Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Urologen an bundesweiter Krebsstudie beteiligt

29.07.2013
Fast eine Million Euro für Studie zur Prostatakarzinom-Früherkennung von der Krebshilfe

Erfolg für die Prostatakarzinom-Forschung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): Die Klinik für Urologie und Urologische Onkologie wird ein wichtiger Partner der multizentrischen PROBASE-Studie zur Früherkennung.

Von den 4,74 Millionen Euro Forschungsförderung, die die Deutsche Krebshilfe bundesweit zur Verfügung stellt, erhält die Klinik von Direktor Professor Dr. Markus A. Kuczyk fast eine Million Euro. PROBASE prüft vom nächsten Jahr an die risikoadaptierte Früherkennung in Deutschland in vier Zentren, außer in Hannover noch in Düsseldorf, Heidelberg und München.

Die MHH-Experten um Professor Kuczyk und seinen Oberarzt Dr. Florian Imkamp erhalten 988.000 Euro, um zu testen, wie das sogenannte PSA-Screening optimiert und den individuellen Risiken der Patienten angepasst werden kann.

Die Studie untersucht die Hypothese, ob in Abhängigkeit von der Höhe eines einmalig bestimmten PSA-Werts im Alter von 45 Jahren ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Prostatakrebs-Vorsorge möglich ist. „Das optimale Alter für die Bestimmung eines ersten ‚Basis’-PSA-Werts und die genauen Screening-Intervalle sind nie prospektiv untersucht worden“, betont Professor Dr. Markus Kuczyk, Direktor der Klinik. Das soll die PROBASE-Studie nun nachholen.

Zum Hintergrund: Die Zahl der Männer, bei denen Prostatakrebs entdeckt wird, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr als verdoppelt – ein Hauptgrund dafür ist das PSA-Screening, das der Früherkennung von Krebsgewebe dient. Allerdings birgt der Test ein gewisses Dilemma: Zum einen lassen sich mit ihm Prostatakarzinome früher identifizieren, besser behandeln und daher womöglich die Sterblichkeit reduzieren. Zum anderen haben Prostatakarzinome häufig eine so günstige Prognose, dass eine Behandlung nicht immer erforderlich ist. Aus diesem Grund kann das allgemeine PSA-Screening weitere unnötige Untersuchungen und Behandlungen nach sich ziehen, die psychisch und physisch mitunter aber sehr belastend sein können. Statt des generellen Screenings kann ein risiko-adaptiertes PSA-Screening – zum Beispiel bei Männern, deren Angehörige an Prostatakrebs erkrankt sind – sinnvoll sein.

Die Studie will zeigen, ob Männer, die das risikoadaptierte PSA-Screening im Alter von 50 Jahren beginnen, bis zum Alter von 60 Jahren nicht häufiger ein metastasiertes Prostatakarzinom entwickeln, als Männer, deren vergleichbare Vorsorge im Alter von 45 Jahren beginnt. Daraus würde sich ergeben, dass der verzögerte Vorsorgebeginn die Rate an unnötigen diagnostischen und therapeutischen Interventionen zukünftig deutlich reduzieren könnte.

Bundesweit sollen ab 2014 bundesweit in einem Zeitraum von fünf Jahren 50.000 Männer im Alter von 45 Jahren eingeschlossen werden. In der folgenden 15-jährigen Nachbeobachtungszeit werden die Teilnehmer gleichmäßig nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeordnet werden: Gruppe A erhält den ersten PSA-Test im Alter von 45 Jahren, Gruppe B im Alter von 50 Jahren. Die sich anschließenden risikoadaptierte PSA-Untersuchungen sind in beiden Gruppen gleich: Liegt der Ausgangs-PSA-Wert unter 1,5 ng/ml, werden im Abstand von je fünf Jahren weitere PSA-Tests vorgenommen. Männer mit einem Ausgangs-PSA-Wert von 1,5 bis 2,99 ng/ml haben ein erhöhtes Prostatakarzinomrisiko und werden in zweijährigen Abständen untersucht. Liegt der PSA-Wert über 3 ng/ml, folgen weitere Untersuchungen.

Die Mediziner vermuten, dass mehr als 90 Prozent der Probanden zur niedrigsten Risikogruppe gehören. Das hieße, dass vier PSA-Tests bis zum 60. Lebensjahr ausreichen könnten, um die Entstehung eines Prostatakrebses im Alter von mehr als 60 Jahren auszuschließen. Würde sich diese Annahme bestätigen, könnte die Prostatakarzinom-Vorsorge künftig zehn Jahre später beginnen und für einen Großteil der Männer unnötige Diagnostik und Therapie vermieden werden. Dies hätte einen weitreichenden Einfluss auf die Ängste und Belastungen der Männer einerseits und die Kosten für das Gesundheitssystem andererseits. Darüber hinaus erlaubt die PROBASE-Studie den Aufbau einer großen deutschen Biobank, mit der sich künftig zahlreiche weitere Fragen zum Prostatakarzinom erforschen lassen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Markus A. Kuczyk, kuczyk.markus@mh-hannover.de, Telefon (0511)532-3650 und Dr. Florian Imkamp, imkamp.florian@mh-hannover.de, Telefon (0511)532-3449.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie