untersuchung zum Einsatz kam und im Vorfeld von der Arbeitsgruppe Dr. Höfers an die deutsche Sprache und Kultur angepasst wurde, indem der Index 2009 an knapp 600 Innsbrucker MedizinstudentInnen getestet worden war. Der IWI misst sowohl das persönliche (PWI) als auch das nationale Wohlbefinden (NWI). Der PWI ist dabei mit Fragen nach dem eigenen Lebensstandard oder dem jeweiligen gesundheitlichen Zustand assoziiert, der NMI leitet sich von der Beurteilung allgemeiner Bedingungen, wie politischer oder umweltbezogener Konditionen, ab.

So gelang mit dieser Studie eine gültige und zuverlässige Anpassung des IWI an österreichische Maßstäbe. Dabei wurde festgestellt, dass Innsbrucker MedizinstudentInnen wesentlich zufriedener mit ihrer eigenen gesundheitlichen Situation sind als die Durchschnittsbevölkerung, jedoch signifikant mehr unter Zukunftsängsten leiden und bedeutend unzufriedener mit der Regierung sind. Im Ländervergleich zu Deutschland fällt auf, dass die ÖsterreicherInnen in fast allen Bereichen zufriedener (insbesondere mit dem persönlichen Lebensstandard, der eigenen Gesundheit, den sozialen Bedingungen, dem wirtschaftlichen Umfeld bis hin zur nationalen Sicherheit) sind. Einzig im Bereich Spiritualität und Religiosität unterscheiden sich die ÖsterreicherInnen von ihren Nachbarn nicht. Zufriedene TeilnehmerInnen wiesen zudem einen höheren PWI und auch NWI auf.

Angelpunkt Charakterstärken

Nach diesen Vorarbeiten kommt dem Verständnis darüber, welche Konditionen zu einer hohen Lebenszufriedenheit führen können, zentrale Bedeutung zu. Die ForscherInnen um Prof. Willibald Ruch, Leiter der Fachgruppe Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik am Psychologischen Institut der Universität Zürich und Priv.-Doz. Dr. Stefan Höfer sind deshalb insbesondere an Charakterstärken interessiert. Von insgesamt 24 nachgefragten Charakterstärken weisen insbesondere sechs Ausprägungen eine enge Korrelation mit hoher Lebenszufriedenheit auf. „Wir konnten nachweisen, dass die Förderung eigener Charakterstärken, insbesondere von Optimismus, Dankbarkeit, Humor, Hoffnung, Liebe(n)sfähigkeit und Neugier, verbunden mit der optimalen Nutzung dieser Stärken im Alltag zu erhöhter Lebenszufriedenheit und allgemeinem Wohlbefinden, zu mehr Arbeitszufriedenheit, aber auch zu reduzierter Depressivität führen können“, betonen die beiden Wissenschafter.

Die Förderung von individuellen Charakterstärken und deren Verwertung im Alltag sollten bereits in den Schulen und im Laufe der weiteren Ausbildung zentraler Bestandteil der Sozialisation sein. Man nimmt an, dass richtige Mentoren und Vorbilder, sowie die Teilnahme in pädagogisch geführten Jugendverbänden aber auch wichtige Lebenserfahrungen Einfluss auf den Charakter nehmen. Vor diesem Hintergrund, und um die Repräsentativität der Befragung auch für einen jüngeren Personenkreis zu gewährleisten, soll die angelegte Studie zur Lebenszufriedenheit nun mit der gezielten Befragung von jungen Menschen von zehn bis 18 Jahren erweitert und vertieft werden.

Kennen Sie Ihre Charakterstärken? - Aufruf zur Testteilnahme

"Unsere Erfahrung zeigt, dass vor allem Eltern, LehrerInnen und Jugendverbände Interesse an unserer Aktion haben und Jugendliche gezielt auf unser Angebot hinweisen", unterstreicht Prof. Ruch. Im Rahmen der kooperativen Forschungsarbeit stellt die Universität Zürich deshalb kostenlos einen Online-Test zur Verfügung, der auf Erwachsene aber auch auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten ist. „Wir hoffen auf die zahlreiche Beteiligung von Jugendlichen. Der Test kann in einfachen Schritten durchgeführt werden und wird mit umfangreicher Rückmeldung der Ergebnisse beantwortet, betonen die Forscher.

Der Online-Test ist unter http://www.charakterstaerken.org zu finden.

Kontakt:
Dr. Stefan Höfer [PhD, MSc, FESC]
Medizinische Universität Innsbruck
Universitätsklinik für Medizinische Psychologie
Schöpfstraße 23a
A-6020 Innsbruck
+43-512-504-26227
stefan.hoefer@i-med.ac.at
Mag. Doris Heidegger
Medizinische Universität Innsbruck
Öffentlichkeitsarbeit (Leitung: Mag. Amelie Döbele)
Innrain 52
A-6020 Innsbruck
+ 43 512 9003 70083
doris.heidegger@i-med.ac.at
Links:
Universitätsklinik für Medizinische Psychologie
http://www.i-med.ac.at/medpsy/
Prof. Dr. Willibald Ruch, Universität Zürich
http://www.psychologie.uzh.ch/fachrichtungen/perspsy/ueber-uns/team/ruch.html
Studie: International Well-being Index: The Austrian Version. Renn, D; Pfaffenberger, N; Platter, M; Mitmansgruber, H; Cummins, R A; Höfer, S. Soc Indic Res. 90: 243-256 (2009)
http://dx.doi.org/10.1007/s11205-008-9255-2
http://www.springerlink.com/content/t2n752276h542l2v/
ORF: Cameron sucht das Glück
http://www.orf.at/stories/2025534/2025522/
Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.800 MitarbeiterInnen und ca. 2.800 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden drei Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. In der Forschung liegen die Schwerpunkte im Bereich der Molekularen Biowissenschaften (u.a. bei dem Spezialforschungsbereich „Zellproliferation und Zelltod in Tumoren“, Proteomik-Plattform), der Neurowissenschaften, der Krebsforschung sowie der molekularen und funktionellen Bildgebung. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck in der hochkompetitiven Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Doris Heidegger | Medizinische Universität Innsbru
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at
http://www.charakterstaerken.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Fighting drug resistant tuberculosis – InfectoGnostics meets MYCO-NET² partners in Peru

28.04.2017 | Event News

Expert meeting “Health Business Connect” will connect international medical technology companies

20.04.2017 | Event News

Wenn der Computer das Gehirn austrickst

18.04.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Wireless power can drive tiny electronic devices in the GI tract

28.04.2017 | Medical Engineering

Ice cave in Transylvania yields window into region's past

28.04.2017 | Earth Sciences

Nose2Brain – Better Therapy for Multiple Sclerosis

28.04.2017 | Life Sciences