Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobil im Studium – Fit fürs Leben

03.07.2013
Psychologen der Universität Jena belegen positive „Nebenwirkungen“ des Studierens im Ausland
Spanien, Frankreich, Großbritannien – das sind die beliebtesten Länder für junge Deutsche, die mit dem ERASMUS-Programm für einige Zeit im Ausland studieren wollen. Für immer mehr Studierende hierzulande gehören ein oder zwei Auslandssemester unbedingt in den Lebenslauf: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl derer, die während des Studiums einige Zeit an einer Hochschule im Ausland verbringen, mehr als verdoppelt. Mittlerweile studiert rund ein Viertel des deutschen Akademikernachwuchses zeitweise im Ausland.

Und das lohnt sich – nicht nur in Sachen Studienerfolg und Karriereplanung. Der Aufenthalt in einem fremden Land hat auch Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung, das belegten Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt im Rahmen des Projekts „PEDES – Personality Development of Sojourners“ mit der bislang umfassendsten Studie zur Wirkung studienbezogener Auslandsaufenthalte. Ihre Forschungsergebnisse präsentieren Dr. Julia Zimmermann und Prof. Dr. Franz Neyer im Fachmagazin „Journal of Personality and Social Psychology“ (DOI: 10.1037/a0033019).

„Das Zurechtkommen in einem zunächst fremden Land ist eine wichtige Lebenserfahrung“, weiß Prof Neyer. „Solche Erfahrungen haben einen gewichtigen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung besonders im jungen Erwachsenenalter“, so der Psychologe von der Universität Jena. „Daher haben wir uns die Frage gestellt, ob der Aufenthalt im Ausland die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden beeinflussen kann“, sagt Julia Zimmermann. Um diese Frage zu beantworten, hat die Psychologin im Rahmen ihrer Promotion am Lehrstuhl von Prof. Neyer insgesamt rund 1.000 Studierende von etwa 200 deutschen Hochschulen zu ihren Erfahrungen befragt.

Einbezogen wurden sowohl Studierende, die planten, ins Ausland zu gehen als auch eine Kontrollgruppe, die während des Studienzeitraums in Deutschland geblieben ist. Kurz vor Beginn des Semesters – entweder im Ausland oder in Deutschland –, nach fünf und nach acht Monaten haben die Studierenden jeweils einen umfangreichen Online-Fragebogen ausgefüllt. Darin haben die Psychologen Merkmale erfasst, die als entscheidende Kriterien zur Charakterisierung der Persönlichkeit gelten. Diese „Big 5“ genannten Dimensionen einer Persönlichkeit sind Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität.

Das Ergebnis: „Diejenigen, die zum Studieren ins Ausland gehen, sind in der Regel schon vor der Ausreise offener, gewissenhafter und extravertierter als ihre Kommilitonen, die zu Hause bleiben“, sagt Julia Zimmermann. Zusätzlich konnten die Jenaer Psychologen aber auch zeigen, welche Veränderungen die Auslandserfahrung mit sich bringt: „Ungeachtet der anfänglichen Persönlichkeitsunterschiede profitieren diejenigen, die eine Zeitlang im Ausland gelebt haben davon in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, z. B. im Sinne zunehmender Offenheit und emotionaler Stabilität. Ihre Entwicklung im Hinblick auf diese Merkmale unterschied sich deutlich von der Kontrollgruppe“, so die Psychologin, die selbst während ihres Studiums im Rahmen des europäischen ERASMUS-Programms in Frankreich studiert hat.
Als Ursache für diese Unterschiede konnten die Jenaer Forscher die wesentlich höhere Zahl an internationalen Kontakten und Erfahrungen identifizieren, die die Studierenden im Ausland machen. „Wer sich mit Erfolg in eine andere Kultur integriert, dem fällt es leichter, sich neuen Situationen anzupassen und Herausforderungen zu meistern“, vermutet Dr. Zimmermann. Offen bleibe allerdings, ob und wie nachhaltig dieser Entwicklungsschub vorhalte. Letztlich könnten auch andere Lebensereignisse eine solche Entwicklung voranbringen. „Es ist nicht zwingend notwendig, dafür ins Ausland zu gehen. Wer sich aber auf den Weg macht, profitiert davon“, resümiert Zimmermann. Nach Ansicht der Jenaer Forscher sprechen ihre Befunde dafür, Auslandsaufenthalte von Studierenden daher auch zukünftig großzügig zu fördern.

Original-Publikation:
Julia Zimmermann, Franz J. Neyer: Do We Become a Different Person When Hitting the Road? Personality Development of Sojourners, Journal of Personality and Social Psychology 2013, DOI: 10.1037/a0033019

Kontakt:
Dr. Julia Zimmermann, Prof. Dr. Franz Neyer
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstraße 11, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945168, 03641 / 945161
E-Mail: zimmermann.julia[at]uni-jena.de, franz.neyer[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie