Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Cholesterinsenker getestet - Klinische Studie zu PCSK9-Hemmer abgeschlossen

15.10.2014

Die heterozygote familiäre Hypercholesterinämie (HeFH) ist eine der häufigsten erblichen Krankheiten. Bei den Betroffenen ist der Cholesterinspiegel erhöht und sie leiden an Arterienverkalkung. Hoffnung macht eine neue Methode: sogenannte PCSK9-Hemmer.

Ein Wirkstoff (Evolocumab) wurde im Rahmen einer klinischen Studie getestet. Die Studienergebnisse wurden jetzt im renommierten Wissenschaftsjournal „The Lancet“ veröffentlicht. Eine Mitautorin ist Prof. Dr. Ioanna Gouni-Berthold vom Zentrum für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (ZEDP) der Uniklinik Köln.

In der Studie wurden 300 Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie untersucht, die bereits mit herkömmlichen Cholesterinsenkern (Statinen) behandelt wurden. Trotz dieserVorbehandlung war ihre mittlere LDL-Cholesterinkonzentration zu Beginn der Studie noch deutlich erhöht.

LDL – das Low Density Lipoprotein – wird gemeinhin als das „schlechte“ Cholesterin bezeichnet. Studien zeigen immer wieder einen Zusammenhang zwischen erhöhtem LDL-Cholesterin im Blut und der Entstehung von Arteriosklerose oder koronaren Herzkrankheiten.

Prof. Gouni-Berthold zu den Ergebnissen: „Die Behandlung mit dem PCSK9-Antikörper führte zu einer weiteren etwa 60-prozentigen Reduktion des LDL-Cholesterins über die Statinwirkung hinaus. Hinsichtlich der Sicherheit und Verträglichkeit haben wir beobachtet, dass sich die behandlungsassoziierten Nebenwirkungen nicht signifikant von denen in der Placebogruppe unterschieden haben.“

Die entscheidende Wirkung des PCSK9-Hemmers ist der Zerstörung des LDL-Rezeptors in der Leber. Der LDL-Rezeptor bindet das zirkulierende LDL-Cholesterin im Blut, der Komplex geht in die Leberzelle hinein und löst sich dort auf. Der LDL-Rezeptor findet seinen Weg zurück zur Zelloberfläche, um weiteres LDL-Cholesterin zu binden und aus dem Blut zu entfernen. So wird das LDL-Cholesterin abgebaut.

Dieser Vorgang wiederholt sich alle zehn Minuten und wird unterbunden, wenn die Konzentration des PCSK9 hoch ist, da PCSK9 an den Rezeptor bindet und ihn einem Abbau in der Leberzelle zuführt. Da der LDL-Rezeptor für die Entfernung des LDL-Cholesterins aus der Blutzirkulation verantwortlich ist, führt ein Mangel an LDL-Rezeptoren zu erhöhten LDL-Cholesterinkonzentrationen und langfristig zu Atherosklerose und damit zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko. Diese Entdeckungen haben zur Entwicklung von Methoden geführt, welche die Funktion des PCSK9 hemmen. Die am weitesten entwickelte Methode ist die Verwendung von monoklonalen Antikörpern gegen PCSK9.

Diese neuen Arzneimittel, die alle zwei Wochen oder monatlich subkutan gespritzt werden müssen, binden an PCSK9. Sie reduzieren so seine Konzentration und Funktion und erhöhen die Lebensdauer des LDL-Rezeptors und verringern so die Konzentration von LDL-Cholesterin im Blut.

Prof. Dr. Wilhelm Krone, Medizinische Leitung des Zentrums für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (ZEDP) der Uniklinik Köln teilt die Zuversicht: „Die Absenkung des LDL-Cholesterins durch Statine hat klar bewiesen, dass die Sterblichkeit sowie Herzinfarkt- und Schlaganfallrate gesenkt wird.

Dennoch können vielePatienten, insbesondere diejenigen mit einem hohen kardiovaskulären Risiko, mit einer schweren Hypercholesterinämie oder mit einer Statinintoleranz häufig nicht die optimalen LDL-Zielwerte erreichen. Diese neue Klasse von Arzneimitteln scheint sehr vielversprechend für die Behandlung dieser Patientengruppen zu sein. Zusammenfassend sehe ich dieses neue Therapieprinzip als einen Durchbruch für die Behandlung der Hypercholesterinämie.“

Wie Prof. Gouni-Berthold jedoch betont, liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Studien mit PCSK9-Antikörpern vor, die eine Senkung der Sterblichkeit und der kardiovaskulären Ereignisrate belegen – sogenannte Endpunktstudien. „An einer solchen Studie sind wir auch beteiligt – sie läuft aktuell. Die Ergebnisse hieraus werden wir aber frühestens in 2018 präsentieren können“, so die Wissenschaftlerin.

Originalarbeit:
PCSK9 inhibitionwithevolocumab (AMG 145) in heterozygous familial hypercholesterolaemia (RUTHERFORD-2): a randomised, double-blind, placebo-controlledtrial, Prof Frederick J RaalPhD,Prof Evan A Stein PhD,RobertDufourMD,Traci Turner MD,FernandoCiveiraMD,Prof Lesley Burgess MB,GisleLangsletMD,Prof Russell Scott MD,Prof Anders G Olsson MD,David Sullivan MD,G Kees HovinghMD,BertrandCariouMD,IoannaGouni-Berthold MD,RansiSomaratneMD,Ian Bridges MSc,Rob Scott MD,Scott M Wasserman MD,Prof Daniel GaudetMD,forthe RUTHERFORD-2 Investigators, The Lancet - 2 October 2014, DOI: 10.1016/S0140-6736(14)61399-4


Für Rückfragen:
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Weitere Informationen:

http://zedp.uk-koeln.de/

Christoph Wanko | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise