Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Gründergeist in grauen Köpfen

18.12.2009
Erste Studie zu Entrepreneurship und demografischem Wandel

In den kommenden Jahren werden vermehrt Menschen der Generation 50+ neue Unternehmen gründen. Dagegen wird in den jüngeren, geburtenschwachen Jahrgängen der Anteil unternehmerisch aktiver Personen eher sinken. Dies berichten die Forscher Stephan Heblich vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik, Werner Bönte von der Universität Wuppertal und Oliver Falck vom Münchner ifo Institut, die im Rahmen einer empirischen Studie exemplarisch das Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik sowie Berlins unter die Lupe genommen haben.

Aus ökonomischer Sicht wurde der demografische Wandel bislang vor allem hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme betrachtet. Die Studie der drei Wissenschaftler klärt dagegen, welchen Einfluss die Veränderung der Altersstruktur auf das unternehmerische Potenzial von Regionen hat. Ihre Ergebnisse deuten in zwei Richtungen: Einerseits zeichnet sich ab, dass immer mehr ältere Menschen ihre eigene Firma gründen, wohingegen der Gründergeist der jüngeren abnimmt. "Angesichts der Tatsache, dass Neugründungen einen wichtigen Beitrag zur Innovationskraft und allgemein dem wirtschaftlichen Potenzial von Regionen leisten, weisen diese Ergebnisse auf zukünftigen Handlungsbedarf hin", sagt Stephan Heblich.

Für ihre Studie haben die Ökonomen die Daten von insgesamt 31 Regionen betrachtet, die das Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik sowie Berlins umfassen. Ein Gebiet, auf dem der demografische Wandel bereits vergleichsweise weit fortgeschritten ist und das daher, so die Autoren, Modellcharakter für andere europäische Regionen haben dürfte. Datengrundlage der Analyse sind die Eurostat-Bevölkerungsdaten sowie Daten über die Zahl der Firmenneugründungen (Start-up’s) aus der Sozialversicherungsstatistik. Betrachtet wurde der Zeitraum von 1987 bis 2000. Die Auswertung ihrer Daten bestätigt zunächst den seit längerem belegten Zusammenhang zwischen Lebensalter und Gründungswahrscheinlichkeit: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person unternehmerisch aktiv wird, steigt mit zunehmendem Alter zunächst an, erreicht im Alter von etwa 40 Jahren ihren maximalen Wert und nimmt danach wieder ab. "Darüber hinaus haben wir einen zweiten Scheitelpunkt bei den Gründungsaktivitäten der geburtenstarken Jahrgänge gefunden", sagt Heblich. "Für den gesamten Untersuchungszeitraum zeigt sich bei den Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge eine erhöhte Gründungswahrscheinlichkeit."

Die Ergebnisse der Studie untermauern damit zugleich die Annahme, dass die Gruppe der Gleichaltrigen (Peer Group) einen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit der Gruppenmitglieder hat. Gründer haben einen starken regionalen Bezug haben: Sie gründen dort, wo ihnen ihr soziales Netzwerk zusätzliche Ressourcen erschließt. Soziale Netzwerke wiederum werden vorrangig zwischen Personen einer Altersgruppe geknüpft, weshalb größere Alterskohorten die Schaffung sozialer Netzwerke erleichtern. Somit ist die Annahme plausibel, dass in größeren Gruppen Gleichaltriger prozentual mehr Menschen unternehmerisch aktiv werden, als in kleineren. Der beobachtete Anstieg der Gründungswahrscheinlichkeit bei den geburtenstarken Jahrgängen kann als ein Beleg für diese Theorie gesehen werden. Umgekehrt ist dann jedoch zu befürchten, dass kleiner werdende Alterskohorten zu einem überproportionalen Rückgang der Gründungsaktivitäten in den betroffenen Regionen führen werden.

Originalveröffentlichung:

Boente, W., Falck, O., Heblich, S. (2009)
The Impact of Regional Age Structure on Entrepreneurship
Economic Geography, 85(3), 269-287
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Stephan Heblich
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena
Tel.: +49 3641 686-733
Fax: +49 3641 686-710
E-Mail: heblich@econ.mpg.de
Petra Mader, Stephan Schütze, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena
Tel.: +49 3641 686-960, -950
Fax: +49 3641 686-949
E-Mail: presse@econ.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2009/pressemitteilung20091217/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics