Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mangelhafte Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt verursacht erhebliche gesellschaftliche Folgekosten

13.10.2008
Studie der Bertelsmann Stiftung sieht für die Jahre 2007 bis 2015 Einspar- und Wertschöpfungspotenziale von rund 50 Milliarden Euro

Die mangelhafte Integration junger Menschen in die Arbeitswelt ver­ursacht ganz erhebliche gesellschaftliche Folgekosten. Durch grundlegende bildungspolitische Weichenstellungen könnten für die Jahre 2007 bis 2015 insgesamt 13,4 Milliarden Euro an direk­ten und 15,9 Milliarden Euro an indirekten Kosten bei der Integration von Jugendlichen in Ausbil­dung und Beschäftigung eingespart werden.

Hinzu kämen Wertschöpfungspotenziale durch den nachträglichen Erwerb von Berufsabschlüssen von gering qualifizierten Arbeitnehmern in Höhe von 21,5 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die im Auftrag der Ber­telsmann Stiftung vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt wurde.

"Mit unserer Untersuchung wollen wir wenige Tage vor dem Bildungsgipfel in Dresden nachdrück­lich auf die Probleme junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt auf­merksam machen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Dr. Gunter Thielen, bei der Vorstellung der Ergebnisse. "Aus unserer Sicht wird das wichtige Thema der Berufsausbil­dung immer noch nicht konsequent genug behandelt."

Um das riesige Einspar- und Wertschöpfungspotenzial schon bis zum Jahr 2015 zu erreichen, werden in der Studie drei zentrale bildungspolitische Reformziele entwickelt. Dazu gehören eine Reduzierung der Zahl der Schulabgänger mit mangelnder Ausbildungsreife sowie der langen Ver­weildauer im so genannten Übergangssystem um jeweils ein Drittel. Zusätzlich müssten fünf Pro­zent der heute Geringqualifizierten im Rahmen umfassender Nachqualifizierungen nachträglich einen Berufsabschluss erwerben. Neben diesen aufgezeigten Einspar- und Wertschöpfungspoten­zialen ließe sich aufgerechnet bis 2015, begründet durch die sinkende Zahl der Schulabgänger, noch eine "demographische Rendite" in Höhe von 7,5 Mrd. Euro erzielen.

Die Berechnungen der direkten Kosten für die Integration Jugendlicher in die Arbeitswelt basieren auf den Zahlen des Jahres 2006. In diesem Jahr haben Bund, Länder, Kommunen und die Bun­desagentur für Arbeit (BA) 5,6 Milliarden Euro für Integrationsmaßnahmen ausgegeben. An den identifizierten Unterstützungsangeboten im Bereich der Berufsvorbereitung nahmen im Jahr 2006 insgesamt 437.584 Jugendliche teil. Rechnerisch verbringt damit jeder Schulabgänger mit maximal Hauptschulabschluss rund 1,4 Jahre im Übergangssystem. Im Bereich der indirekten Kosten erge­ben sich Einsparpotenziale beim Arbeitslosengeld und der sozialen Mindestsicherung durch die bessere Integration von Jugendlichen in Ausbildung und Beschäftigung. Zudem resultieren Wertschöpfungs­potenziale aus der beruflichen Nachqualifizierung von An- und Ungelernten, die den Einstieg in Arbeit erleichtern und ein höheres Einkommen (Aufstieg durch Bildung) ermöglichen.

"Wenn wir die in der Studie vorgeschlagenen bildungspolitischen Reformziele erreichen, können wir nicht nur die gesellschaftlichen Folgekosten mangelhafter Integration erheblich reduzieren", sagte Thielen. "Wir verbessern damit das System der beruflichen Bildung insgesamt und beugen dem dramatischen Problem des Fachkräftemangels vor."

Die Ergebnisse der Studie werden als Gesamtbericht sowie als Teilberichte für die Länder, den Bund und die Bundesagentur für Arbeit zum Download auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung zur Verfügung gestellt.

Rückfragen an:
Clemens Wieland,
Telefon: 0 173 / 285 1481;
E-Mail: clemens.wieland@bertelsmann.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie