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Moralpsychologie: Unerfahrene Videospieler zeigen Macbeth-Effekt

12.07.2012
Werden Probanden nach dem Spielen eines gewalthaltigen Videospiels dazu aufgefordert, ein Geschenk auswählen, entscheiden sich unerfahrene Videospieler – im Gegensatz zu jenen, die öfters gewalthaltige Videospiele spielen – häufiger für hygienischere Produkte, wie Duschgel, Zahnpasta und Deodorants. Weiter empfinden unerfahrene Spieler die Gewalt in Videospielen als größere moralische Belastung. Dies ging aus einer aktuellen Studie der Universität Luxemburg hervor.

Das Zitat „Fort, verdammter Fleck“, aus Shakespeares Macbeth verbildlicht diese kürzlich gemachten Feststellungen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Sauberkeit und Moral in gewalthaltigen Videospielen. Dr. André Melzer, zusammen mit Dr. Mario Gollwitzer, Philipps-Universität Marburg, untersuchte 76 Teilnehmer, nachdem sie 15 Minuten ein gewalthaltiges Videospiel gespielt hatten.

„Der Macbeth-Effekt, d. h., das Bedürfnis, sich zu reinigen, um die moralische Reinheit wiederherzustellen, ist ein psychologisches Phänomen. Durch Reinigung versucht eine Person, mit Gefühlen eigener moralischer Verfehlungen umzugehen“, so Melzer. „Wir fanden heraus, dass das Spielen gewaltsamer Videospiele den Macbeth-Effekt auslösen kann, insbesondere, wenn im Spiel gewaltsam gegen Menschen vorgegangen wird.“ Melzer unterstreicht ebenfalls, dass erfahrene Spieler scheinbar andere Strategien verwenden, um mit Gewalt in Spielen umzugehen.

Zukünftige Untersuchungen zur Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Moralpsychologie und den Folgen von Gewalt in den Medien werden Aufschluss geben, welche negativen Auswirkungen der langfristige Konsum gewalthaltiger Medien auf das Aggressionsverhalten hat.

Treffen der Aggressionsforscher
Dr. André Melzer wird die Forschungsergebnisse, die im Journal of Experimental Social Psychology veröffentlicht werden, beim diesjährigen Weltkongress der International Society for Research on Aggression (ISRA) an der Universität Luxemburg präsentieren.

Welche Faktoren lösen Aggressionen aus? Ist Aggression genetisch verankert? Spielen Hormone, das familiäre Umfeld oder Gewalt in Videospielen eine Rolle? Vom 17. bis 21. Juli werden die ISRA-Mitglieder die neuesten Ergebnisse der Aggressionsforschung diskutieren: von Gewalt in den Medien über die Auswirkungen gewalthaltiger Videospiele, Cyberbullying, Aggression unter Alkoholeinfluss, Gewalt gegen die Polizei usw.

Die weltweit anerkannten Professoren Miles Hewstone von der Universität Oxford, Randy Nelson der Ohio State und James Blair vom National Institute of Mental Health in Maryland werden die neuesten Forschungsergebnisse aus folgenden Bereichen diskutieren: gruppenübergreifende Konflikte, der Zusammenhang zwischen Genetik und Umwelteinflüssen sowie neurokognitive Indikatoren für aggressives Verhalten.
ISRA-Präsident Craig Anderson wird einen Vortrag halten, in welchem Ausmaß Videospiele Aufmerksamkeit, Aggression und Hilfeverhalten beeinflussen. Geplant sind Vorträge von 130 Forschern; über 200 Wissenschaftler haben sich bereits angemeldet.

„Luxemburg konnte sich gegen einige der großen europäischen Städte als Ausrichtungsort dieses renommierten Events durchsetzen“, so Vizedekan Prof. Georges Steffgen von der Forschungseinheit „Integrative Research Unit on Social and Individual Development“ (INSIDE), der diese Konferenz zusammen mit Dr. André Melzer organisiert.

Dr. Melzer ist der Leiter des INSIDE-Medien- und Experimentallabors der Universität Luxemburg. Weitere Informationen über den ISRA-Weltkongress 2012 sind abrufbar auf http://isra.uni.lu/.

Britta Schlüter | idw
Weitere Informationen:
http://isra.uni.lu/
http://www.uni.lu/

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