Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medikament bietet neue Chance für Myelofibrose-Patienten

02.04.2012
Aktuelle Studie unter UKL-Beteiligung zeigt Wirksamkeit molekularer Therapie bei Knochenmarkserkrankung

Neue Medikamente, sogenannte Tyrosinkinase-Hemmer, bieten Patienten mit Myelofibrose eine neue Behandlungsschance. Das zeigt eine aktuell im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte internationale klinische Studie, an der die Hämatologie und internistische Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig maßgeblich beteiligt war.

Myelofibrose ist eine lebensgefährliche Krebserkrankung, die zum Versagen des Knochenmarks und damit zu Leukämie-ähnlichen Symptomen führt. Im Verlauf der seltenen Krankheit, die in der Regel tödlich ist, leiden die Betroffenen an Blutveränderungen, einer Vergrößerung der Milz, aber auch unter Schmerzen und extremer Müdigkeit.

Bisher ist die einzige Therapieoption eine Stammzelltransplantation, die aufgrund des hohen Risikos und des fortgeschrittenen Alters vieler Patienten nur für einen Teil der Betroffenen geeignet ist.

Jetzt konnte in einer internationalen Studie gezeigt werden, dass ein neuartiges Medikament, dessen Wirkstoff auf molekularer Ebene in die krankheitsauslösenden Prozesse eingreift, Symptome erstmals extrem wirksam lindert und möglicherweise den Verlauf der Erkrankung verlangsamt.

Bei den mit dem neuen Wirkstoff „Ruxolitinib“ behandelten Patienten bildete sich die Milzvergrößerung zurück und verringerten sich die Allgemeinsymptome. Damit verbesserte sich deutlich die Lebensqualitiät der schwerkranken Patienten.

„Es ist wirklich beeindruckend, welche Verbesserungen wir mit einer einfachen Kapsel bei unseren sehr stark geschwächten Patienten erreichen konnten“ beschreibt Dr. Haifa Kathrin Al-Ali, die in der Abteilung für Hämatologie und internistische Onkologie die Studie koordiniert hat. „Nach wenigen Wochen konnten viele Patienten seit langem erstmals wieder laufen und sich frei bewegen, und hatten die belastende extreme Müdigkeit überwunden.“

Basis dieser Veränderungen ist ein Eingriff in die Signalübertragung der Zellen: Der in den verabreichten Kapseln enthaltene sogenannte JAK-Inhibitor hemmt die auslösende Fehlfunktion von bestimmten Zellproteinen, die durch falsche Signale Tumorerkrankungen auslösen können.

„Das ist ein großer Fortschritt in der Behandlung dieser tödlichen Erkrankung“, ist Prof. Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Leipzig, überzeugt. Sein Team war als aktivster Teilnehmer an der zweijährigen Studie mit 219 Patienten beteiligt, deren Ergebnisse jetzt im „New England Journal of Medicine“ vorgestellt wurden.

Für alle Betroffenen war die neue Therapie die letzte Chance.

„Sichtbarstes Zeichen der Wirksamkeit war, dass die schmerzhaft vergrößerte Milz geschrumpft ist“, beschreibt Prof. Niederwieser weiter. Es gibt zudem erste Hinweise, dass das neue Mittel das Überleben bei Myelofibrose positiv beeinflussen kann.

Besonders bemerkenswert ist aber, dass jetzt neben der nicht immer möglichen Stammzelltransplantation ein Mittel zur Verfügung steht, welches einfach eingenommen werden kann. „Für unsere Patienten in einer meist ausweglosen Situation ist das ein enormer Gewinn“, so der Hämatologe.

Originalpublikation:
„JAK Inhibition with Ruxolitinib versus Best Available Therapy for Myelofibrosis“

New England Journal of Medicine, Vol. 366, No9, March 1, 2012, S. 787-798

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dietger Niederwieser
Leiter der Abteilung Onkologie und Hämatologie
Universitätsklinikum Leipzig A.ö.R.
Telefon: (03 41) 97 – 1 59 05
E-Mail: Dietger.Niederwieser@uniklinik-leipzig.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie