Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mensch war bis 1800 kein Klimaerwärmer

28.01.2010
Simulation hält unsere Vorfahren für unschuldig am Aufhalten der Eiszeit

Der Mensch ist nicht schuld daran, dass der Anteil von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre in den vergangenen acht Jahrtausenden so stark gestiegen ist - zumindest bis zum Beginn der industriellen Revolution vor 200 Jahren.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in der Zeitschrift Geophysical Letters. Das Ergebnis ihrer Analysen widerspricht manchen Aussagen, demnach der Mensch schon seit Jahrtausenden das Klima beeinflusst und dadurch vielleicht sogar das Einsetzen der nächsten Eiszeit verhindert hat (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090818003/ ).

Moore und Korallen als Maßstäbe

Beobachtet man die Temperaturentwicklung auf extrem lange Sicht, kühlt die Erde seit 65 Mio. Jahren ständig ab und zwar insgesamt um fünf bis zehn Grad. Seit einer Mio. Jahren steht dieser Prozess still. Dennoch haben sich die Gletscher in dieser Zeit weltweit stärker ausgebreitet und alle 100.000 Jahre eine derartige Größe erreicht, dass sie instabil wurden, sich zu den Polen und in die höchsten Berge zurückzogen und dadurch eine Warmzeit auslösten, deren geologische Prozesse den CO2-Anteil der Atmosphäre erhöhten. Derzeit befinden wir uns in einer Warmperiode, und erstmals scheint der Gletscherrückzug eher Folge statt Mitursache der höheren CO2-Konzentration zu sein.

Der Grund für die Regelmäßigkeit von Beginn und Ende der Warmzeiten ist noch nicht vollständig geklärt. Simulationen der Hamburger Forscher lassen jedoch darauf schließen, dass zumindest bis vor 200 Jahren nicht der Mensch daran schuld war, dass die nächste Eiszeit noch nicht begonnen hat. Dazu zogen sie Daten aus Korallenriffen und Mooren heran, die beide in Warmzeiten wachsen. Während Korallen durch ihre Fähigkeit, Kalzium zu binden, die Ozeane bei der CO2-Aufnahme behindern, binden Moore das Treibhausgas und führen damit zu dessen Absenkung in der Atmosphäre.

Seit 1800 gelten andere Gesetze

Der Koralleneffekt war laut Modell stärker als derjenige der Moore. "Der CO2-Gehalt der Atmosphäre stieg in den 8.000 Jahren vor der Industrialisierung in Summe um sieben Prozent", berichtet Studienleiter Victor Brovkin. Die beobachtete Zunahme um 20 ppm (parts per million) stimme mit bisherigen Analysen von Antarktis-Eisbohrkernen überein. Es sei somit unwahrscheinlich, dass der Mensch die nächste Eiszeit bereits verhindert hat.

Möglich sei jedoch, dass dieser Effekt in den vergangenen 200 Jahren eingetreten sei. Denn die Forscher sind davon überzeugt, dass der menschliche CO2-Ausstoß seit der Industrialisierung um 1800 sehr wohl den aktuell beobachtbaren Klimawandel ausgelöst und gefördert hat. Um mehr als 100 ppm - somit um 40 Prozent - sei in diesem Zeitraum die CO2-Konzentration durch menschliches Einwirken gestiegen. Da dies weit jenseits natürlich erreichbarer Werte liege, müsse man mit katastrophalen Folgen durchaus rechnen.

Erklärung ist noch lückenhaft

Keine Erklärung gelang dem Modell allerdings für den Umstand, dass der schwere Kohlenstoff in der Atmosphäre im beobachteten Zeitraum abgenommen hat. Die Simulationen der Forscher, welchen Anteil das Kohlenstoff-Isotop 13C an der gesamten Kohlenstoffmenge habe, war vom gegenteiligen Ergebnis ausgegangen. "Das könnte durchaus an den Waldrodungen des Menschen über Jahrtausende hinweg liegen", schätzt Brovkin. Im Modell sei dies noch nicht berücksichtigt, da bei diesen Prozessen nur wenig CO2 freigesetzt worden sei. Es habe jedoch genügt, um die Anteile von leichtem und schwerem Kohlendioxid in der Atmosphäre zu verändern.

Details zur Forschung unter http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/

2010/pressemitteilung20100126/genPDF.pdf

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.mpimet.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften