Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobilitätsverhalten: Von der Verkehrsplanung zur Verkehrsinszenierung

27.10.2008
Erkenntnisse der Biographien- und Generationenforschung für die Verkehrspolitik der Zukunft

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Mit kompletten Lebensreisen befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zurzeit am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin.

In dem Forschungsprojekt "Mobilitätsverhalten, Generationenerfahrung und individuelle Biographie" unter der Leitung von Dr. Hans-Liudger Dienel steht das individuelle Mobilitätsverhalten im Mittelpunkt. Die spannenden Ergebnisse von mehr als 110 Interviews könnten die Verkehrspolitik der Zukunft beeinflussen. Die Berliner kooperieren dabei mit dem renommierten Verkehrsplaner Prof. Kay W. Axhausen von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und werden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

"Für jede Generation gibt es bestimmte Prägephasen, die häufig durch Umbrüche, etwa einen Umzug oder die Hochzeit, bestimmt werden", sagt Dr. Hans-Liudger Dienel. Verhaltensweisen, die sich Menschen in diesen Phasen aneignen, würden dann oft ein Leben lang beibehalten. Würde man etwa einem Neuberliner im ersten halben Jahr eine kostenlose Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr schenken, sei es nicht unwahrscheinlich, dass dieser auch weiterhin hauptsächlich mit Bus und Bahn durch die Hauptstadt fährt, gibt Dienel ein vereinfachtes Beispiel. "Früher hat man den Bedarf für den Verkehr erhoben und entsprechend geplant. Künftig wird man den Verkehr inszenieren - etwa, in dem durch eine geeignete Bildungspolitik die Bedürfnisse der Bürger gelenkt werden", erläutert er.

Während der Projektlaufzeit haben Gunter Heinickel, der die Studie als wissenschaftlicher Mitarbeiter betreut, und sein Team 110 Menschen zwischen 18 und 80 Jahren in Berlin und Brandenburg interviewt. "Wir suchten in einschlägigen Zeitschriften wie der ADAC Motorwelt und der Bahnzeitung aber auch beim Fußgängerschutzverein über Anzeigen nach Interviewpartnern", berichtet Heinickel. "Wir haben versucht, die Lebenswege der Teilnehmer aufzuzeichnen und sie zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt", beschreibt Heinickel die Inhalte. So können die Forscher einerseits Rückschlüsse auf die Reisegewohnheiten und deren Wurzeln in der Familie ziehen, andererseits aktuelle Vorlieben bei der Wahl von Verkehrsmitteln - etwa für den Weg zur Arbeit oder in der Freizeit - beurteilen.

Während der Auswertung, die noch andauert, konnten die Forscher verschiedene Haupttypen mit ihren individuellen Reise-Vorlieben identifizieren. Außerdem zeichnete sich ein Dreier-Schema ab: Wobei sich Nachkriegsgeneration, mittlere Generation und jüngere Generation in ihren Aussagen zum Reiseverhalten deutlich voneinander unterscheiden. Für die mittlere Generation, die Geburtsjahrgänge 1955 bis 1965, ist es zum Beispiel ausgesprochen wichtig, mobil zu sein und durch Reisen den eigenen Horizont zu erweitern. Die jüngere Generation der ab 1970 Geborenen reist dagegen zwar immer noch gern, legt allerdings mehr Wert auf Komfort und Erholung als auf die Ausbildung der Persönlichkeit während des Reisens.

Die Ergebnisse sollen Anhaltspunkte dafür liefern, inwieweit das Mobilitätsverhalten in der Biographie wurzelt oder das Resultat einer Prägung innerhalb einer Generation sein kann. "Die Studie könnte der Ausgangspunkt für weitere quantifizierende Untersuchungen sein", sagt Gunter Heinickel.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dr. Hans-Liudger Dienel, Tel.: 030/314-21406, E-Mail: dienel@ztg.tu-berlin.de, oder Gunter Heinickel, Tel.: 030/314-29700, E-Mail: heinickel@ztg.tu-berlin.de; TU Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft, Internet: http://www.mobilitaetsbiographien.de/index.html, www.ztg.tu-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.mobilitaetsbiographien.de/index.html
http://www.ztg.tu-berlin.de
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie