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Menschen zerstören Meere mit voller Kraft

11.08.2009
Mehrfach-Faktoren wirken sich verheerend auf Artenvielfalt aus

Der vom Menschen verursachte CO2-Ausstoß greift massiv in die biologischen Kreisläufe der Meere ein. Die Veränderungen reichen von den Genen bis hin zu ganzen Ökosystemen wie etwa der Tiefsee. "Das Dramatische an der Tatsache ist, dass damit die Nahrungssicherheit der Menschen aus den Weltmeeren gefährdet ist", warnen Mike Kingsford vom ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies und Andrew Brierley von der schottischen St. Andrews University.

Die Veränderungen sind in einigen Fällen nicht vorhersehbar. Zudem verlaufen die Wechsel sehr schnell, schreiben die beiden Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Current Biology. Fischbestände verändern ihr Habitat, neue Arten kommen, andere sterben aus und Invasoren ziehen in fremde Lebensräume. "In der Vergangenheit waren die Grenzen zwischen geologischen Perioden durch eine plötzliche Welle von aussterbenden Arten gekennzeichnet. Heute kommen wir in eine neue Ära, in der Klimawandel und andere vom Menschen verursachte Faktoren wie Überfischung zu den größten Bedrohungen der Ozeane gehören", so die Autoren. Sie weisen erneut darauf hin, dass die Weltmeere einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherheit der Erde leisten. "Es ist daher von großer Eile, dass wir sofort eingreifen, ehe es noch zu weiteren massiven Veränderungen, die wir etwa von den Regenwäldern kennen, kommt."

Die Versauerung der Ozeane durch höhere CO2-Werte zerstört viele Lebewesen wie etwa Plankton, Muscheln, Schnecken und Korallen. Zudem kommt noch eine Verringerung des Sauerstoffgehalts, die auch zur Ausdehnung so genannter Todeszonen in Meeren führt. Das habe wesentliche Auswirkungen auf die produktivsten Fischgewässer in den kühleren Meeresgebieten. Die Meere tragen weltweit zu einem Sechstel der gesamten Proteinversorgung der Menschen bei. Jegliche Verluste wirken sich unmittelbar auf die Ernährungssituation aus. Weitere Bedrohungen der Weltmeere sind die Verunreinigungen durch toxische Abwässer, Müll, einer stärkeren UV-Einstrahlung, Bioinvasoren und Krankheiten. Viele der Meereslebewesen halten den Mehrfach-Stress durch diese Faktoren kaum aus und werden massiv geschwächt. "In Anbetracht dieser großräumigen Veränderungen, sind selbst großangelegte Netzwerke mariner Schutzzonen kaum ein adäquates Mittel um die Zerstörung aufzuhalten", kommen die Autoren zum Schluss.

"Im Endeffekt fasst dieser Alarm-Artikel eine ganze Reihe von bekannten Studien zusammen und formuliert einen dringenden Appell zur sofortigen Reduktion der Emission von Treibhausgasen, insbesondere CO2", so der Korallenexperte Christian Wild von der Universität München http://www.palmuc.de/core/ gegenüber pressetext. Es werde deutlich gemacht, dass die extreme Klimaveränderung, die wir im Moment erleben, schneller abläuft als bisher aus der Erdgeschichte bekannt. Aktuelle CO2 Emissionen liegen über denen des negativsten IPCC Szenarios. "In drastischer Sprache werden die katastrophalen Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme beschrieben, neben der Erwärmung und Ansäuerung auch insbesondere die begleitende zunehmende Sauerstoffarmut in den Weltmeeren mit ihren Konsequenzen", meint Wild. Es sei interessant, dass die Autoren davon ausgehen, dass auch die Einrichtung von großen und zusammenhängenden Meeresschutzgebieten, wie sie von vielen Experten gefordert wird, keinen effektiven Schutz für marine Lebensräume bietet. Wild gibt den Autoren Recht, dass man alles unternehmen müsse, um die CO2-Emissionen sofort drastisch zu minimieren. "Dazu kann jeder von uns beitragen durch individuelle Verhaltensänderungen, aber auch durch seine Entscheidung am Wahltag." Darüber hinaus sei die Schaffung von Netzwerken aus Schutzgebieten aber ein erwiesenermaßen wichtiges Werkzeug, um marine Lebensräume zu stärken, so dass sie sich besser von durch den Klimawandel erzeugten Schädigungen (z.B. Korallenbleichen) erholen

können. Das wird dazu führen, die von den Autoren betonte Degenerierung mariner Lebensräume zu verlangsamen.

"Effektiver Schutz von zum Beispiel Korallenriffen gegen lokale Stressfaktoren wie Überdüngung und Überfischung kann, wie auch unsere eigene Forschung andeutet, verhindern, dass es zu einem Überwuchs von gebleichten Korallen durch Algen kommt." Dies sei die Grundvoraussetzung für eine Erholung der Korallen nach einer durch hohe Wassertemperaturen ausgelösten Massenbleiche. "Meiner Meinung nach ist es also wichtig, beide Maßnahmen, eine rigorose Verringerung der CO2-Emissionen sowie eine Verbesserung und Ausweitung des Schutzes mariner Lebensräume, gemeinsam und gleichzeitig anzugehen", so Wild abschließend gegenüber pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.coralcoe.org.au
http://www.st-andrews.ac.uk

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