Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Studie zeigt: Urintest ist besser als Biopsie

26.07.2013
Test ermöglicht frühzeitige Behandlung von Komplikationen nach Stammzelltransplantation / Multizentrische Studie beweist erhöhte Überlebenschancen für Leukämie-Patienten

Die Stammzelltransplantation wird bei bösartigen Erkrankungen wie Leukämien erfolgreich eingesetzt – trotzdem birgt der Eingriff Risiken. Eine lebensgefährliche Komplikation ist die „Graft versus Host"-Reaktion (GvHD).

Die Immunzellen des Transplantats erkennen die gesunden Zellen des Empfängers als fremd und greifen sie an. Bei schwerwiegenden Verläufen können dadurch etwa 80 Prozent der Patienten sterben, obwohl die Leukämie-Erkrankung selbst erfolgreich therapiert wurde.

Ein Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat gemeinsam mit einem Biotechnologie-Unternehmen einen Urintest entwickelt, mit dem die Mediziner Komplikationen nach Stammzelltransplantationen frühzeitig erkennen. In einer jetzt online veröffentlichten prospektiven Diagnosestudie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass dieser Test ebenso zuverlässig und aussagekräftig ist, wie eine ansonsten übliche Gewebeentnahme (Biopsie), allerdings wesentlich früher Ergebnisse liefert.

Das ergab eine multizentrische Validierung mit mehr als 1000 untersuchten Proben. Anzeichen für schwerwiegende Komplikationen – wie etwa drohende Organschäden – lassen sich bereits 14 Tage vor ihrem Auftreten im Urin der Patienten erkennen und somit frühzeitig behandeln.

„Das Muster aus 17 verschiedenen Proteinmarkern erhöht die Genauigkeit der Vorhersage gewaltig“, stellt Professorin Dr. Eva Mischak-Weissinger fest, Wissenschaftlerin aus dem Team von Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation.

„Der Urintest erkennt die Komplikationen einer schweren Verlaufsform von GvHD so schnell, dass erstmalig die Vermeidung unumkehrbarer Organschäden etwa an Leber, Darm und Haut ermöglicht wird", erläutert Professorin Mischak-Weissinger. Damit übertreffe der Test die Diagnose durch Biopsie, die erst dann positive Ergebnisse liefere, wenn der Patient bereits an GvHD erkrankt sei. „Dann kann es aber schon längst zu spät für eine Behandlung sein“, sagt die Wissenschaftlerin.

Die Studie wird seit 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen ihres Förderprogramms „Klinische Studien" mit 1,5 Millionen Euro unterstützt und läuft bis zum Jahr 2015 weiter. Teilprojekte werden zudem in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereich 738 untersucht. Auch innerhalb des an der MHH angesiedelten Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Transplantation IFB-Tx forscht Mischak-Weissinger an weiteren Ergänzungsuntersuchungen, die die Überlebenschancen von Leukämiepatienten verbessern sollen. Dabei geht es unter anderem um die Gabe bestimmter T-Helferzellen, die direkt gegen die Leukämieerkrankung wirken.

Zum Hintergrund: Grundlage des Urintests bilden Proteine und Peptide, die jeder Organismus in seinen Körperflüssigkeiten enthält. Sie sind unter anderem Botenstoffe des Körpers und bilden ein komplexes Muster, das sich je nach Gesundheitszustand verändert. Die betroffenen Patienten werden mit der Standardtherapie für GvHD – etwa der Gabe von Steroiden – frühzeitig behandelt, bevor Symptome auftreten. Biopsien und damit weitere invasive Eingriffe bleiben ihnen erspart.

Weitere Informationen geben Ihnen Professor Dr. Arnold Ganser, Telefon (0511)532-3020, ganser.arnold@mh-hannover.de, Direktor der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, und Professorin Dr. Eva Mischak-Weissinger, Telefon (0511) 532-9518, Mischak-Weissinger.Eva@mh-hannover.de.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte