Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was macht gute Aufsichtsratsarbeit aus?

02.12.2011
Umfangreiche Studie mit 181 Aufsichtsräten von DAX30- und MDAX-Unternehmen ergibt: Regeln schaffen bestenfalls Mindeststandards und Geld keine Motivation

Die zunehmende Regulierung der Unternehmensführung und -kontrolle in den letzten Jahren hat die alltägliche Arbeit von Aufsichtsräten kaum verändert. Das ist das Ergebnis einer Studie, in deren Rahmen 181 Aufsichtsräten durch das Reinhard-Mohn-Institut an der Universität Witten/Herdecke interviewt wurden. Die Ergebnisse wurden den Befragten jetzt in Witten vorgestellt.

Die Wirtschaftswissenschaftler untersuchten dabei insbesondere den Umgang mit der Unternehmensmitbestimmung, die Nominierung neuer Aufsichtsratsmitglieder, die erhöhten Anforderungen im Prüfungsausschuss, das Führungsverhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden sowie den Zusammenhang zwischen Vergütung und Motivation.

Der bestehende rechtliche Rahmen kann, so die Ergebnisse der Studie, z.B. bei der Mitbestimmung für das Unternehmen Mehrwert stiften, wenn sich sowohl Anteilseigner- als auch Arbeitnehmervertreter von ihrer Rolle als reine Interessenvertreter lösen und sich dadurch eine Vertrauenskultur zwischen beiden Bänken entwickelt. In einigen Fällen gelingt eine solche Form des „pragmatischen Arrangements“, in anderen ist ein offener Konflikt nahezu unvermeidbar. Einer der Interviewpartner bringt es wie folgt auf den Punkt: „Sobald Sie eine Spaltung des Gremiums in zwei Bänke haben, ist die Effizienz eigentlich dahin“.

Ähnlich verhält es sich mit dem Nominierungsausschuss: Gedacht ist er als ein Gremium, das Kandidaten für die Posten im Aufsichtsrat vorschlagen soll. Im Alltag, so die Studie, verändern sich mit ihm die Nominierungsprozesse kaum, sie werden oft weiterhin von einem informellen Tandem aus Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzendem bestimmt.

Beim Prüfungsausschuss führen die gesetzlichen Bestimmungen zunehmend zu einer reinen juristischen Absicherung. Die hohen Anforderungen an die Mitglieder des Prüfungsausschusses lassen die Angst vor haftungsrechtlichen Konsequenzen wachsen. So konzentrieren sich die Mitglieder zunehmend auf die Erfüllung der Gesetze anstatt sich ihre notwendige Autonomie zu erhalten.

Die zweite Erkenntnis des Forschungsprojekts besteht darin, dass den Aufsichtsräten zu Unrecht ein zu großes Misstrauen entgegenbracht wird: In der Diskussion über die „richtige“ Vergütungsstruktur werde oftmals angenommen, es handele sich bei Aufsichtsräten um opportunistische Eigennutzoptimierer, die ihr Verhalten von ihrer Bezahlung abhängig machten. In der Praxis trifft dies jedoch nur selten zu und die Bedeutung der Vergütung wird überbewertet. „Also wenn mir jemand 40.000 € bezahlt, damit ich motivierter bin, will ich sie schon nicht mehr haben“ ist dabei eine typische Aussage der Befragten.

Andererseits wird der Effekt eines Wechsels vom Vorstand in den Aufsichtsrat oftmals überschätzt. Vielmehr lassen sich in der Praxis unterschiedliche Verhaltensweisen und Rollenverständnisse von Aufsichtsratsvorsitzenden finden, die einen deutlich größeren Einfluss auf die Aufsichtsratsarbeit haben als beispielsweise der Aspekt, ob jemand unmittelbar vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt ist. „Der Aufsichtsratsvorsitzende“, so ein Studienteilnehmer, „sei eben derjenige welcher“.

„Auch ausgefeilte rechtliche Regelungen bringen nicht automatisch gute Aufsichtsräte und eine gute Aufsicht zu Stande“, fasst Prof. Dr. Michèle Morner, geschäftsführende Direktorin des Reinhard-Mohn-Instituts die Ergebnisse zusammen. „Eine zu starke Regulierung kann schnell auch negative Effekte auf Engagement und Motivation der Aufsichtsratsmitglieder haben und somit die Qualität der Aufsichtsratsarbeit zum Schlechten beeinflussen. Ist das Gremium nicht um seine Arbeit bemüht, findet es zu keiner produktiven Form der Zusammenarbeit.“ Andererseits setze Regulierung Mindeststandards und könne für Orientierung sorgen.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Michèle Morner, 02302/926-517, michele.morner@uni-wh.de, www.uni-wh.de/rmi

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Kay Gropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/rmi

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie