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MRSA: Wundreinigung besser als Antibiotika

22.02.2011
Infektiologe: "Richtiges Wundmanagement erspart Resistenzen"

Richtige Wundbehandlung spielt eine zentrale Rolle in der Heilung von Hautinfektionen mit multiresistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen (MRSA).

In vielen Fällen dürfte sie sogar wirksamer sein als Antibiotika-Behandlungen, berichten Forscher des Hopkins Children's Center in der Fachzeitschrift "Pediatrics". "Es scheint, als ob die Behandlung und Reinhaltung der Wunde den Unterschied zwischen einer schnellen Abheilung und einer ständigen Infektion ausmacht", so Studienleiter Aaron Chen.

Art der Infektion entscheidet

In ihrer Studie verglichen die Forscher die Wirkung von zwei Antibiotika - das Staphylokokken-Mittel Cephalexin, das jedoch nicht gegen multiresistente Stämme wirkt, sowie das MRSA-Mittel Clindamycin - auf Hautinfektionen von Kindern. Bei knapp 200 untersuchten Kindern, von denen sich zwei Drittel MRSA eingehandelt hatten, wirkten beide Mittel gleich gut. Innerhalb einer Woche waren die Wunden bei 95 Prozent vollständig verheilt. Die Forscher vermuten, dass die richtige Wundbehandlung statt der Wahl des Antibiotikums entscheidend war.

"Nicht jede MRSA-Infektion ist gleich zu bewerten", relativiert Florian Thalhammer, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten http://www.oeginfekt.at , gegenüber pressetext. Die in der Studie untersuchten MRSA-Stämme vom Typ CA treten in Amerika vor allem bei jungen Erwachsenen, Kindern oder Menschen mit Kontaktsportarten auf. In Europa seien sie jedoch selten. "In Österreich ist die MRSA-Rate dank guter Krankenhaushygiene und sinnvollem Umgang mit Antibiotika auf unter sechs Prozent gesunken", so Thalhammer.

Antibiotika und Resistenzen sparen

Anders als in den USA werden Staphylokokken-induzierte Hautinfektionen wie Eiterbeulen (Karbunkel) oder Haarbalg-Entzündungen (Furunkel) hierzulande ohnehin nicht automatisch mit Antibiotika behandelt, betont der Wiener Infektiologe. "Der Grundsatz lautet: Wo Eiter ist, dort entleere ihn. Bei bestimmten Komplikationen wie etwa Phlegmonen oder Endokarditis führt kein Weg an Antibiotika gegen Staphylokokken vorbei. In vielen Fällen kommt es jedoch zuerst tatsächlich auf die richtige Wundbehandlung an."

Modernes Wundmanagement basiert vor allem auf der feuchten Wundbehandlung, wobei man die Wunde sowohl vor Austrocknung als auch vor eindringenden Keimen schützt und dabei ihren ungehinderten Gasaustausch sicherstellt. "Das gibt die Möglichkeit, Antibiotika einzusparen, die Selektion resistenter Bakterien zu vermindern und trotzdem eine für den Patienten optimale Heilung zu erzielen", erklärt Thalhammer. Vor allem treffe dies für chronische Wunden wie etwa beim diabetischen Fuß-Syndrom zu, nicht jedoch bei Knochenmarks-Infekten.

Abstract zum Originalartikel unter http://pediatrics.aappublications.org/cgi/content/abstract/peds.2010-2053v1

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.hopkinschildrens.org

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