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Neue Studie belegt: Wohlstand, Jobs und Umwelt profitieren von moderner Saatgutbeizung in der EU

15.01.2013
Wissenschaftler: Ohne Neonikotinoide verliert die deutsche Wirtschaft bis zu 900 Millionen Euro p.a. / Mittelfristig 50 000 Arbeitsplätze in Europa gefährdet / mehr Treibhausgas-Emissionen befürchtet

Saatgutbeizung mit Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Neonikotinoide leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Nachhaltigkeit der europäischen Landwirtschaft. Der sozio-ökonomische Wertbeitrag beläuft sich mittelfristig (fünf Jahre) auf bis zu 17 Milliarden Euro; 50 000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in den von ihr abhängigen Wirtschaftsbereichen wären im selben Zeitraum ohne diese Technologie gefährdet. Zugleich leistet die Saatgutbeizung mit Neonikotinoiden einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen aus der landwirtschaftlichen Produktion.

Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen wissenschaftlichen Studie von Steffen Noleppa und Thomas Hahn, die in der Publikationsreihe des Humboldt Forum for Food and Agriculture e. V. (HFFA) veröffentlicht und heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) und des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) in Berlin vorgestellt wurde. In Deutschland allein sichert die Saatgutbeizung mit Neonikotinoiden nach Berechnung der Autoren eine jährliche gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung von bis zu 884 Millionen Euro, in der Landwirtschaft allein von 599 Millionen Euro.

Die Beizung von Saatgut ist ein besonders schonendes und effizientes Verfahren im Pflanzenschutz. Vor der Aussaat werden die Körner mit einem Pflanzenschutzmittel ummantelt und unmittelbar von der Pflanze aufgenommen. Neonikotinoide sind sogenannte insektizide Pflanzenschutzmittel - sie schützen die Pflanze während des Wachstums wirksam vor dem Fraß und Befall von Schadinsekten. Spritzungen während des Wachstums werden so reduziert und können bisweilen ganz unterbleiben, was dem Landwirt Kosten-, Zeit- und Energieaufwand erspart.

"Wir haben in unserer Studie gezeigt, dass die Beizung von Saatgut mit Neonikotinoiden ein integraler Bestandteil im deutschen und europäischen Pflanzenschutz ist und erheblich zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion beiträgt", erklärte Thomas Hahn, Leiter des Forschungsprojekts. "Die negativen makroökonomischen Effekte eines potenziellen Verbots dieser Technologie sind tief greifend und belasten nicht nur Landwirtschaft und Arbeitsmarkt, sondern würden in zusätzlichen CO2-Emissionen von einmalig 600 Millionen Tonnen resultieren", so Hahn weiter.

Noleppa und Hahn haben sich in ihrer Studie nicht nur mit der gesamteuropäischen Perspektive befasst, sondern zu zahlreichen Regionen in Europa sogenannte Hot-Spot-Analysen durchgeführt. In Deutschland haben sie dabei die Feldkulturen Raps und Zuckerrübe eingehender untersucht. Ohne den Einsatz von Neonikotinoiden sind beispielsweise im Rapsanbau bei einem starken Befall durch Schädlinge, wie dem großen Rapserdfloh und der kleinen Kohlfliege, Ertragsverluste von 10 bis 15 Prozent zu erwarten. In zentralen Rapsanbaugebieten in Deutschland würden die Netto-Margen der Produzenten um 60 Prozent schrumpfen. In Feldstudien zeigen Pflanzen, die mit Neonikotinoiden behandelt wurden, bei Befall dagegen keine nennenswerten Ertragsverluste.

Diese Erfahrungen bestätigten in Berlin auch Praktiker aus der
Landwirtschaft: "Zu Neonikotinoiden, die als Beizmittel angewendet werden, gibt es in Bezug auf die Ertragssicherheit und die Schonung von Nützlingen im Rapsfeld für mich keine wirksame Alternative. Die Saatgutbeizung ist der Königsweg des Pflanzenschutzes hinsichtlich der benötigten Wirkstoffmenge, der zielgenauen Anwendung und des Anwenderschutzes", sagte Dietmar Brauer, Geschäftsführer der Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Zuckerrüben. "Als Zuckerrübenanbauer stehe ich jedes Frühjahr unter einem immensen Zeitdruck, weil ich viele Dinge auf dem Acker gleichzeitig erledigen muss", sagte Hans-Christian Koehler, Aufsichtsratsvorsitzender der Nordzucker AG und aktiver Zuckerrübenanbauer aus Uelzen. "Die Saatgutbehandlung mit Neonikotinoiden schützt meine jungen Rübenpflanzen vor Insekten und Virusinfektionen bis zum Reihenschluss, ohne dass ich zusätzliche Spritzungen durchführen muss. Die punktgenaue Wirkung spart Zeit und lässt mir genügend Raum für andere notwendige Pflegemaßnahmen auf dem Feld." Dies unterstreichen auch die Daten aus der Hot-Spot-Analyse zum Zuckerrübenanbau in Deutschland. Ein Verzicht auf die Beizung mit Neonikotinoiden würde bei Befall einen Ertragsverlust von 20 bis 40 Prozent bedeuten. Für den Zuckerrübenanbauer bedeutet das nach den Berechnungen von Noleppa und Hahn einen Einbruch seiner Margen um bis zu 40 Prozent.

