Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Schutz und Rechte für Internetnutzer: Erste Ergebnisse des Pilotprojektes HUWY veröffentlicht

21.10.2010
Junge Internetnutzer haben viel Erfahrung mit den positiven, aber auch negativen Seiten des Internets – mehr jedenfalls als so mancher Erwachsene.

Dieses Wissen sollen sie in die Politikgestaltung einbringen. Das ist Ziel des von der Europäischen Kommission geförderten Projekts HUWY (Hub Websites for Youth Participation), das vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI zusammen mit dem Verein Jugendpresse Deutschland organisiert wird.

Die jungen Internet-Experten können dabei in den Dialog mit Politikern treten und so an Entscheidungen über deutsche und europäische Gesetze zum Thema Internet mitwirken. Jetzt gibt es erste Vorschläge von Jugendlichen.

Ein sehr wichtiges Thema mit gesellschaftlicher Brisanz ist die Zunahme von Cyberbullying. Immer mehr Jugendliche werden über das Internet, in Chatrooms oder mittels Mobiltelefonen beleidigt, gemobbt und belästigt, was in einigen Fällen sogar schon zum Selbstmord der Betroffenen geführt hat.

Im HUWY-Summercamp diskutierten Jugendliche aus ganz Europa über das Internet der Zukunft und entwickelten gemeinsam eine Ratgeber-Broschüre zum Thema Cyberbullying. Sie informiert in erster Linie über das zunehmende Problem von virtuellem Mobbing von Personen und gibt wichtige Ratschläge, wie sich Opfer verhalten oder vor Cybermobbing schützen können. Auch für die Politiker und die Medien stellten die Jugendlichen wichtige Gesetzesänderungen und gesellschaftliche Veränderungen zusammen, die im Zusammenhang von Cybermobbing passieren müssen, damit das Internet sicherer vor persönlichen Angriffen wird. „So empfehlen sie, dass zukünftig der komplette Name und die ID-Nummer bei der Registrierung in sozialen Netzwerken anzugeben ist, damit im Falle eines Missbrauchs sofort klar ist, wer der Inhaber des Kontos ist. Eine Hotline sowie Therapien für die Opfer sollten ebenso eingerichtet werden wie Gesetze zur Bestrafung der Täter“, fasst Projektleiter Dr. Ralf Lindner zusammen.

Wichtig ist den Jugendlichen auch das Thema Filesharing von Daten im Internet. Es ist einer der häufigsten Gesetzesbrüche, der hauptsächlich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verübt wird. Meist ist es ihnen nicht mal bewusst, welche möglichen Konsequenzen auf sie zukommen. Die jungen Internetexperten einer Freiburger Gruppe kamen nach langer Diskussion zu der Ansicht, dass das aktuelle Urheberrecht vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen nicht mehr zeitgemäß ist. Der Tausch von Filmen und Musik ist ihrer Meinung nach schon viel zu tief verwurzelt in der (jungen) Gesellschaft, als dass man durch noch härtere Bestrafung erreichen könnte, dass diese Medien wieder zunehmend legal getauscht werden. Auch die neueren Bestrebungen wie etwa der britischen Regierung, den Datenverkehr stärker zu überwachen und gegebenenfalls die Internetverbindung abzustellen, werden das eigentliche Problem nicht lösen, so die Meinung der Jugendlichen. Selbst bei einer noch stärkeren Überwachung wird es immer Möglichkeiten geben, Daten zu tauschen.

Vorschlag der Jugendlichen: Das Urheberrecht muss überarbeitet werden, um den modernen Möglichkeiten der Informationsbearbeitung Raum zu schaffen. Es soll Kreativität ermöglichen und nicht bremsen beziehungsweise sanktionieren. Dabei muss dem geistigen Eigentum selbstverständlich weiterhin Rechnung getragen werden. Da es sich hierbei um die Veränderung bestehender Rechtsprechung handelt, muss die Politik entsprechend handeln. „Die Jugendlichen kommen in ihrer Diskussion zu dem Ergebnis, dass die Politik gerade in dieser Angelegenheit viele Entwicklungen regelrecht verschlafen hat. Durch HUWY bekommen sie ein Sprachrohr, ihre Ansichten darzustellen und tragen so dazu bei, dass bürgernahe und innovationsfördernde Gesetzgebungen auf den Weg gebracht werden können“, freut sich Dr. Ralf Lindner über die rege Beteiligung und die Vorschläge der Jugendlichen.

Weitere Ergebnisse zu internetspezifischen Themen aus einigen dezentralen Diskussionen, die in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ, Facebook, in Foren, auf Webseiten von Jugendorganisationen oder auch offline geführt wurden, können auf der Webseite http://www.huwy.eu nachgelesen werden. Die Diskussionsergebnisse, Anregungen, Ideen und Gesetzesvorschläge sollen politischen Entscheidern zur Verfügung gestellt werden. Diese kommentieren die Ergebnisse und bringen sie im besten Fall in den politischen Prozess der internetbezogenen Gesetzgebung ein. Neben der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder unterstützen der Bundesbeauftragte für den Datenschutz Peter Schaar und viele weitere Politiker das Projekt und hoffen auf viele Ideen, Anregungen und Vorschläge zur Netzpolitik.

Interessenten zwischen 16 und 24 Jahren können sich auch weiter am Projekt HUWY beteiligen und ihre Ideen zu internetspezifischen Inhalten beitragen. Die Anmeldung ist per Mail an HUWY@isi.fraunhofer.de oder auf der Homepage (http://www.huwy.eu/de/login/?instance=tml-main&action=register) möglich. Über die Teilnahme wird ein Zertifikat ausgestellt.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI
Perspektiven für Entscheidungen
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
Leitung Presse und Kommunikation
Dr. Kathrin Schwabe
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de

Dr. Kathrin Schwabe | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie