Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie zum Rückfallrisiko von Alkoholkranken

19.09.2012
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, das Rückfallrisiko von entgifteten Alkoholkranken näher zu bestimmen.
Anhand eines bildgebenden Verfahrens, der sogenannten Magnetresonanztomografie, zeigte sich, dass bestimmte Regionen des Gehirns bei rückfälligen Alkoholpatienten sowohl strukturelle als auch funktionelle Auffälligkeiten aufwiesen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachjournal „Archives of General Psychiatry“ veröffentlicht.

In der Studie, die unter der Leitung von Prof. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführt wurde, untersuchten die Wissenschaftler eine Gruppe von insgesamt 46 entgifteten Alkoholpatientinnen- und patienten sowie eine ebenso große Kontrollgruppe. Die strukturelle Bildgebung zeigte die anatomische Beschaffenheit der Gehirnsubstanz, während in der funktionellen Untersuchung die elektrischen Signale im Gehirn in Reaktion auf alkoholassoziierte Reize gemessen wurden. Als die Patienten nach drei Monaten auf eventuelle Rückfälle hin untersucht wurden, ergab sich eine Teilung der Gruppe in 30 rückfällige und 16 weiterhin abstinente Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer.

Es stelle sich heraus, dass die Rückfallpatienten in bestimmten Bereichen des Vorderhirns einen verstärkten Verlust der grauen Substanz aufwiesen. Diese Hirnareale sind vor allem mit der Verhaltensregulierung und der Emotionskontrolle assoziiert. Zusätzlich ergab die Messung der elektrischen Signale in Reaktion auf alkoholassoziierte Reize, dass bei Rückfallpatienten andere Gehirnhirnregionen als bei den abstinenten Patienten aktiviert wurden. Hier zeigte sich, dass bei den Rückfallpatienten Hirnareale aktiv waren, die in erster Linie mit der Aufmerksamkeitslenkung assoziiert sind. Im Gegensatz dazu zeigten die abstinenten Alkoholpatienten eine Aktivierung der Hirnbereiche, die unter anderem der Verarbeitung von Reizen zugeordnet werden, die Widerwillen hervorrufen (aversive Reize) oder besonders bedeutsam sind (saliente Reize).
„Diese Besonderheit bei den abstinent gebliebenen Patienten fungiert möglicherweise als Warnsignal und verhütet den potentiellen Rückfall bei einer Konfrontation mit Alkohol“, sagt Anne Beck, die Erstautorin der Studie. Zukünftige Studien könnten diese Aspekte weiter vertiefen und eventuell Faktoren der Alkoholabhängigkeit, wie beispielsweise genetische Mechanismen, mit in Betracht ziehen. So können eventuell besonders rückfallgefährdete Menschen identifiziert und gezielt therapeutisch unterstützt werden.

Beck A, Wüstenberg T, Genauck A, Wrase J, Schlagenhauf F, Smolka MN, Mann K, Heinz A. Effect of brain structure, brain function, and brain connectivity on relapse in alcohol-dependent patients. Arch Gen Psychiatry. doi:10.1001/archgenpsychiatry.2011.2026

Kontakt:
Dr. Anne Beck
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charite - Universitätsmedizin Berlin
anne.beck@charite.de
t +49 30 450 517 027

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie