Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie: Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien profitieren von zweisprachiger Erziehung

04.09.2012
Verglichen mit monolingualen Kindern fällt es zweisprachig aufwachsenden Kindern aus einkommensschwachen Familien leichter, ihre Aufmerksamkeit zu lenken und zu fokussieren. Das ist das Ergebnis einer kürzlich an der Universität Luxemburg durchgeführten Studie, die im Journal Psychological Science veröffentlicht wurde.

Ein Leben in Armut ist oft verbunden mit Bedingungen, die einen negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung haben können. Zusammen mit Forschungskollegen der Universität Minho, Portugal, und York Universität, Canada, untersuchte Dr. Pascale Engel de Abreu, Wissenschaftlerin für Psychologie, welchen Einfluss das Sprechen von zwei Sprachen auf die mentalen Prozesse einkommensschwacher Kinder hat.

„Dies ist die erst Studie, die zeigt, dass zweisprachige Kinder aus einkommensschwachen Familien zwar viele sprachliche Herausforderungen bewältigen müssen, sie jedoch auch wesentliche Stärken haben, was nicht-sprachliche, für das Lernen entscheidende kognitive Fähigkeiten angeht“, so Dr. Engel de Abreu.

Insgesamt nahmen 80 Zweitklässler aus einkommensschwachen Familien an der Studie teil. Die eine Hälfte der Kinder waren aus dem Norden Portugals stammende Migranten der ersten oder zweiten Generation in Luxemburg, die täglich Luxemburgisch und Portugiesisch sprechen. Die andere Hälfte der Kinder lebte im Norden Portugals und sprach ausschließlich Portugiesisch.

Zuerst untersuchten die Wissenschaftler ihren Wortschatz und baten die Kinder, Gegenstände oder Aktionen auf Bildern zu nennen. Beide Gruppen machten die Aufgabe auf Portugiesisch und die zweisprachigen Kinder machten sie ebenfalls auf Luxemburgisch.

Um zu untersuchen, wie die Kinder Wissen im Gedächtnis darstellten, forderten die Wissenschaftler sie auf, ein fehlendes Stück zur Ergänzung einer speziellen geometrischen Form zu finden. Weiter maßen sie auch, wie viele visuelle Informationen die Kinder im Gedächtnis behalten konnten. Anschließend nahmen die Kinder an Aufgaben teil, die ihre Fähigkeit untersuchten, ihre Aufmerksamkeit bei Ablenkung zu lenken und zu fokussieren.
Obwohl die zweisprachigen Kinder weniger Wörter kannten als ihre einsprachigen Alterskollegen und keinen Vorteil bei den Gedächtnisaufgaben aufwiesen, schnitten sie bei der Kontrollaufgabe, bei der sie ihre Aufmerksamkeit unter Ablenkung lenken und fokussieren mussten, besser ab.

„Kinder aus einkommensschwachen Familien sind eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe“, sagt Engel de Abreu. „Untersuchungen der kognitiven Prozesse in dieser Gruppe sind für die Gesellschaft von großer Wichtigkeit und ein wesentlicher Fortschritt für unser Verständnis darüber, wie sich Kinder entwickeln.“

Die Forscher glauben, dass die Forschungsergebnisse darüber informieren oder dazu anregen, die Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund zu verringern. „Fremdsprachenunterricht benötigt keine teure Ausstattung. Er erweitert den sprachlichen und kulturellen Horizont von Kindern und fördert eine gesunde Entwicklung des Kommandosystems des Gehirns, das für die Planung und Problemlösung wichtig ist“, so Engel de Abreu. „Unsere Studie deutet darauf hin, dass Interventionsprogramme auf Basis von Zweitsprachenunterricht für zukünftige Forschungsarbeiten nützlich sind.“

Publikation: Engel de Abreu, P.M.J., Cruz-Santos, A., Tourinho, C.J., Martin, R., & Bialystok, E. (im Druck). Bilingualism enriches the poor: Enhanced cognitive control in low-income minority children. Psychological Science.

Psychological Science ist das Journal der „Association for Psychological Science“ mit Sitz in den USA.

Britta Schlüter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni.lu
http://www.psychologicalscience.org/index.php/news/releases/speaking-two-languages-also-benefits-low-income-children.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik