Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökobilanz: Pasta aus Deutschland schlägt ausländische Konkurrenz

03.04.2014

Ökobilanz-Studie der Universität Hohenheim vergleicht verschiedene Anbaugebiete von Hartweizen / Anspruch auf Regionalität nimmt zu

Regionale Produkte werden bei deutschen Verbrauchern immer beliebter, schlagen sogar Bio-Produkte. Bei Hartweizen (Durum) auch zu Recht, so das Ergebnis einer Ökobilanz-Studie der Universität Hohenheim. Im Detail vergleicht die Studie die Umweltauswirkungen des Hartweizen-Anbaus in Deutschland und den wichtigsten Einfuhrländern.

Dabei verzeichnet der Hartweizen grown in Germany mit Blick auf Düngemittel, Hektarerträge sowie Umweltwirkungen nur gute Ergebnisse. Einziges Problem: er reicht nicht aus.
Kurzfassung der Studie unter http://uhoh.de/pmdurumweizen

Jeder Erwachsene in Deutschland verzehrt pro Jahr im Durchschnitt 8,3 kg Pasta, ein ständig steigender Trend. Der Hauptbestandteil dieser beliebten Teigwaren: der Hartweizen, auch Durum genannt. Um den jährlichen Verbrauch zu decken, benötigt die deutsche durumverarbeitende Industrie dafür ca. 400.000 Tonnen Durumweizenkörner.

Jedoch deckt der heimische Anbau gerade einmal ein Drittel der Nachfrage ab. „Zwei Drittel des Durums wird aus dem Ausland importiert“, sagt Moritz Wagner, Mitarbeiter im Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergiepflanzen der Universität Hohenheim. „Die Durumkörner kommen vor allem aus North Dakota in den USA, Saskatchewan in Kanada, Andalusien in Südspanien, Italien und Frankreich. Der lange Transportweg aus Südeuropa oder vielmehr noch aus der Mitte Nordamerikas mittels LKW, Zug und Schiff verbraucht viel Energie und hat somit einen sehr großen und negativen Umwelteinfluss.“

Das Fazit der Wissenschaftler: Um dem Regionalitäts- und dem Umweltanspruch des deutschen Verbrauchers gerecht zu werden, sollte zukünftig der Anbau in Deutschland erheblich ausgebaut werden.

Deutscher Durum: hohe Qualität, kurze Anfahrt, effiziente Düngernutzung

Tatsächlich kann der Durum aus Deutschland nicht nur bei den kurzen Wegen punkten: „Trotz sehr hoher Erträge bringen die deutschen Durum-Landwirte bezogen auf 1 kg Erntegut am wenigsten Stickstoffdünger aus. Im Vergleich zu den Anbaugebieten, aus denen Durum importiert wird, schneidet der deutsche Durum durchweg positiv ab“, so Prof. Dr. Iris Lewandowski, Agrarwissenschaftlerin der Universität Hohenheim.

Zudem sollte als Import nicht jedes Anbaugebiet Infrage kommen. „Nach unseren Ergebnissen empfehlen sich Frankreich und Italien als beste Alternativen. Diese Anbaugebiete haben in der Ökobilanz nach Deutschland am besten abgeschnitten, meint Dr. Friedrich Longin, Wissenschaftler an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim.

Verzichtet werden sollte nach Meinung der Autoren auf Importe aus den USA oder Kanada. Auch Spanien schneide aufgrund seiner geringen Erträge und dem hohen Einsatz an Düngemitteln als gute Alternative aus.

Die wichtigsten Ergebnisse der Ökobilanz im Überblick:

• Deutscher Durumanbau erzielt weltweit die höchsten Hektarerträge, liefert exzellente Produktqualität - aber nicht genügend Ware. Aus ökologischer Sicht sollte die heimische Anbaufläche mindestens verdoppelt werden.

• Treibhausgaspotenzial: Der Durumanbau in Deutschland schneidet mit dem geringsten Treibhausgaspotenzial pro kg Durumkörner am besten ab. An zweiter Stelle steht Kanada. Die USA, Frankreich und Italien bewegen sich im Mittelfeld. Am schlechtesten schneidet der Durum aus Spanien ab. Hierfür verantwortlich sind die hohen Stickstoffdüngermengen die - bezogen auf vergleichsweise niedrige Erträge -ausgebracht werden.

• Eutrophierungs- und Versauerungspotenzial: Der Durumanbau in Deutschland ist der umweltfreundlichste unter den verglichenen Ländern. Beim Eutrophierungspotential ist Spanien (wie beim Treibhausgaspotenzial) das Schlusslicht. Beim Versauerungspotenzial verzeichnet der Durum aus den Anbaugebieten in den USA und Kanada die höchsten Werte.

• Transportdistanz: Innerhalb Europas reist importierter Durum einige hundert Kilometer per LKW aus dem Pariser Becken, Südfrankreich, Süditalien oder Andalusien. Große Mengen kommen auch per Schiff von den USA oder Kanada. Diese weiten Strecken bis zur Durummühle in Deutschland verursachen durch Treibstoffemissionen eine große Umweltbelastung.

• Anbau-Effizienz: In Deutschland wird der Durum zwar mit 160 kg Stickstoff pro Hektar intensiv gedüngt, jedoch erzielt der deutsche Landwirt damit den höchsten Ertrag und die effizienteste Ausnutzung des Stickstoffes sowie eine gute Proteinanreicherung im Korn.

Kontakt für Medien:
Dr. Friedrich Longin, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt,
Tel.: 0711/459-23846, E-Mail: friedrich.longin@uni-hohenheim.de

Text: C. Schmid / Klebs

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau