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MHH-Forschung: 1,8 Millionen Euro für längeres Überleben transplantierter Nieren

24.05.2011
Zwei Studien des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB-Tx) werden vom BMBF und von der DFG gefördert

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördern mit knapp 1,8 Millionen Euro zwei Studien zum Erhalt transplantierter Nieren, die Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) leiten.

Die Mittel sind im Rahmen des gemeinsamen DFG-BMBF-Sonderprogrammes „Klinische Studien“ bewilligt worden. Die Untersuchungen drehen sich um ein neues Medikament zum Erhalt transplantierter Nieren im Körper des Patienten beziehungsweise um eine neue Methode, mit der die Abstoßung einer transplantierten Niere frühzeitig erkannt werden soll. Beide Studien sind im vom BMBF geförderten IFB-Tx entstanden.

RIACT-Studie: Neue Medikamente für Nierentransplantierte? Bahnt sich bei nierentransplantierten Patienten eine Organabstoßung an, wird diese üblicherweise mit Kortison behandelt. Da diese Behandlung bei einem Teil der Patienten nicht zufriedenstellend wirkt, suchen Wissenschaftler aus 13 deutschen Zentren nun in der so genannten RIACT-Studie weitere Therapieoptionen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligte den Forschern dafür jetzt fast 1,3 Millionen Euro. Dr. Lena Schiffer, Professor Dr. Wilfried Gwinner und Professor Dr. Mario Schiffer entwickelten die Studie maßgeblich. Sie arbeiten in der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), deren Direktor Professor Dr. Hermann Haller Leiter der klinischen Prüfung ist. Die Studie beginnt im Juli und dauert dreieinhalb Jahre.

Bisher nahm man an, dass hauptsächlich T-Lymphozyten für die Abstoßung verantwortlich sind. Deshalb richtet sich die derzeit übliche Therapie gegen diese weißen Blutkörperchen. Doch jüngere Forschungen haben ergeben, dass bei etwa 30 Prozent der Patienten mit einer Abstoßungsreaktion weitere weiße Blutkörperchen im Nierengewebe nachweisbar sind: bestimmte B-Lymphozyten. „Möglicherweise wirkt die bisherige Abstoßungstherapie suboptimal, weil sie sich nicht gegen diese Zellen richtet. Deshalb überprüfen wir in der Studie die Wirkung eines Medikaments gegen B-Zellen. Es ist Rituximab, das bereits zur Therapie von Krebs und schwerem Rheuma verwendet wird“, sagt Professor Haller.

Die Wissenschaftler untersuchen, ob die Gabe von Rituximab zusätzlich zur Kortisonbehandlung die Nierenfunktion besser aufrecht erhalten kann als die alleinige Kortisontherapie. Es sollen 180 Nierentransplantierte in die Studie eingeschlossen werden, bei denen eine akute Abstoßung festgestellt wurde. Die Hälfte von ihnen erhält neben Kortison das Medikament Rituximab. Die anderen bekommen ausschließlich Kortison. „Die zentrale Frage ist, ob sich die Nierenfunktion im weiteren Verlauf verbessert. Dies kann man schon an Hand einer einfachen Blutuntersuchung nach einem Jahr beurteilen. Außerdem entnehmen wir nach einem Jahr eine Gewebeprobe der transplantierten Niere und vergleichen das Ausmaß an Vernarbungen. Weniger Vernarbung bei den mit Rituximab behandelten Patienten würde auch auf einen Vorteil dieser Therapie hinweisen“, erläutert Assistenzärztin Dr. Schiffer.

Neue Diagnosemethode: Urintest und Massenspektrometrie anstelle von Biopsie?

Für eine zweite Studie zur Abstoßung transplantierter Nieren, die auch die MHH leitet, sagte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Finanzierung in Höhe von fast einer halben Million Euro zu. Forscher aus mindestens acht großen deutschen Transplantationszentren untersuchen ab Juli 2011 für drei Jahre, ob es möglich ist, die Abstoßungsreaktion bei einer transplantierten Niere möglichst frühzeitig mit Hilfe eines Urintests zu diagnostizieren. Die Wissenschaftler werden alle Proteine im Urin, das Proteom, mit Massenspektrometrie analysieren. 600 Patienten, bei denen aufgrund einer akuten Verschlechterung der Nierenfunktion eine Biopsie durchgeführt werden muss, um das Vorliegen einer akuten Abstoßung zu klären, sollen an der Studie teilnehmen. Parallel zur Biopsie wird ihr Urin untersucht. Falls die Urinuntersuchung sich als gleichwertiges Instrument zur Diagnose der Abstoßungsreaktion erweisen sollte, hat sie gegenüber der Biopsie starke Vorteile: „Bei einer Urinuntersuchung entfallen die Risiken, die eine Biopsie mit sich bringt – beispielsweise Blutungen. Zudem kann ein Urintest häufiger durchgeführt werden als eine Biopsie“, sagt Studienleiter Professor Dr. Wilfried Gwinner, Oberarzt der MHH-Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen.

Beide Studien sind im IFB-Tx entstanden. In diesem 2008 gegründeten MHH-Netzwerk arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 30 Abteilungen integrativ zusammen. Grundlagenforschung und patientenbezogene klinische Forschung stimulieren sich darin, um neue, wirksamere Therapien zu ermöglichen. An der Erstellung der Studienprotokolle war auch das Institut für Biometrie unter der Leitung von Professor Dr. Armin Koch beteiligt. An der Umsetzung sind darüber hinaus weitere Einrichtungen involviert: Das Hannover Clinical Trial Center (HCTC) und das Institut für Pathologie beteiligen sich an beiden Studien, an der Erarbeitung der RIACT-Studie waren darüber hinaus beteiligt: das Institut für Klinische Pharmakologie, die Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation sowie die Apotheke.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Hermann Haller, Telefon (0511) 532-6320, haller.hermann@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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