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Naturkontakt macht Menschen großzügig

07.10.2009
Gemeinschaft und Sozialkontakte in natürlicher Umgebung wichtiger

Der Kontakt zur Natur kann sich auf Merkmale der Persönlichkeit eines Menschen auswirken. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Universität Rochester in der Zeitschrift "Personality and Social Psychology Bulletin". Sie erhoben in einer Testreihe, dass bereits das Betrachten von Naturbildern oder eine Arbeitsumgebung mit Zimmerpflanzen bei manchen Menschen Gemeinschaftsdenken und Großzügigkeit steigert. Die Autoren werten dies als Hinweis für die Bedeutung, die Grünflächen in Stadtumgebungen haben.

Für die Untersuchung zeigten die Forscher um Richard Ryan 370 Personen zunächst Bilder von Landschaften und Seen, sowie auch von künstlichen Umwelten wie etwa Städte. Man bat die Versuchsteilnehmer, Farben und Muster genau zu registrieren und sich auch Geräusche und Gerüche vorzustellen. Dann ließ man sie per Zufall in Räumen mit oder ohne Zimmerpflanzen arbeiten. Nach jedem dieser virtuellen, simulierten Naturerfahrungen füllten die Probanden Fragebögen aus, auf denen sie angaben, wie wichtig Reichtum, Berühmtheit, feste Beziehungen oder auch das Mitwirken an einer bessere Gesellschaft für sie waren. Abschließend wurde das Ausmaß des kooperativen Verhaltens getestet, wozu die Teilnehmer eine Prämie von fünf Dollar mit anderen Studienteilnehmern teilen sollten.

Es zeigte sich, dass Teilnehmer nach dem Betrachten der Naturbilder Beziehungen und Gemeinschaftsdenken allgemein höher bewerteten als nach den Stadtbildern. Das war bei denjenigen der Fall, die Naturbilder besonders intensiv betrachteten, wohingegen Menschen, die sich zu Stadtbildern näher hingezogen fühlten, eher Wohlstand und Berühmtheit bevorzugten. Diese Unterschiede zeigten sich auch beim Teilen, zu dem die Probanden nach dem Naturkontakt eher bereit waren.

Verbundenheit mit der Natur ist eine Eigenschaft, die Menschen besitzen können oder auch nicht. "Es gibt Leute, die naturverbunden sind und sich in der Natur wohler fühlen. Dieses Merkmal eignet man sich vor allem durch Erfahrungen in der Kinder- und Jugendzeit an", erklärt Renate Cervinka, Umweltpsychologin an der medizinischen Universität Wien http://www.meduniwien.ac.at/umwelthygiene , gegenüber pressetext. Cervinka erforscht bereits länger das Thema der Auswirkungen des Naturkontakts. Naturverbundene würden tendenziell mehr Stunden ihrer Freizeit in der Natur verbringen und sich umweltfreundlicher verhalten. Ob das auch auf das soziale Umfeld zutreffe, sei jedoch in Frage zu stellen. "In der westlichen Denkweise wird der Mensch häufig nicht als Teil der Natur verstanden."

Das Naturerleben wirke sich deshalb besonders positiv auf Menschen aus, da es ihn mit seinen Wurzeln verbinde. "Diese ,Erdung' kann dabei helfen, positive Eigenschaften zu aktivieren", so Cervinka. Ähnlich wie die US-Studienautoren sieht auch die Wiener Wissenschaftlerin in den Ergebnissen einen weiteren Hinweis dafür, dass Grünzonen in Städten positive Auswirkungen auf den Menschen besitzen. "In bepflanzter Umgebung kann man sich besser erholen, vor allem da Natur eine ungerichtete Aufmerksamkeit ermöglicht. Vorhandene Grünzonen sollten daher für die Öffentlichkeit nutzbar gestaltet werden."

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rochester.edu
http://www.meduniwien.ac.at/umwelthygiene

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