Die Studie steht zum Download im Internet zur Verfügung unter http://www.hffa.info

Über die Studie

Die Beratungsunternehmen a-connect und agripol GbR haben die erste umfangreiche Untersuchung zur sozio-ökonomischen, technologischen und ökologischen Bedeutung von Neonikotinoiden in der Saatgutbeizung für die Europäischen Union und die Agrarproduktion in einzelnen Ländern durchgeführt. Unterstützt wurde die Studie von dem Europäischen Bauernverband COPA-COGECA, dem Europäischen Saatgut-Verband ESA und dem Europäischen Pflanzenschutz-Verband ECPA. Finanziert wurde die Forschungsarbeit von den Unternehmen Bayer CropScience und Syngenta.

Der Forschungsbericht wurde herausgeben vom Humboldt Forum for Food and Agriculture e. V. (HFFA). Die Studie quantifiziert die sozio-ökonomischen Effekte von Neonikotinoiden im Pflanzenschutz und zeigt die nachteiligen Auswirkungen eines Verzichts von Neonikotinoiden für die moderne Landwirtschaft auf.

Über den BDP

Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) mit Sitz in Bonn und Berlin ist die berufsständische Vertretung der rund 130 deutschen Pflanzenzuchtunternehmen und Saatenhändler aus den Bereichen Landwirtschaft, Gemüse und Zierpflanzen. Mit einer F&E-Quote (Forschung & Entwicklung) von 16,1 Prozent gehört die Pflanzenzüchtung zu den innovativsten Branchen in Deutschland. Rund 12 000 Beschäftigte finden in ihr einen Arbeitsplatz und legen mit ihrer Tätigkeit die Basis für eine erfolgreiche Landwirtschaft und die darauf folgenden Stufen der Wertschöpfungskette.

Über den IVA

Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) mit Sitz in Frankfurt am Main vertritt die Interessen der agrochemischen Industrie in Deutschland. Zu den Geschäftsfeldern der 54 Mitgliedsunternehmen gehören Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Schädlingsbekämpfung und Biotechnologie. Der Verband legt seinen Arbeitsschwerpunkt auf die Vermittlung von Informationen zu den Branchenthemen, insbesondere zur Bedeutung von Forschung und Innovation für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft.

Über das HFFA

Das Humboldt Forum for Food and Agriculture e. V. (HFFA) ist ein unabhängiger internationaler Think Tank. Ziel des HFFA ist die Entwicklung von Strategien für eine nachhaltige globale Landwirtschaft, die die Versorgung mit sicheren und hochwertigen Nahrungsmittel für die rasant wachsende Weltbevölkerung sichert. Das HFFA bringt internationale Experten aus aller Welt zusammen, um den Dialog zwischen allen interessierten Seiten zu befördern. Es stellt sich an die Spitze einer globalen Diskussion zu zentralen Fragen der Weltlandwirtschaft, indem es neues Wissen und Strategien zur nachhaltigen globalen Ernährungssicherung bereitstellt. Das HFFA veröffentlicht Studien für die Öffentlichkeit, Medien, Politik, Verwaltung und Regierungen, stellt sich der öffentlichen Diskussion und sucht den Dialog mit allen interessierten Parteien zu den Fragen von Welternährung und Landwirtschaft.

Pressekontakt:
Industrieverband Agrar e. V. (IVA)
Martin May
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Mainzer Landstraße 55
60239 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 2556-1249, Mobil +49 151 54417692 Fax +49 69 2556-1298
E-Mail: may.iva@vci.de
Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) Ulrike Amoruso-Eickhorn Referentin Verbandskommunikation Kaufmannstraße 71-73
53115 Bonn
Tel. +49 228 98581-17, Mobil +49 172 2664573
E-Mail: ulrike.amoruso@bdp-online.de

Martin May | presseportal
Weitere Informationen:
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