Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose bei Kindern und Jugendlichen: Erste internationale Therapiestudie gestartet

25.05.2010
Multiple Sklerose (MS) tritt nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen auf. Jedes Jahr erkranken rund 200 weitere Kinder und Jugendliche an dieser Erkrankung des Nervensystems, die zu schwerwiegenden Behinderungen führt. Das Deutsche Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter ist einmalig in Deutschland und hat seinen Sitz an der Universitätsmedizin Göttingen. Es setzt sich speziell für die Erforschung der Erkrankung bei jungen Patienten und deren Betreuung ein.

Erstmals soll in einer internationalen Studie die Wirksamkeit der Standardmedikation von Beta-Interferonen bei MS-kranken Erwachsenen auch bei Kindern und Jugendlichen untersucht werden. Die so genannte „BETAPAEDIC Studie“ wird gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Multiple Sklerose im Kindes- und Jugendalter und Bayer Healthcare durchgeführt. An der Studie beteiligen sich Zentren aus verschiedenen Ländern Europas. Sie ist jetzt mit der Aufnahme des ersten Patienten – einem Kind, das im Great Ormond Street Hospital in London betreut wird – angelaufen.

Aufgenommen in die Untersuchung werden 100 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, die an einer schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose (RRMS, Relapsing/Remitting Multiple Sclerosis) entsprechend der so genannten „Mc-Donald“ oder „Poser Kriterien“ leiden. „Diese Kinder bedürfen einer besonders kompetenten Behandlung, da die MS sich bei ihnen schon früh manifestiert hat. Damit ist das Risiko für die Entwicklung bleibender Behinderungen besonders groß“, sagt Studienleiterin Professor Dr. Jutta Gärtner anlässlich des 2. Welt-MS-Tages am 26. Mai 2010. Die Direktorin der Abteilung Pädiatrie II mit Schwerpunkt Neuropädiatrie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Brück (Direktor der Abetilung Neuropathologie an der UMG) das Deutsche Zentrum für Multiple Sklerose im Kindes- und Jugendalter mit Sitz an der UMG.

Aus Studien bei erwachsenen MS-Patienten ist bekannt, dass bei frühzeitiger Diagnose und einer Frühtherapie mit krankheitsmodulierenden Substanzen die Chancen besonders gut stehen, die weitere Krankheitsprogression zu verzögern und motorischen wie auch kognitiven Beeinträchtigungen entgegen zu wirken. Die BETAPAEDIC-Studie soll zeigen, inwieweit sich solche Effekte bei einer Behandlung mit Interferon beta-1b auch bei Kindern und Jugendlichen erwirken lassen. Für Kinder und Jugendliche ist eine Verzögerung der Krankheitsprogression besonders bedeutsam: „Es gibt Hinweise, dass bei Kindern bereits sehr früh im Verlauf der Erkrankung neuroaxonale Schädigungen auftreten können,“ sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück.

Datenanalysen haben gezeigt, dass es bei Kindern und Jugendlichen im Mittel rund zehn Jahre länger dauert als bei Erwachsenen bis sich bleibende Behinderungen entwickeln. Allerdings sind die Betroffenen durch die frühe Krankheitsmanifestation bei deren Auftreten durchschnittlich zehn Jahre jünger als Patienten, bei denen die MS erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird. Kinder und Jugendliche mit MS müssen daher damit rechnen, deutlich länger mit einer schweren und progressiv verlaufenden MS zu leben als Patienten mit späterem Krankheitsbeginn. Sie sind zudem in ihrer beruflichen Entwicklung und auch in ihrem Sozialleben durch körperliche Behinderungen und auch kognitive Beeinträchtigungen in besonderem Maße eingeschränkt.

Ziele der Studie
Zu prüfen, inwieweit sich solche Belastungen durch eine Behandlung mit Interferon beta-1b minimieren lassen, ist eines der Ziele der BETAPAEDIC-Studie. Zugleich wird neben der klinischen Wirksamkeit auch das Sicherheits- und das Verträglichkeitsprofil des Wirkstoffs untersucht. Prüfparameter für die klinische Wirksamkeit sind die jährliche Schubrate sowie die Progression von Behinderungen gemessen anhand der EDSS (Expanded Disability Status Scale), bestimmte kognitive Funktionen und Beeinträchtigungen wie die Fatigue. Die verschiedenen Parameter werden nach 6, 12, 18 und 24 Monaten bestimmt. Dabei werden zu diesen Zeitpunkten jeweils auch potenzielle Nebenwirkungen der Medikation erfragt. Derzeit noch unklar ist die genaue Inzidenz und Prävalenz der juvenilen MS. Schätzungen gehen davon aus, dass rund drei bis fünf Prozent aller Krankheitsfälle sich bereits in der Kindheit und Jugend manifestieren.
WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Deutsches Zentrum für Multiple Sklerose im Kindes- und Jugendalter
Leitung: Prof. Dr. Jutta Gärtner und Prof. Dr. Wolfgang Brück
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Telefon: 0551 / 39-8035, Telefax: 0551 / 39-6252
kinder-ms-paediatrie2@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie