Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mangelernährung im Spital teurer als Fettsucht

02.09.2009
Frühe feste Nahrung nach Operation verkürzt den Spitalsaufenthalt

Spitalspatienten und Pflegeheim-Bewohner haben ein besonders hohes Risiko, zu wenig zu essen. Das verdeutlichen die Beiträge am Kongress der Europäischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel, der derzeit in Wien stattfindet.

Die am Kongress präsentierten Zahlen zeigen, dass Mangelernährung in der öffentlichen Diskussion zu Unrecht völlig unterschätzt wird. "In der EU sind zwischen fünf und 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, jedoch 40 Prozent der Spitalspatienten und 60 Prozent der Pflegeheimbewohner unterernährt oder auf dem Weg dorthin", resümiert Kongresspräsident Michael Hiesmayer von der Medizinischen Universität Wien die Ergebnisse. In absoluten Zahlen betreffe dies 30 Mio. Menschen, wobei die Folgekosten EU-weit 170 Mrd. Euro pro Jahr betragen würden. "Das ist das dreifache der Kosten für Adipositas".

In einer weltweiten Befragung von 72.000 erwachsenen Spitalspatienten zeigte sich, dass diese das servierte Essen oft aus Appetitlosigkeit nicht aufaßen. Eine Kompensation eines ausbleibenden Mittagessens durch zusätzliche künstliche Ernährung erhielt jedoch nur jeder Vierte. Bedenklich ist auch die Tatsache, dass 42 Prozent der Befragten schon vor der Spitalsaufnahme an Gewicht verloren hatten. "Bei der Aufnahme in Spitäler und Pflegeheime wären systematische Untersuchungen der Ernährung nötig. Falls notwendig, braucht es Interventionen durch geschulte Ernährungsteams und eine Überprüfung des Erfolgs", so Hiesmayer. Bei der jetzigen Handhabung in den Krankenhäusern nehme bestehende Mangelernährung im Schnitt um ein Siebtel zu.

Die Folgen der Mangelernährung im Spital sind weitreichend. Während Patienten mit ausreichender Ernährung eine durchschnittliche Sterblichkeit von unter zwei Prozent haben, steigt dieser Wert bei Menschen, die nichts essen, um das Fünffache. Wer zuwenig isst, liegt zudem fast doppelt so lange im Krankenhaus. Ähnlich alarmierend fiel die Befragung in Pflegeheimen aus. Jeder Dritte aß bei der Mittagsmahlzeit zuwenig, wobei ein deutlicher Zusammenhang zwischen Mangelernährung, Austrocknung, Gelenksversteifung und Druckgeschwüren festzustellen war. Jeder sechste Heimbewohner mit einem Body-Mass-Index von unter 20 nahm zuwenig Nahrung auf, bei jedem zehnten konnte ein ungewollter Gewichtsverlust festgestellt werden, der ebenfalls auf Mangelernährung zurückzuführen ist. "Hier ist auch die Gesundheitspolitik gefordert", so Hiesmayr. "Ernährungsscreenings müssen Routine werden, so wie das Messen der Körpertemperatur und des Blutdrucks."

Eine erste Trendwende in der Ernährung lässt sich bei Operationen erkennen. Die bisher übliche Empfehlung an Patienten, vor dem Eingriff zu fasten und sich nachher längere Zeit nur flüssig zu ernähren, betrachten die Ärzte immer mehr als kontraproduktiv für den Heilungsprozess.

"Neue Ansätze gehen davon aus, dass der natürliche Stoffwechsel und damit auch die Nahrungsaufnahme und Darmfunktionen möglichst aufrecht erhalten werden sollen", so Hiesmayr. Kohlehydratreiche Nahrung ersetze zunehmend das Fasten vor dem Eingriff, man vermeidet zu hohe Flüssigkeitszufuhr und versucht stärker als früher, auch nach der Operation auf die ausreichende Ernährung zu achten. Unter Einhaltung diese Empfehlungen könnten die meisten Patienten noch am Tag oder Folgetag der Operation wieder feste Nahrung zu sich nehmen, benötigten dadurch weniger Infusionen und könnten das Krankenbett früher verlassen.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.espen.org/vienna
http://www.meduniwien.ac.at/htg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics