Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie des H.I.MA.: Warum Nachhaltigkeit für Unternehmen im Wettbewerb immer wichtiger wird

01.04.2014

Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen weit mehr als ein Werbeslogan: Zunehmend verankern sie ökologische und soziale Aspekte in ihrer Wertschöpfungskette, also im Verlauf des gesamten Entstehungsprozesses eines Produktes bis hin zu seinem Verkauf.

Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.) der Universität des Saarlandes. Dabei gaben eine Vielzahl von Handelsunternehmen und Konsumgüterhersteller aus Deutschland und der Schweiz darüber Auskunft, wie bedeutsam das Thema Nachhaltigkeit für ihr Unternehmen aktuell und bis 2020 ist und mit welchen Strategien sie Nachhaltigkeit konkret umsetzen.

Fleischskandale in Europa, gravierende soziale und ökologische Missstände in Produktions- und Anbauländern der Dritten Welt: Vorkommnisse wie der Verkauf von nicht-deklariertem Pferdefleisch oder die katastrophalen Brände in den Textilfabriken Bangladeschs empören die Öffentlichkeit immer wieder.

Dass dies durchaus zu Veränderungen im Bewusstsein und im Verhalten von Unternehmen führt, ist zentraler Gegenstand der Untersuchung des Instituts für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.) der Saar-Universität. Denn in Zeiten rasanter medialer Verbreitung können unternehmerisches Fehlverhalten und Missstände in der Wertschöpfungskette die Reputation eines Unternehmens innerhalb kürzester Zeit ruinieren.

In ihrer empirischen Studie „Nachhaltige Markenführung – Neugestaltung der Wertschöpfungskette“ haben Professor Joachim Zentes sowie die Mitautorinnen Victoria Lonnes und Darlene Whitaker insgesamt 54 Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz schriftlich über ihre Nachhaltigkeitsstrategien befragt. Dabei stammten etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen aus der Lebens- und Genussmittelbranche, ein hoher Prozentsatz aus dem Textil- und Freizeitbereich.

„Die Forderung an Unternehmen nach Nachhaltigkeit ist nicht neu, wohl aber die Vehemenz, mit der Stakeholder, also Anspruchsgruppen wie Kunden, Mitarbeiter, Medien oder die Politik, derartige Forderungen stellen“, erklärt Zentes. Dabei gehe es nicht um bloße Versprechungen aus den Marketing-Abteilungen, sondern darum, Nachhaltigkeit konkret in der Wertschöpfungskette der Unternehmen umzusetzen.

Welche Strategien hierbei besonders wichtig sind, ermittelten die Saarbrücker Wissenschaftler vor Beginn der eigentlichen Studie durch Gespräche mit Experten aus dem Handel und der Konsumgüterindustrie. Zu den bedeutsamsten Strategien gehören demnach die Transparenz und Kontrolle der Wertschöpfungskette sowie die Kooperation mit Wertschöpfungspartnern und Nichtregierungsorganisationen.

Bei der Befragung von 54 Unternehmen ging es zunächst um eine Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Bedeutung von Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen: Knapp 52 Prozent halten Nachhaltigkeit aktuell für wichtig bis sehr wichtig und mehr als 80 Prozent der Befragten glauben, dass das Thema bis 2020 sehr relevant werden wird. Bezüglich der wichtigsten Strategien zur Verankerung von Nachhaltigkeit zeigt sich folgendes Ergebnis:

Transparenz wurde als eine der wichtigsten Strategien genannt, und zwar sowohl in der Wertschöpfungskette selber, in der man sämtliche Zulieferer und Prozesse kennt, als auch nach außen durch die Kommunikation mit den Anspruchsgruppen. „Transparenz ist fast zu einem Synonym für Nachhaltigkeit geworden“, sagt Victoria Lonnes.

Während aktuell rund 26 Prozent der Unternehmen ihre Wertschöpfungskette für transparent oder sehr transparent halten, wollen fast 63 Prozent der befragten Unternehmen bis 2020 ihre Transparenz stark ausbauen. Auch auf starke bis sehr starke Kontrollen und formale Vorgaben für die Wertschöpfungskette setzen gegenwärtig nur 24 Prozent der Unternehmen, aber 59 Prozent geben an, dies bis 2020 umsetzen zu wollen.

„Um noch nachhaltiger zu werden, ist auch die Kooperation mit Wertschöpfungspartnern ganz entscheidend“, erklärt Darlene Whitaker. Das gelte zwar auch derzeit schon, werde aber in Zukunft noch wichtiger. Als Beispiel nennt sie den Betrieb von Baumwollplantagen in Afrika, wo die Lebensbedingungen und die Gesundheit der Plantagenarbeiter nur durch die Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort nachhaltig gesichert werden könne.

In einem zweiten Schritt untersuchte das H.I.MA., inwieweit sich die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategien nach Einschätzung der Unternehmen auf ihre Reputation, Glaubwürdigkeit und Legitimität auswirkt. Ergebnis: Alle Unternehmen gehen von einem positiven Einfluss aus. Hätten bis vor einigen Jahren Unternehmen wie FRoSTA, HiPP oder dm mit ihrer nachhaltigen Positionierung eher als unkonventionell gegolten, würden sie heute als Vorbilder für die ganzheitliche Verankerung von Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen angesehen.

Die Studie „Nachhaltige Markenführung – Neugestaltung der Wertschöpfungskette“ der Autoren Joachim Zentes, Victoria Lonnes und Darlene Whitaker kann auf Anfrage beim Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.) bezogen werden.

Weitere Informationen: http://www.hima.uni-saarland.de

Fragen beantworten:

Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Zentes
Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.)
Tel.: 0681 302-4475
E-Mail: hima@mx.uni-saarland.de

Dipl.-Kffr. Victoria Lonnes
Tel.: 0681 302-4479
E-Mail: v.lonnes@mx.uni-saarland.de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681 302-4582) richten.

Gerhild Sieber | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie