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Mehr als die Hälfte der Männer würde Elternzeit nehmen

11.05.2009
Bundesweite Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Die Bundesbürger schätzen die Bedeutung der Familie hoch ein. Zudem würde mehr als die Hälfte der deutschen Männer bei entsprechenden beruflichen Rahmenbedingungen Elternzeit nehmen.

Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt eine bundesweite Studie des Lehrstuhls für Soziologie und Empirische Sozialforschung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), für die im vergangenen Jahr 1200 Personen zu ihren Lebensumständen und Einstellungen zu verschiedenen Lebensbereichen – darunter auch Kinder, Kinderbetreuung, Elterngeld und Elternzeit – befragt wurden.

Grundlage war eine Stichprobe in vier zufällig ausgewählten Bundesländern, telefonisch interviewt wurden Männer und Frauen deutscher Staatsangehörigkeit im Alter von 18 bis 70 Jahren.

Gut drei Viertel der Befragten bewerteten die Familie wichtiger als Beruf oder Freizeit. Auch die Rolle eines Kindes im eigenen Leben wurde sehr positiv eingeschätzt: 42% der Befragten stimmten der Aussage „Ein Kind gibt meinem Leben erst den wahren Sinn“ voll zu, 38% stimmten eher zu. Gesellschaftlicher Druck zum „Kinder kriegen“ wurde dagegen kaum verspürt. Der Aussage „Kinderlose werden in unserer Gesellschaft schief angeschaut“ stimmten nur 23% der Befragten voll oder eher zu. Im statistischen Durchschnitt wurden 2,3 Kinder als Optimum gleichermaßen von Männern und Frauen angegeben.

„Die gewünschte Kinderzahl ist dabei höher als die realisierte. Pro Frau wurden 2007 statistisch gesehen 1,37 Kinder geboren“, erklärt Susanne Vogl vom Lehrstuhl für Empirische Sozialforschung der KU. Weder das Alter der Befragten noch die Größe der Herkunftsfamilie hatte einen erkennbaren Einfluss auf die gewünschte Kinderzahl. Die Einbindung in ein Familiennetzwerk hatte dagegen einen positiven Effekt auf den Kinderwunsch; je häufiger also Kontakt zu den eigenen Eltern besteht, desto wahrscheinlicher ist auch ein Kinderwunsch.

In der Studie wurden auch Einstellungen zum 2007 eingeführten Elterngeld erhoben: Nach Einschätzung von rund 60% der Befragten – Frauen wie Männern gleichermaßen – wirkt sich diese Neuerung positiv auf den Kinderwunsch aus. Da sich das Elterngeld von maximal 1800 Euro am bisherigen Einkommen orientiert, bewerteten höhere Einkommensgruppen den Einfluss etwas häufiger positiv als niedrigere. Ebenfalls rund 60% der befragten Männer und Frauen sahen einen positiven Einfluss des Elterngeldgesetzes auf die Bereitschaft von Vätern, zur Kinderbetreuung zu Hause zu bleiben. Bei über drei Vierteln aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie wäre die eigene Bereitschaft zur Elternzeit hoch bis sehr hoch.

„Dabei gab es jedoch – erwartungsgemäß – einen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. 60% der Männer erklärten eine sehr hohe oder eher hohe Bereitschaft, in Elternzeit zu gehen, bei den Frauen waren es fast 90%“, sagt Susanne Vogl. Die Bereitschaft sei aber deutlich vom Einkommen des Befragten abhängig: je höher das Einkommen der befragten Männer, desto geringer die Bereitschaft, selbst Elternzeit zu nehmen. Daran scheine auch das Elterngeld nichts zu ändern. Frauen wären hingegen auch mit hohem Einkommen häufiger dazu bereit, in Elternzeit zu gehen.

Das Alter des Befragten hatte keinen Einfluss auf die Einschätzung.

Die am häufigsten genannten Gründe für die mögliche Inanspruchnahme von Elternzeit waren: um so mehr Zeit mit dem Kind verbringen zu können (51%), weil sich die befragte Person für am besten geeignet für die Kinderbetreuung hielt (19%), weil die Kinderbetreuung und -erziehung als besondere Bereicherung/Erfahrung angesehen wurde (15%) und aus finanziellen Gründen (5%). Gründe für die Nicht- Inanspruchnahme von Elternzeit wären vor allem berufliche Gründe bzw. die Sorge um den Wiedereinstieg (55%) und finanzielle Gründe (31%). Dabei sorgten sich Männer etwas stärker um ihren Beruf (57%) als Frauen (47%). Insbesondere Selbstständige und Freiberufler sehen ihre berufliche Zukunft nach einer Elternzeit gefährdet. „Sie waren zwar auch überwiegend bereit, in Elternzeit zu gehen, aber der Anteil fiel im Vergleich zu anderen Berufsgruppen etwas niedriger aus. Für diese Berufsgruppen greift die Elternzeitregelung also nicht entsprechend“, so Susanne Vogl. Tatsächlich gehen derzeit laut Elterngeldbericht der Bundesregierung 16% der Väter in Elternzeit, vor Einführung des Elterngeldes seien es 3,5% gewesen. „Es besteht also durchaus weiterer Spielraum, um die Väterbeteiligung zu erhöhen“, meint die Soziologin.

Hinweis an Medienvertreter:
Für Nachfragen zur Studie steht Ihnen Dipl.-Soziologin Susanne Vogl ({susanne.vogl@ku-eichstaett.de" }susanne.vogl@ku-eichstaett.de) zur Verfügung.
Johanna Karch
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ostenstraße 26
D-85072 Eichstätt
Tel. 08421/93-1594
Fax 08421/93-1788

Johanna Karch | KU Eichstätt
Weitere Informationen:
http://www.ku-eichstaett.de

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