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Neue Studienangebote in der Frühpädagogik bislang nicht attraktiv für Männer

30.05.2012
In der Frühpädagogik findet seit 2004 eine Teilakademisierung statt. Dadurch sollen zum einen Karrierechancen für Erzieherinnen in diesem traditionell weiblich dominierten Beschäftigungsfeld entstehen. Zum anderen soll das Beschäftigungsfeld auch für Männer attraktiver werden. Die Studie liefert erstmals einen Gesamtüberblick zur Präsenz beider Geschlechter in den verschiedenen frühpädagogischen Tätigkeitsfeldern: Werden dabei geschlechtsspezifische Muster erkennbar?

Wird das komplette Spektrum an beruflichen Rollen in der Frühpädagogik betrachtet, dann fällt zunächst auf: Auf allen Qualifikations- und Hierarchieebenen des frühpädagogischen Bereichs dominieren die Frauen quantitativ. Diese weibliche Dominanz streut, je nach Position, zwischen 56 und 97 %.

Obwohl die frühpädagogischen Ausbildungen im berufsbildenden Bereich zu etwa 15 % von Männern wahrgenommen werden, landen von diesen nur rund 3 % in der Gruppenarbeit mit Kindern unter sechs Jahren. Im Bereich der frühpädagogischen Leitungs- und Anleitungsfunktionen aber ist der Männeranteil deutlich höher als in der unmittelbaren Gruppenarbeit.

Besonders auffällig ist hier die Leitungsebene von Einrichtungsträgern mit einem Männeranteil von 44 %. Ebenso ist im Bereich der Lehrenden an Berufsfachschulen, Fachschulen für Sozialpädagogik und Hochschulen der Männeranteil vergleichsweise hoch. Allerdings dominieren auch dort quantitativ die Frauen.

Im Hochschulbereich gelingt derzeit der Aufstieg von der wissenschaftlichen Mitarbeiterposition zur Professur deutlich mehr Männern als Frauen. Auffällig aber ist: Der Frauenanteil bei den Universitätsprofessuren liegt um zehn Prozentpunkte höher als bei den Professuren an Fachhochschulen und Berufsakademien. Damit gilt ein in vielen anderen Fächern verbreitetes Muster hier nicht: In der Frühpädagogik werden die höherwertigen Professuren nicht umstandslos von deutlich mehr Männern erklommen, während Frauen eher Chancen auf FH-Professuren haben. Vielmehr sind Frauen im Wettbewerb um Universitätsprofessuren noch erfolgreicher als bei den FH-Professuren.

Seit 2004 gibt es auch frühpädagogische Studienangebote an Hochschulen – mittlerweile rund 90 Angebote an 80 Hochschulen. Damit reichen die Ausbildungswege und -abschlüsse in diesem Bereich von der Berufsfachschule bis zum universitären Master. Ein Ziel der Teilakademisierung der Frühpädagogik war, dass sich mehr Männer entscheiden, dort tätig zu werden. Kinder, so das Ziel, sollen im vorschulischen Bereich Rollenvorbilder beiderlei Geschlechts erleben können.

Führen die Studienangebote nun dazu, dass sich mehr Männer für Frühpädagogik interessieren? Hier überraschen die Ergebnisse der Studie: Bisher führte die akademisierte Variante einer frühpädagogischen Ausbildung dazu, dass die ohnehin schon niedrigen Männeranteile im beruflichen Ausbildungsbereich (Berufsfachschule und Fachschule für Sozialpädagogik) nochmals halbiert werden.

Während an den beruflichen Schulen, die zur Erzieherin/zum Erzieher oder zur Kinderpflegerin/zum Kinderpfleger ausbilden, rund 15 % der Ausgebildeten Männer sind, immatrikulieren sich in den Hochschulstudiengängen bisher nur 8 % Männer. Damit konnte die Erwartung, dass das höherwertige Qualifikationsangebot zu einem gesteigerten Interesse junger Männer an einer frühpädagogischen Tätigkeit führe, bislang noch nicht eingelöst werden.

Johannes Keil / Peer Pasternack / Nurdin Thielemann: Männer und Frauen in der Frühpädagogik. Genderbezogene Bestandsaufnahme (HoF-Arbeitsbericht 2’12), Halle-Wittenberg 2012, 50 S.

Eine gedruckte Version kann beim Institut für Hochschulforschung bestellt werden:
Telefon: 03491/466-254
Telefax: 03491/466-255
E-Mail: institut@hof.uni-halle.de
Für inhaltliche Fragen wenden Sie sich bitte an:
Johannes Keil M.A. (johannes.keil@hof.uni-halle.de; Tel. 03491 466-236)
Prof. Dr. Peer Pasternack (peer.pasternack@hof.uni-halle.de; Tel.: 03491 466-254)
Online-Quelle der Studie
http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_2_2012.pdf
Zentrale Ergebnisse der Studie
http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_2_2012_zus.pdf

Karsten König | idw
Weitere Informationen:
http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_2_2012.pdf
http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_2_2012_zus.pdf

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