Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Niedrige Einkommen trotz hoher Bildung in Griechenland

20.07.2012
Niedrige Einkommen trotz hoher Bildung: Griechische Studierende haben schwache Leistungsanreize. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt Forscher der Universitäten Thessaloniki und Erfurt vorgelegt haben und in der sie Erwartungen über die wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland und Deutschland miteinander verglichen haben.

„Die anhaltende Wirtschaftskrise in Griechenland beeinflusst die Erwartungen junger Menschen bezüglich ihrer eigenen, langfristigen Berufschancen. Während deutsche Studierende einen langfristigen Einkommensvorteil in Höhe von 25 % im Vergleich zu Personen mit durchschnittlicher Bildung erwarten, ist der erwartete Unterschied bei den griechischen Studierenden praktisch Null.

Zudem erwarten griechische Studierende, dass im Laufe der kommenden Jahre das Einkommen von Personen mit tertiärem Bildungsabschluss von 200 % auf etwa 150 % der nationalen Armutsgrenze des Jahres 2010 fallen wird. Das heißt, die Studierenden erwarten nicht nur ein niedriges absolutes Einkommen, sondern auch ein niedriges relatives Einkommen, was gleichbedeutend ist mit sinkenden Anreizen für Bildung. Befragt nach ihren Plänen für die Zeit nach dem Studium äußert etwa die Hälfte der Studierenden die Absicht, im Ausland nach einem Job zu suchen“, fasst Prof. Dr. Manfred Königstein von der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt die Ergebnisse der von deutschen und griechischen Ökonomen gemeinsam angestellten Untersuchung zusammen.

Für ihre Studie hatten Prof. Konstantinos Papadopoulos von der Aristoteles Universität in Thessaloniki sowie Prof. Manfred Königstein und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter Wasilios Hariskos und Fabian Kleine von der Universität Erfurt zeitgleich in Griechenland und Deutschland Daten zu den Erwartungen Studierender zur ökonomischen Entwicklung im jeweiligen Land gesammelt. „Die Krise hat kurzfristig offensichtliche und schwerwiegende Folgen für die griechische Gesellschaft“, sagt Königstein.

„Die Krise beeinflusst aber auch die Bildung langfristiger Erwartungen. Die Erwartungen von Studierenden sind jedoch wichtig für deren Entscheidung, ein Studium zu beginnen oder nicht, für die Frage, welches Studienprogramm gewählt wird, ob man ein Studium abbricht bzw. nach dem Studienabschluss einen Job in Griechenland oder im Ausland sucht. Und all dies ist von Bedeutung für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung.“

In der nun vorliegenden Fragebogenstudie wurden Antworten von Studierenden – in der Regel angehende Wirtschaftswissenschaftler – im ersten Studienjahr gesammelt. Sie beantworteten Fragen zur erwarteten Entwicklung der Einkommen verschiedener Bildungsgruppen sowie zur erwarteten Entwicklung der Steuerbelastung (einschließlich Sozialversicherung). Zudem wurden erwartete Probleme bei der Suche nach einem der Qualifikation entsprechenden Job erhoben sowie die Bereitschaft, einen Job im Ausland zu suchen. Während die Forscher hauptsächlich an den Antworten griechischer Studierender interessiert waren, sammelten sie die gleichen Daten zeitgleich in einer Gruppe deutscher Studienanfänger. Die deutschen Studierenden befinden sich im Vergleich zu den griechischen in einer relativ stabilen wirtschaftlichen Situation und können deswegen als interessanter Vergleichsmaßstab genutzt werden.

Die Antworten der Studierenden wurden im November 2011, kurz nach dem Rücktritt des ehemaligen Ministerpräsidenten Papandreou gesammelt und sind nun in einem detaillierten Forschungsbericht zusammengefasst, der auf der Website der Universität Erfurt zu finden ist (www.uni-erfurt.de/angewandte-mikrooekonomie).

Die Forschungsgruppe beabsichtigt, die Studie in diesem Jahr mit neuen Studierenden zu wiederholen, um sehen zu können, wie die laufenden wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in Griechenland die Erwartungen und die Planungen der Studierenden weiter beeinflusst haben.

Die griechischen Studierenden erwarten laut der Studie, dass das jährliche Durchschnittseinkommen eines Single-Haushalts von etwa 14.700 Euro (gemäß Angaben für 2009 von EUROSTAT) auf 10.600 Euro im Jahr 2013 fallen wird. Für Personen mit Universitätsabschluss wird ein Abfall von 15.200 Euro auf 10.640 Euro erwartet. Der Rückgang ist für die letzte Gruppe größer im Vergleich zur ersten Gruppe. Es wird erwartet, dass das Einkommen von Personen mit einer durchschnittlichen Ausbildung von etwas mehr als 200 % der Armutsgrenze im Jahr 2009 auf etwa 150 % der Armutsgrenze im Jahr 2013 fallen wird. Der Rückgang ist etwas stärker für Personen mit einem Universitätsabschluss. Demnach wird erwartet, dass das relative Einkommen im Vergleich zur Armutsgrenze des Jahres 2010, um mehr als 50 Prozent-Punkte fallen wird, was einen dramatischen Rückgang darstellt.

Gemäß offiziellen Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Kommission (EUROSTAT) betrug das Netto-Durchschnittseinkommen in Deutschland im Jahr 2009 etwa 24.000 Euro für einen Single mit durchschnittlicher Ausbildung. Für Singles mit Universitätsabschluss erwarten die Studierenden ein Einkommen von 30.000 Euro. Darüber hinaus wurden die Erwartungen für 2011 und 2013 erhoben. Im Vergleich zur deutschen Armutsgrenze bleiben die Einkommenserwartungen demnach stabil bei etwa 210 % (durchschnittliche Bildung) bzw. 265 % (Universitätsabschluss) der Armutsgrenze (100 %).

Die Einkommensniveaus wurden im Vergleich zur nationalen Armutsgrenze des Jahres 2010 in Griechenland bzw. Deutschland angegeben, um einen besseren Ländervergleich zu ermöglichen. Haushalte unterhalb dieser Schwelle (60 % des nationalen verfügbaren Median-Äquivalenzeinkommens nach Sozialtransfers) werden als arm klassifiziert. Die Armutsgrenze betrug 2010 für Singles 7.178 Euro in Griechenland und 11.278 Euro in Deutschland.

Neben der Einkommensentwicklung wurden die Studierenden auch zu ihren Erwartungen über die Jobsuche nach Abschluss des Studiums abgefragt. Griechische Studierende erwarten, dass sie in Griechenland im Mittel zwei Jahre brauchen, um einen Job zu finden, der ihrer Qualifikation entspricht. Hingegen glauben deutsche Studierende, dass sie nur sechs Monate brauchen werden, um einen adäquaten Job zu finden. Auch dieser Unterschied macht das Studium in Griechenland vergleichsweise weniger attraktiv. Letztendlich erwarten griechische Studierende darüber hinaus, dass 49,2 % ihrer Kohorte einen Job im Ausland suchen wird.
Nähere Informationen / Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Königstein
Tel.: 0361/737-4580
E-Mail: manfred.koenigstein@uni-erfurt.de

Carmen Voigt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erfurt.de/angewandte-mikrooekonomie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie