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Männer im Wechsel: Unerkannt und unbehandelt

23.08.2010
Niedrige Testosteron-Werte machen müde, schlecht gelaunt und fett

Was bei Frauen in aller Stärke auftritt und als Krankheitsbild anerkannt ist, sorgt beim männlichen Geschlecht für Verwirrung und Unklarheit, die zumeist auf Unwissenheit basiert. Die Rede ist vom männlichen Wechsel.

Ein US-Urologenteam der Northwestern University hat in einer aktuellen Studie festgestellt, dass 95 Prozent der Fälle unerkannt und daher auch unbehandelt bleiben. Auch der Linzer Sexualmediziner Georg Pfau kommt gegenüber pressetext zum gleichen Schluss.

"In den meisten Fällen werden die Symptome als Midlife-Crisis abgetan", meint Pfau. "Die Betroffenen berichten nicht über das Nachlassen der sexuellen Leistungsfähigkeit, sondern über depressive Stimmungen, Energiedefizit, Müdigkeit, Schlafstörungen sowie Muskelab- und Fettaufbau", so der Mediziner. Gesellschaftlich würden diese Zustände sehr häufig mitleidig belächelt. Dass der Hormonabbau ab dem 20. Lebensjahr beginnt, sei eine Tatsache. Kritische Werte würden dann zumeist ab dem 45. oder 50. Lebensjahr auftreten.

Mindestens fünf Mio. US-Bürger betroffen

"Der Hypogonadismus des alternden Mannes, auch Klimakterium virile genannt, zeigt sich durch niedrige Testosteronwerte und die damit in Verbindung stehenden Störungen", berichtet Robert Brannigan, Urologe am Northwestern Memorial Hospital. Die männlichen Hoden erzeugen deutlich weniger Testosteron. "Trotz der hohen Prävalenz der Störungen bleiben bis zu 95 Prozent nicht diagnostiziert. Die Folge davon ist eine Einbuße der Lebensqualität", so der Mediziner. Betroffen davon sind laut Experten mindestens fünf Mio. Männer. Die Zahlen könnten jedoch bedeutend höher sein.

Auch Pfau weiß aus eigenen Erfahrungen, dass viele Betroffene Anti-Depressiva schlucken, die nicht immer Hilfe bringen. "Damit ist das Problem keineswegs gelöst", meint der Mediziner, der auch in Österreich große Wissensdefizite ortet. Gründe dafür sind das Negieren der Krankheitsbilder, aber auch eine allgemeine Stigmatisierung des Themas. "Außerdem gibt es Männer, die zwar ihre Schwächen erkennen, aber nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen." Ähnlich berichtet auch Brannigan: "Männer leiden oft still vor sich hin", so der Forscher.

Lebensqualität ganz einfach erhöhen

"Gerade weil die Symptome die Lebensqualität beeinträchtigen, muss man reagieren", schreibt Brannigan. Die Verabreichung von Testosteron ist heute kein großes Problem mehr, erklärt der Experte. Doch dies sei nicht bei jedem Patienten möglich. Abgeklärt werden sollte vorher dringend, ob ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden kann.

Vor der Verabreichung des Hormons wird der aktuelle Hormonstatus über das Blutbild erhoben. "Doch ebenso wichtig ist ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Mediziner", betont Pfau. "Denn nur dieser kann auch klar erkennen, ob tatsächlich eine solche Behandlung sinnvoll ist." Der Hormonstatus alleine sei nicht aussagekräftig, da es auch junge Menschen mit niedrigeren Testosteronwerten gibt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.northwestern.edu
http://www.sexualmedizin-linz.at

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