Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nutzen statt Haben: Studie der Saar-Uni untersucht traditionelle und neuartige Mietkonzepte

07.05.2013
Sharing, eine moderne Variante des Mietens, steht im Mittelpunkt der Studie „Neue Mietkonzepte: Nutzen statt Haben – Potenziale und Herausforderungen für Unternehmen“, die das Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.) der Universität des Saarlandes veröffentlicht hat.

Zur Untersuchung von Mietkonzepten und deren Auswirkungen auf Unternehmen wurden in der empirischen Studie rund 500 Konsumenten in fünf deutschen Großstädten befragt.

Vom Auto über Spielzeug und Möbel bis hin zu Hamstern und Tannenbäumen: Die Bandbreite moderner Mietkonzepte scheint schier grenzenlos. Während sich die Möglichkeiten zur zeitlich befristeten Nutzung gegen Entgelt früher auf einige wenige Produktbereiche beschränkten, sind sie heute um ein Vielfaches größer. „Das Innovative an neuen Mietkonzepten bezieht sich jedoch nicht nur auf die Angebotsbreite, vielmehr sind die Konzepte viel flexibler geworden und Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels“, erläutert Joachim Zentes, BWL-Professor an der Saar-Uni und Direktor des Instituts für Handel & Internationales Marketing. In ihrer Studie haben Joachim Zentes und seine Mitarbeiter Tatjana Freer und Frank Beham nicht nur die Akzeptanz verschiedener Mietkonzepte durch Nutzer aller Altersgruppen unter die Lupe genommen, sondern daraus auch die Potenziale und Risiken für Unternehmen abgeleitet.

Die Bedeutung von Eigentum nimmt ab, dagegen wird es Konsumenten immer wichtiger, Gegenstände im Bedarfsfall flexibel nutzen zu können, haben die Wissenschaftler herausgefunden. „Konsumenten möchten Gegenstände orts- und zeitungebunden nutzen und auch nur die Kosten für den Zeitraum des tatsächlichen Gebrauchs tragen“, erläutert Zentes. Diese Entwicklung werde auch durch das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gefördert. Allerdings wollen die Nutzer keine persönlichen Einschränkungen in Kauf nehmen und beispielsweise auf ein Auto verzichten. Die neuen Konzepte konnten sich vielmehr vor allem durch das Internet und mobile Endgeräte entwickeln, die den Nutzern einen einfachen Zugang zu den unterschiedlichsten Gegenständen ermöglichen.

Etabliert sind traditionelle Mietkonzepte, bei denen die Konsumenten für einen vereinbarten Zeitraum und zu einem bestimmten Entgeld auf Gegenstände wie Autos, Bücher oder Werkzeug zugreifen können. Dies bietet zahlreiche Vorteile: Wer im Bedarfsfall beispielsweise ein Gartengerät anmietet, spart die Kosten für Anschaffung und Reparaturen und umgeht das Risiko, eine falsche Kaufentscheidung zu treffen. Allerdings gibt es auch zahlreiche „Barrieren“, die gegen derartige Mietkonzepte sprechen, haben die Saarbrücker Forscher beobachtet. Gerade bei sehr persönlichen Gegenständen, wie Kleidung oder Spielsachen, hätten Konsumenten große hygienische Bedenken. Das gilt insbesondere für Konzepte, bei denen Gegenstände von anderen Privatpersonen über eine von einem Unternehmen betriebene Online-Plattform gemietet werden können. „Unternehmen müssen daher je nachdem, welche Produkte sie anbieten, auf produktspezifische Bedenken reagieren. So sollten sie zusätzliche Dienstleistungen wie beispielsweise einen Reinigungs- oder Beratungsservice in ihr Konzept integrieren, um dadurch neue Potenziale abzuschöpfen“, sagt Prof. Joachim Zentes.

„Moderne Varianten des Mietens eröffnen Unternehmen vielfältige Chancen“, betont der Wirtschaftswissenschaftler. Auf veränderte Kundenanforderungen könnten sie reagieren, indem sie ihr Geschäftsfeld entsprechend erweitern. Den Trend zur Nachhaltigkeiten hätten Automobilhersteller beispielsweise aufgegriffen, die Autos nicht mehr nur zum Kauf, sondern über Carsharing-Konzepte auch zur temporären Nutzung anbieten. Und: Bei neuartigen Kundenanforderungen sei es meist notwendig, das Geschäftsmodell zu substituieren, also Produkte beispielsweise durch andere zu ersetzen. So führe der Trend zur Nachricht in digitaler Form im Verlagswesen dazu, dass Print-Ausgaben zunehmend von Online-Veröffentlichungen abgelöst werden.

„Im Ergebnis müssen sich Unternehmen auf eine neue Wirtschafts- und Gesellschaftsform einstellen, die bereits heute unter dem Stichwort ‚Shareconomy’ zusammengefasst wird und bei der das Eigentum zu Gunsten des Mietaspekts zurücktritt“, erläutert Prof. Zentes.

Kontakt:
Tatjana Freer
Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.)
Tel. 0681 302-4427
E-Mail: t.freer@mx.uni-saarland.de

Gerhild Sieber | idw
Weitere Informationen:
http://www.hima.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften