Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nierenkranke Kinder profitieren von konsequenter Blutdrucksenkung

23.10.2009
Kinderärzte des Universitätsklinikums Heidelberg veröffentlichen Studie im "New England Journal of Medicine"

Bei chronisch nierenkranken Kindern lässt im Krankheitsverlauf die Nierenfunktion oft stetig nach, so dass sie schließlich auf eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) oder Nierentransplantation angewiesen sind. Je länger man diesen Zeitpunkt hinauszögern kann, desto besser.

Die Ergebnisse einer Europäischen Studie zeigen jetzt erstmals, dass die Nierenfunktion länger erhalten bleibt, wenn der Blutdruck der Kinder konsequent abgesenkt wird. Leiter der Studie ist Professor Dr. Dr. Franz Schaefer, Sektionsleiter der Pädiatrischen Nephrologie im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Heidelberg. Die Ergebnisse wurden heute im hochrangigen "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Bei einer chronischen Nierenerkrankung nimmt die Funktion der Nieren langsam, aber stetig ab. Das bedeutet, dass die Nieren das Blut nicht mehr ausreichend filtrieren und Wasser, Salze und "Giftstoffe" im Urin nur noch ungenügend ausscheiden. Der Körper kann das relativ lange kompensieren. Wenn die Nieren jedoch endgültig versagen, überleben die Patienten nur mit einer Nierenersatztherapie (Dialyse oder Nierentransplantation).

Weniger als ein Prozent der chronisch nierenkranken Patienten sind Kinder. Der Nierenschaden führt bei etwa der Hälfte dieser Kinder zu einem erhöhten Blutdruck. Meist sind angeborene Entwicklungsstörungen der Nieren und Harnwege oder erbliche Nierenerkrankungen die Ursache. Bei Erwachsenen hingegen sind Bluthochdruck und Diabetes die Hauptursachen für eine Nierenschwäche.

Strikte Blutdruckeinstellung reduziert das Dialyserisiko um 35 Prozent

"Aus Studien an Erwachsenen weiß man, dass sogenannte ACE-Hemmer (blutdrucksenkende Medikamente, die in das Hormonsystem der Niere eingreifen) die Nieren schützen können. Bislang fehlten jedoch zuverlässige Daten für eine Therapie beim Kind", erklärt Professor Schaefer.

An der ESCAPE-Studie (Effect of Strict blood pressure Control and ACE inhibition on the progression of chronic renal failure in PEdiatric patients) nahmen 385 nierenkranke Kinder in 33 europäischen Behandlungszentren teil. Während in der konventionell behandelten Gruppe, bei der die Blutdruckwerte im oberen Normalbereich eingestellt wurden, nach 5 Jahren 41,7 Prozent der Kinder eine Nierenersatztherapie benötigten, waren dies in der intensiviert behandelten Gruppe mit Zielwert im unteren Normalbereich nur 29,9 Prozent der Patienten. Beide Gruppen erhielten einen ACE-Hemmer und, falls notwendig, weitere blutdrucksenkende Medikamente anderer Stoffklassen. Obwohl sich die therapeutisch erzielten Blutdruckwerte der beiden Gruppen nur leicht unterschieden (3-4 mmHg), waren die Ergebnisse signifikant besser mit der intensivierten Therapie.

Federführend in der Heidelberger Arbeitsgruppe war Frau Privatdozentin Dr. Elke Wühl: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine konsequente, strenge Blutdruckeinstellung das Risiko des endgültigen Nierenversagens um 35 Prozent senken kann. Besonders gut stehen die Chancen eine Nierenersatztherapie aufschieben zu können, wenn nicht nur die angestrebten Blutdruckwerte erreicht werden, sondern zu Behandlungsbeginn auch eine Abnahme der häufig erhöhten Eiweißausscheidung im Urin erzielt werden kann. "

Literatur:
Strict Blood-Pressure Control and Progression of Renal Failure in Children. The ESCAPE Trial Group, New England Journal of Medicine, 2009, 361(17), 1639-1650

http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/361/17/1639

Weitere Informationen über die Sektion Pädiatrische Nephrologie:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-Paediatrische-Nephrologie.5158.0.html
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dr.h.c. Franz Schaefer
Sektionsleiter Pädiatrische Nephrologie
Leiter KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Im Neuenheimer Feld 430
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 32 396
Fax: 06221 / 56 51 66
E-Mail: franz.schaefer(at)med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise