Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lügen ist ungesund

08.08.2012
Körper, Psyche und Beziehungen profitieren von Ehrlichkeit

Wer bewusst versucht, bei der Wahrheit zu bleiben, wird dadurch gesünder und stärkt seine Beziehungen zu anderen Menschen. Das berichten Psychologen der University of Notre Dame auf dem Jahrestreffen der "American Psychological Association" in Orlando. "Teilnehmer unserer Studie konnten die Alltagslügen bewusst und drastisch reduzieren. Im Gegenzug nahmen Gesundheitsbeschwerden ab", sagt Studienleiterin Anita Kelly.


Pinocchios: Ehrlichkeit erspart nicht nur lange Nase (Foto: Flickr/Palondrome)

Ehrlich per Auftrag

Zehn Wochen dauerte das Ehrlichkeits-Experiment, an dem 110 Personen - zwei Drittel davon Studenten - teilnahmen. Jeder Zweite erhielt die Anweisung, im Versuchszeitraum auf kleine und größere Lügen zu verzichten, der Rest diente als Kontrollgruppe. Wöchentlich wurden die Probanden nach Gesundheit und Beziehungen befragt, zudem sollte ein Lügendetektor erheben, wie oft sie in der Vorwoche geflunkert hatten. Laut Kelly lügen Amerikaner im Schnitt elfmal pro Woche.

Jene, die ehrlich bleiben mussten, berichteten von deutlich weniger Gesundheitsproblemen: Etwa Halsschmerz oder Kopfweh sowie auch Spannungsgefühle oder Traurigkeit kam bei ihnen seltener vor als in der Vergleichsgruppe. Statistische Analysen zeigten auch eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen in der ehrlichen Gruppe, was auch eine mögliche Erklärung für die Effekte der körperlichen und psychischen Gesundheit sein könnte.

Befreiender Schmerz

"Lügen bringt Stress. Notorisches Lügen ist deshalb chronischer Stress", erklärt der Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli http://bonelli.info im pressetext-Interview. Lügner müssen stets ein Auffliegen fürchten und dabei überlegen, wem sie was erzählen dürfen, damit die Versionen zusammenpassen. "Die besten Lügner sind jene, die sich das auch selbst glauben, wobei etwa Alkoholiker ein Beispiel für Selbstbetrug sind. Oft belügt man sich selbst, um eine schmerzhafte Veränderung zu vermeiden."

Denn Ehrlichkeit tut oft weh, weshalb die Lüge öfters als Gebot der Höflichkeit und des Schutzes vor Verletzungen gerechtfertigt wird. In Wahrheit wolle man damit aber meist bloß selbst nicht anecken, sagt Bonelli. "Manchmal braucht es diesen Schmerz, da die Wahrheit frei macht. Sie kann Durchbruch zu einem gesünderen Selbstbild sein." Lügner seien kurzfristig im Vorteil, Ehrlichkeit mache hingegen auf lange Sicht verlässlich in den Augen anderer. "Deswegen sagt man auch: Lügen haben kurze Beine", so der Experte.

Keine Ausflüchte mehr

Im US-Experiment logen die Teilnehmer am Ende der zehn Wochen nur noch einmal pro Woche, berichten die Studienautoren. Sie hatten dabei mehrere Strategien entwickelt, um nicht lügen zu müssen. Viele gaben über ihre tägliche Leistung einfach wahrheitsgetreu Bescheid statt stets zu übertreiben. Andere machten Schluss mit falschen Ausflüchten etwa für das Zuspätkommen oder bei Misslingen von Aufgaben. Sprachgewandte lenkten ihr Gegenüber bei verfänglichen Fragen ab - etwa durch eine Gegenfrage.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.nd.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen

23.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Magnetfeld-Sensor Argus „sieht“ Kräfte im Bauteil

23.11.2017 | Physik Astronomie

Max-Planck-Princeton-Partnerschaft in der Fusionsforschung bestätigt

23.11.2017 | Physik Astronomie