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Neueste Studie zu Chancen und Risiken des "Pharming"

31.10.2008
Ein menschlicher Blutgerinnungshemmer, isoliert aus der Milch von genetisch modifizierten Ziegen, ist das erste zugelassene Medikament, das mit Hilfe von "Pharming" hergestellt wird. Gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere können seit kurzem zur Produktion von Arzneimitteln genutzt werden. Dies ist derzeit unter anderem bei Mais, Reis, Tabak, Ziegen, Kühen und Hühnern möglich.

"Pharming" erlaubt möglicherweise eine im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsmethoden schnellere, günstigere und flexiblere Herstellung von Biopharmazeutika, die u. a. auch für Impfungen und gegen Krebs eingesetzt werden und deren Marktwert mit einem Anstieg bis 2010 auf etwa 70 Mrd. US-Dollar prognostiziert wird. Neben dem erhofften Nutzen für Produzenten, Patienten und Träger der Sozialversicherungen wirft "Pharming" auch eine Reihe von komplexen ökologischen, ethischen, gesellschaftlichen und juristischen Fragen auf.

Die vorliegende Studie der Europäischen Akademie GmbH ist das Ergebnis einer interdisziplinären Forschungsarbeit. In ihrem Fokus steht die Untersuchung der Technologie, der Risiken für die Umwelt und die Nahrungs- und Futtermittelkette sowie der Risiken für das Wohlergehen der Tiere. Die öffentliche Akzeptanz wird erstmals auf der Grundlage einer umfassenden Umfrage in 15 Ländern analysiert und offene moralische und rechtliche Fragen werden diskutiert.

In der hier vorgelegten Studie wird dargelegt, dass die Technologie Anwendungsreife erlangt hat. Allerdings fordern die Autoren einen klareren Regulierungsrahmen (einschließlich allgemeiner EU-Richtlinien) und eine höhere Transparenz bei den regulierenden Behörden. In diesem Zusammenhang mangelt es auch an einem besseren Zugang zu Informationen und einer erhöhten Förderung von Risikoforschung. Zu berücksichtigen ist außerdem die hohe Unsicherheit bei der wissenschaftlichen Risikobewertung aufgrund des momentan begrenzten wissenschaftlichen Wissens zu den Risiken. Auf dieser Grundlage fordern die Autoren, dass "Pharming" nur nach einer Einzelfallprüfung und unter starken Sicherheitsmaßnahmen angewandt werden soll.

In der empfohlenen Verfahrensweise der Fall-zu-Fall-Entscheidung muss der Nutzen des Produktes, zu dessen Herstellung die Pflanzen und Tiere genutzt werden, berücksichtigt werden. Auch sind das potentielle Tierleid - besonders in der Entwicklungsphase der transgenen Tiere - und die Risiken, die im Falle des Pflanzen-"Pharmings" mit der ungewollten Ausbreitung des "Pharming-Gens" verbunden sind, in jedem Einzelfall zu berücksichtigen und in die Abwägung mit einzubeziehen.

Publikation:
E. Rehbinder, M. Engelhard, K. Hagen, R. B. Jørgensen, R. Pardo Avellaneda, A. Schnieke, F. Thiele: Pharming. Promises and risks of biopharmaceuticals derived from genetically modified plants and animals. Band 35 der Schriftenreihe 'Ethics of Science and Technology Assessment', hrsg. von C. F. Gethmann, Springer-Verlag, Berlin 2009
Autoren:
- Professor Dr. jur. Eckard Rehbinder (Vorsitz), Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
- Dr. phil. Margret Engelhard, Dipl.-Biol., Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler
- Kristin Hagen, Ph.D., Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler
- Rikke Bagger Jørgensen, Ph.D., Risø National Laboratory, Roskilde, Denmark
- Professor Rafael Pardo Avellaneda, Ph.D., Fundación BBVA, Madrid, Spain
- Professor Angelika Schnieke, Ph.D., Lehrstuhl für Biotechnologie der Nutztiere, TU München

- Dr. med. Felix Thiele, M.Sc., Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler

Projektkoordination:
Dr. Margret Engelhard, Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler, margret.engelhard@ea-aw.de

Katharina Mader | idw
Weitere Informationen:
http://www.ea-aw.de

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