Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökonomische Ungleichheit und Gesundheit - Weltweite Studie zeigt Korrelation zwischen den beiden Größen

11.01.2010
Je größer die ökonomische Ungleichheit in einem Land, desto schlechter ist es um die Gesundheit seiner Bevölkerung bestellt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Gesundheitsökonomen Martin Karlsson von der TU Darmstadt in Kooperation mit der Universität Lund (Schweden). Karlssons Arbeit unterscheidet sich von bisherigen ähnlichen Studien durch ihre weltweite Datenbasis: sie gründet sich auf Umfragen in 21 Ländern.

Darunter sind die bevölkerungsreichsten Länder der Welt wie China und Indien, aber auch Deutschland oder Dänemark. "Alle befragten Personen zusammen repräsentieren die Hälfte der Weltbevölkerung", betont Karlsson. Bisherige Studien seien lediglich innerhalb eines Landes oder unter reichen Ländern durchgeführt worden.

Die neue Studie hingegen erfasst Staaten mit relativ geringer ökonomischer Ungleichheit wie Deutschland bis hin zu solchen mit extrem ungleicher Vermögensverteilung wie Russland oder Südafrika. "Daher ist das Ergebnis sehr robust", sagt Karlsson. Bislang sei die Korrelation zwischen ökonomischer Ungleichheit und Gesundheit wegen der schmalen Datenbasis bisheriger Studien stark bezweifelt worden. "Doch diese Zweifel werden durch unsere Studie abgeschwächt", sagt Karlsson. Jeweils über 75 Prozent der befragten Kanadier, Dänen und Franzosen gaben bei der Befragung einen "guten" oder "sehr guten" Gesundheitszustand an. In Ländern mit größerer ökonomischer Ungleichheit attestierten sich die Studienteilnehmer hingegen in der Regel eine deutlich schlechtere Gesundheit: Nur rund ein Drittel der türkischen und chinesischen Befragten bezeichnete die eigene Gesundheit als "gut" oder "sehr gut", beim Schlusslicht Russland waren es sogar nur rund 17 Prozent. Die deutschen Studienteilnehmer lagen mit knapp 70 Prozent "guter" oder "sehr guter" Gesundheit im oberen Mittelfeld der 21 Nationen.

Für die der Arbeit zu Grunde liegenden Umfrage wurde eine repräsentative Gruppe von 1000 Menschen pro Land ausgewählt. Sie stuften ihre Gesundheit subjektiv zwischen den Werten "sehr schlecht" und "sehr gut" ein. Außerdem benutzten die Forscher so genannte "Aktivitäten des täglichen Lebens", um den Grad der Behinderung eines Menschen zu messen.

Den Durchschnittswert der Gesundheit in den verschiedenen Ländern setzten die Forscher mit dem so genannten Gini-Index in Beziehung. Dieser Index ist ein quantitatives Maß für die ökonomische Ungleichheit. Er ist groß für Länder, in denen ein kleiner Teil der Bevölkerung das meiste Einkommen des Staates besitzen und klein für Staaten, deren Vermögen sich weitgehend gleichmäßig auf seine Bewohner verteilt.

Um die gefundene Korrelation zu überprüfen, haben die Forscher weitere Informationen über die Befragten ausgewertet, die bei der Umfrage ebenfalls erhoben worden waren, etwa die Kinderzahl oder die Anzahl der Mitbewohner im Haushalt. "Dabei zeigte sich, dass die beobachtete Korrelation von solchen Faktoren nicht beeinflusst wurde", sagt Karlsson.

Der Juniorprofessor betont, dass die neue Studie keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der ökonomischen Ungleichheit und der Gesundheit der Bevölkerung eines Staates herstellt. "Es kann sein, dass beide Größen von einem oder mehreren Faktoren in gleichem Sinne beeinflusst werden", sagt Karlsson. Das Ziel der Forscher ist es, diese Faktoren zu identifizieren.

Kontakt für Journalisten:

Jun.-Prof. Martin Karlsson Ph.D.
Fachbereich Rechts- und
Wirtschaftswissenschaften
Technische Universität Darmstadt
Tel.: 06151-16 3192
Fax: 06151-16 3897
karlsson@vwl.tu-darmstadt.de
Christian Siemens
Referat Kommunikation
Technische Universität Darmstadt
Tel.: 06151-16 3229
Fax: 06151-16 4128
siemens.ch@pvw.tu-darmstadt.de

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie