Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als ein Viertel der Betriebe hat bereits Regelungen zur Beschäftigungssicherung

30.12.2008
WSI: Guter Ansatz in der aktuellen Krise

Betriebliche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung sind in Deutschland weit verbreitet. Zu Beginn des Jahres 2008 gab es in gut einem Viertel der Betriebe mit Betriebsrat eine entsprechende Beschäftigungsgarantie, die auf der Basis tarifvertraglicher Flexibilisierungsmöglichkeiten zwischen Betriebsrat und Betriebsleitung ausgehandelt wurde.

Mehr als die Hälfte dieser betrieblichen Bündnisse zur Beschäftigungssicherung wurde nach 2005 abgeschlossen. Auch in kleineren Betrieben sind sie längst keine Ausnahmen mehr. Das ergibt sich aus der aktuellen Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Die Umfrage unter mehr als 2000 Betriebsräten ist repräsentativ für alle Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten und Betriebsrat. In derartigen Betrieben sind in Deutschland rund 12 Millionen Menschen beschäftigt.

"Die weite Verbreitung zeigt, dass die Beschäftigten und ihre Betriebsräte schon in den letzten Jahren viel getan haben, um ihren Betrieb und die Arbeitsplätze zu sichern", sagt Dr. Hartmut Seifert. Der Leiter des WSI forscht seit Jahren zu betrieblichen Bündnissen. "In etlichen Fällen sind die Beschäftigten dabei auch in Vorleistung getreten. Denn wir wissen beispielsweise aus unserer Befragung für das Jahr 2003, dass damals mehr als 50 Prozent der Betriebe mit Bündnissen schon vor dem Abschluss eine gute Auftragslage hatten." Die Vereinbarungen basierten auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, erklärt der Forscher: Die Betriebe schließen über einen definierten Zeitraum betriebsbedingte Kündigungen aus. Die Beschäftigten machen im Gegenzug Zugeständnisse, oft bei der Arbeitszeit. Beispielsweise akzeptieren sie längere oder kürzere Arbeitszeiten ohne vollen Lohnausgleich sowie die Einführung von Arbeitszeitkonten, die den Betrieben einen flexiblen Einsatz der Arbeitskräfte erlauben.

Die Daten der aktuellen WSI-Betriebsrätebefragung zeigen, dass Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung in Großbetrieben häufiger vorkommen: In 47 Prozent der Betriebe mit mehr als 1000 Beschäftigten gibt es einen derartigen Vertrag, von den Betrieben mit 200 bis 1000 Beschäftigten sind es 37 Prozent (siehe Grafik im Anhang zu dieser PM; Link zur PM mit Anhang am Fuß dieses Textes). Doch auch in mittleren und kleineren Betrieben sind Beschäftigungssicherungsverträge durchaus verbreitet: Von den Betrieben mit 20 bis 49 Mitarbeitern haben 24 Prozent eine Regelung, in der Größenklasse zwischen 50 und 99 Beschäftigten sind es 26 Prozent.

Der Arbeitsmarktexperte Seifert sieht auch in der aktuellen Nachfragekrise gute Möglichkeiten, über betriebliche Vereinbarungen zur Arbeitszeit Kündigungen zu verhindern. In zahlreichen Betrieben, die bereits eine Regelung zur Beschäftigungssicherung haben, sei der Puffer dafür wahrscheinlich sogar besonders groß, schätzt der Forscher: "Unseren Befragungen zeigen, dass in letzter Zeit vor allem Ausweitungen der Arbeitszeit vereinbart wurden. Neue Vereinbarungen sollten diese Verlängerungen auf das tarifliche Niveau zurückführen und, wenn das nicht ausreicht, die Arbeitszeit unter dieses Niveau verkürzen." Für etliche Betriebe und ihre Beschäftigten biete sich nun sogar eine Chance, Versäumnisse bei der betrieblichen Weiterbildung und Qualifizierung auszugleichen, sagt Seifert. Die Bundesagentur für Arbeit könne dabei helfen, indem sie beispielsweise Qualifizierung in Zeiten der Kurzarbeit finanziell fördere.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_wsi_30_12_2008.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik