Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökonom: Herkunft bestimmt wirtschaftlichen Erfolg

19.12.2008
Soziale Ungleichheiten als Entwicklungshemmnis identifiziert

Einen neuartigen Erklärungsansatz für globale Unterschiede im wirtschaftlichen Erfolg stellen Ökonomen der Brown University zur Diskussion. Sie vergleichen lange zurückgehende geografische Herkunft heutiger Gesellschaften mit ihrem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Die kulturelle Prägung über Jahrhunderte habe laut Wissenschaftlern großen Einfluss auf die Wirtschaftsleistung der Länder.

"Die wichtigste Ressource der Wirtschaft ist der Mensch. Wir dürfen ihn nicht nur unter dem Aspekt seiner Arbeitsfähigkeit oder Ausbildung sehen, sondern müssen auch das kulturelle Erbe berücksichtigen, das er in sich trägt", betont Studienautor Louis Putterman im Interview mit pressetext.

Die Forscher erstellten eine Weltkarte, die die regionale Herkunft der heute ansässigen Bevölkerung von 164 Ländern im Laufe von fünf Jahrhunderten zeigt. Den höchsten Anteil von Vorfahren aus derselben Region gibt es demnach in Europa, Asien und Nordafrika, wo neun von zehn Vorahnen bereits im Jahr 1500 im gleichen Gebiet wohnten.

Zwei Drittel der Vorfahren der Bewohner Mexikos und Zentralamerikas gehen auf die indigene Bevölkerung vor der spanischen Eroberung zurück, in Südamerika sind es nur 20 Prozent. Kaum über eingeborene Vorfahren verfügen hingegen mit jeweils drei Prozent die USA, Kanada, Australien und Neuseeland, die Einwohner der Karibik verfügen über keine Vorfahren aus der Region.

Die Verortung der Vorfahren könne laut Putterman erklären, warum heute nicht nur Zivilisationen wie China, Japan, Korea, Italien und Deutschland erfolgreich sind, die bereits vor Jahrhunderten relativ fortgeschritten waren. "Kanada oder Australien würden dieser Theorie zwar widersprechen, doch wurden diese Länder von Nachfahren der Bewohner von bereits früher erfolgreichen Ländern bevölkert", so Putterman. Die Migration von Teilen der Bevölkerung hätte demnach bedeutende Elemente des Wirtschaftserfolgs in neue Gebiete transferiert. Putterman hält grundsätzliche Einstellungen als die wirtschaftlich wichtigsten dieser Transfers. "Arbeitsethos, Wert der Bildung, Einstellung gegenüber Handel und Spezialisierung, Kooperation, soziale Verantwortung und die Bereitschaft zu Steuerzahlungen haben hier besondere Bedeutung", so der Wissenschaftler aus dem US-Bundesstaat Rhode Island.

Taiwan bezeichnet Putterman als gutes Beispiel für den Einfluss der Migration auf die Wirtschaftsentwicklung. "Um 1500 war es von kleinen Stämmen polynesischen Ursprungs besiedelt, ehe in mehreren Wellen Einwanderer aus dem wirtschaftlich viel dynamischeren China auf die Insel kamen." Der Charakter dieser Einwanderer hätten den heutigen Erfolg Taiwans grundgelegt. "Damit ist keine generelle Überlegenheit eines Volkes oder eine absolute Rangordnung von Kulturen gemeint. Bestimmte kulturelle Wesenszüge haben sich jedoch als geeigneter für die Übernahme moderner Technologien und Geschäftspraktiken erwiesen", erklärt Putterman. Von Interesse war im Ländervergleich auch der Einfluss der Migration auf die Wirtschaft. "Es konnte gezeigt werden, dass die kulturell heterogene Zusammensetzung einer Bevölkerung keinen wirtschaftlichen Nachteil für das Land bedeutet. Migration per se stellt also kein Problem dar", so der US-Wirtschaftswissenschaftler.

Für die Wirtschaftspolitik sieht Putterman eine kulturelle Sensibilisierung notwendig. Erst dadurch könnten historisch belastete soziale Ungleichheiten wie Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika oder zwischen indigenen Bevölkerungsgruppen und den Nachfahren europäischer Einwanderer in Peru und Bolivien überwunden werden. Dieser Schritt sei äußerst wichtig für die Entwicklung dieser Länder. "Falls einem großen Bevölkerungsteil der Zugang zur wirtschaftlichen Entwicklung verwehrt wird, verkümmern viele potentielle Talente. Sogar privilegierten Schichten könnte es dadurch misslingen, ihrer eigenen Stärken optimal zu entfalten, da sie sich auf einem großen Angebot an billiger Arbeitskraft und auf den Anreizen zum Erhalt ihrer Privilegien ausruhen", so Putterman abschließend zu pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.brown.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE