Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Langzeitstudie bestätigt neurologische Intensivmedizin

30.06.2009
Nahezu die Hälfte der Innsbrucker HirnblutungspatientInnen ist nach 2,5 Jahren wieder rehabilitiert

Einer kürzlich fertig gestellten Langzeitstudie zum Outcome von PatientInnen mit spontaner Hirnblutung gelingt es, den oft zu Unrecht hergestellten Zusammenhang zwischen lange andauernder Neuro-Intensiv-Behandlung und hoher Mortalität zu entflechten.

Die Untersuchung des Forschungsteams an der Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor Univ.-Prof. Werner Poewe) unter Erstautor Dr. Gregor Brössner wurde kürzlich im renommierten Critical Care Medicine publiziert.

In der aktuellen, auf Daten der neurologischen Intensivstation der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie zentrierten Studie unter Erstautor Dr. Gregor Brössner von der Arbeitsgruppe Neurologische Intensivmedizin (Leitung Univ.-Prof. Erich Schmutzhard) wurden 292 Patientinnen und Patienten untersucht, die von einer spontanen Subarachnoidalblutung betroffen sind.

Eine Subarachnoidalblutung ist eine spontane Hirnblutung, wobei die Ursache dieser speziellen Form des Schlaganfalls meist in einer Gefäßschwachstelle (Aneurysma) liegt. „Das schwache arterielle Gefäß“, erklärt Neurologe Brössner, „kann ohne äußere Einwirkungen, ausgelöst nur durch eine Blutdruckspitze, platzen, so daß Blut an die Gehirnoberfläche dringt und so zu einem lebensbedrohlichen Zustand für die Betroffenen führt.“ Lange Beobachtungszeit bringt neue Erkenntnisse Die Inzidenz der Subarachnoidalblutung liegt in den Industrienationen bei etwa 10 / 100.000 Einwohner pro Jahr und ist mit einer Mortalität von 50 und mehr Prozent verbunden. Bei 25 bis 50 Prozent der Überlebenden ist mit schweren Folgeschäden und Behinderungen zu rechnen. Im Gegensatz zu anderen Studien zu diesem Thema, die sich üblicherweise auf einen Beobachtungszeitraum von drei bis sechs Monaten beschränken, konnte die aktuelle Untersuchung mit einer Studiendauer von insgesamt fünf Jahren überraschende Ergebnisse dokumentieren. Brössner: „Von den knapp 300 Patientinnen und Patienten hatte sich nach durchschnittlich 2,5 Jahren nahezu die Hälfte der Blutungspatienten gut erholt und war teilweise sogar wieder arbeitsfähig - trotz langer Betreuung auf der neurologischen Intensivstation. Diese Patienten haben demnach kein schlechteres Outcome als jene, die einer kürzeren intensiv-medizinischen Versorgung bedurften“.

Damit ließe sich, so Brössner, die oft verbreitete Befangenheit gegenüber der kostenintensiven Apparatemedizin zerstreuen und der Stellenwert der Intensivmedizin bekräftigen.

Kein schlechteres Outcome nach Bluttransfusion Die neurologische Forschungsarbeit brachte ein weiteres signifikantes Ergebnis, die Effekte von Bluttransfusionen betreffend.

Die Gabe von Erythrozytenkonzentraten - eine aus roten Blutzellen bestehende Blutkonserve - als therapeutische Maßnahme nach einer spontanen Hirnblutung ist gebräuchlich, wenn auch in Fachkreisen nicht unumstritten. Bei Blutprodukten kann es zu unerwünschten Reaktionen und Nebenwirkungen, wie Infektionen oder Eisenüberladung kommen. Wann eine Transfusion angezeigt ist, hängt vom Hämoglobin-Wert ab und wird in der Regel individuell entschieden. „Anhand der Innsbrucker Forschungsdaten konnte nun gezeigt werden, dass die Transfusion nach Hirnblutung keinen signifikant negativen Einfluss auf die Genesung und die Sterblichkeit der Patienten hat“, betont Dr. Brössner, der in Innsbruck seit 2003 zu intensivmedizinischen Versorgungsstrategien forscht.

Kontakt:
Dr.med.univ. Gregor Brössner
Universitätsklinik für Neurologie
Anichstrße 35
6020 Innsbruck
+43 512 504 24239
gregor.broessner@i-med.ac.at

Martina Oberhofer | Medizinische Universität Innsbru
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise