Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie belegt die Sicherheit und Effektivität der Cyberknife-Behandlung von Beckentumoren

28.07.2009
2.000 Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wurden bislang am Europäischen Cyberknife Zentrum in München-Großhadern behandelt

Behandlungen von Tumoren am Kreuzbein und dem knöchernen Becken zählen zu den schwierigsten Probleme der onkologischen Therapie des Muskel- und Skelettsystems.

Vor allem die komplizierte Anatomie und die vielfältigen biomechanischen Funktionen erschweren die Behandlung. Bei Operationen besteht aufgrund großer Blutgefäße in diesen Regionen die Gefahr, einen erheblichen Blutverlust zu erleiden oder durch neurologische Komplikationen beispielsweise die Kontrolle über die Blasenfunktion zu verlieren.

Die schmerzfreie, strahlenchirurgische Cyberknife-Behandlung kann hier eine Alternative sein, wie eine Studie gemeinsam mit der Abteilung für Tumororthopädie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) belegt, die aktuell in der angesehenen Fachzeitschrift Radiotherapy and Oncology (online 22 Juni 2009) veröffentlicht wurde.

Durch die enge Kooperation mit dem Klinikum der Universität München (LMU) und den daraus resultierenden wissenschaftlichen Studien wird das Cyberknife-Verfahren ständig weiter entwickelt. Davon profitieren jetzt auch Patienten mit Tumoren des Beckens. Insgesamt wurden für die Studie 51 Läsionen bei 38 Patienten behandelt. Es konnte erstmals gezeigt werden, dass aufgrund eines neuen Berechnungssystems zur Positionsbestimmung (skeletal structure tumor tracking of the vertebrae) die Behandlung ohne das belastende Einbringen von Metallmarkern bzw. Schrauben auch in diesem Körperbereich jetzt möglich ist. Die Steuerung der Bestrahlungseinheit orientiert sich ausschließlich an knöchernen Strukturen. Für ausgewählte Fälle ist die Behandlung schonender für den Patienten und zugleich sicherer als eine klassische Operation, weil den Betroffenen ein chirurgischer Eingriff erspart bleibt und Schmerzen sowie eventuell dadurch auftretende Komplikationen vermieden werden können. Zudem erfolgt die Behandlung komplette ambulant, ein stationärer Aufenthalt in der Klinik entfällt, wodurch auch die Kosten unter denen bleiben, die bei einer OP anfallen.

Mit der aktuell veröffentlichten Studie erweitert sich erneut das Behandlungsspektrum der Cyberknife-Strahlenchirurgie. Die Kooperation mit dem Klinikum der Universität München trägt hier maßgeblich dazu bei. Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Daten zu Anwendungen bei Tumoren im Gehirn, in der Lunge, an der Wirbelsäule und am Becken sowie beim Aderhautmelanom des Auges. In Einzelfällen kommen auch Tumoren der Prostata für eine Cyberknife-Behandlung in Frage. Insgesamt konnten inzwischen seit 2005 über 2.000 Patienten am Europäischen Cyberknife Zentrum in München-Großhadern behandelt werden.

Wirkung der Strahlen in der Tumorzelle
Bei der Cyberknife-Technologie handelt es sich um die derzeit innovativste Photonentherapie. Die wichtigste Aufgabe der Strahlenchirurgie ist die hoch präzise Bestrahlung eines exakt festgelegten Zielvolumens. Dabei sollen die gesunden Körperteile in der Tumorumgebung so wenig wie möglich von Strahlen getroffen werden. Um dies zu erreichen, wird zuerst ein Bestrahlungsgerät mit geeigneter Strahlenart und Energie gewählt und die Tumorregion aus verschiedenen Richtungen bestrahlt. Bei der flexiblen Cyberknife Technologie rotiert die Bestrahlungseinheit um den Patienten - typisch sind bis zu 150 (aus 1400 möglichen) Einstrahlrichtungen pro Behandlung.

Durch die ionisierende, hochenergetische Photonen-Strahlung, die in einem Beschleuniger erzeugt werden, werden in den Tumorzellen Schäden am Erbgut (DNA) verursacht, die letztlich zum Zelltod führen. Die Cyberknife Technologie steuert dabei die Bestrahlung so, dass die für die Krebszellen tödliche Dosis nur im Zielgebiet (Tumor) erreicht wird, das umliegende, gesunde Gewebe jedoch verschont bleibt bzw. durch die Photonen nicht nachhaltig geschädigt wird. Meist reicht eine einzige ambulante Behandlung mit einer mittleren Dauer von maximal 60 Minuten aus. Die Bestrahlung ist schmerzfrei, eine Narkose und eine Fixierung des Patienten ist nicht nötig.

Europäisches Cyberknife Zentrum München-Großhadern
Das erste Cyberknife Zentrum in Deutschland wurde am 1. Juli 2005 in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München (LMU) eröffnet. Mit Hilfe einer bildgeführten Robotersteuerung kann hochpräzise eine Tumor zerstörende Strahlendosis auf ein genau definiertes Zielvolumen gerichtet werden, wobei die umliegenden, gesunden Strukturen geschont werden. Bei der Behandlung überschneiden sich schwache Strahlenbündel aus vielen verschiedenen Richtungen im Tumor, wo sie sich zur Gesamtdosis aufsummieren. Durch die Entwicklung der Cyberknife Technologie mit einer Kombination aus integrierter Bildführung und Roboter-steuerung ist eine effektive, sichere und nicht-invasive Behandlungsmöglichkeit entstanden.
Ansprechpartner:
PD Dr. Alexander Muacevic, Prof. Dr. Berndt Wowra
Europäisches Cyberknife Zentrum München-Großhadern
Max-Lebsche-Platz 31
813777 München
Tel: +49 (0)89 4523360
Fax: +49 (0)89 45233616
E-Mail: info@cyber-knife.net

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
http://www.cyber-knife.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie