Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernen kann zu Vergessen führen - Neue Studie mit Folgen für schulischen und universitären Alltag

23.01.2013
Auch wenn es komisch klingt: Lernen kann zu Vergessen führen. Zumindest dann, wenn man das wiederholte Lesen von bereits bekanntem Material mit reinen Abrufübungen kombiniert.

Denn ein ständiges Wechseln zwischen „Lesen am Schreibtisch“ und „Abrufübungen vor dem Spiegel“ erschwert das Erinnern von ungeübten, aber verwandten Inhalten.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der Universität Regensburg. Die Ergebnisse sind von Bedeutung für den schulischen und universitären Alltag und wurden vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Memory & Cognition“ veröffentlicht (DOI: 10.3758/s13421-012-0282-5).

Eine Prüfung steht vor der Tür, fast jeder kennt diese Situation. Oft steht dann die Frage im Raum, auf welche Weise der geforderte Stoffumfang am besten zu wiederholen und damit richtig einzuprägen ist. Das Üben von bereits bekanntem Material kann unterschiedliche Effekte nach sich ziehen, je nachdem, ob die Übung über wiederholtes Lesen oder durch den eigenständigen Abruf des Materials erfolgt. Während Abrufübungen im Vergleich zum Lesen zu besonders lang anhaltendem Erinnern der geübten Inhalte führen, erschwert diese Übungsform gleichzeitig das spätere Erinnern ungeübter, aber verwandter Inhalte.
Dieses sogenannte abrufinduzierte Vergessen ist ein normaler Mechanismus, der uns vermutlich dabei hilft, das Gedächtnis effizient nutzen zu können. Wichtiges wird dabei gestärkt, Unwichtiges unterdrückt.

Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml und Ina Dobler vom Institut für Psychologie der Universität Regensburg untersuchten erstmals die dynamischen Effekte und Zusammenhänge zwischen wiederholtem Lesen und eigenständigen Abrufübungen. Zu diesem Zweck führten die beiden Psychologen zwei Versuche durch. An einem ersten Experiment nahmen 84, an einem zweiten 48 Versuchspersonen teil.
Die Probanden mussten sich in beiden Fällen mehrere Listen mit Begriffen aus verschiedenen Kategorien einprägen. Die beiden Experimente wurden von Bäuml und Dobler so gestaltet, dass die Probanden zuvor gelernte Begriffe entweder durch nochmaliges Lesen oder im Rahmen einer reinen Abrufübung wiederholten. In einer dritten Versuchsbedingung wurden die beiden Lernmethoden kombiniert, so dass sich Lesen und Abrufübungen mehrfach abwechselten. Am Ende der beiden Experimente wurden schließlich alle anfangs gelernten Begriffe abgefragt, um den Einfluss der verschiedenen Übungsbedingungen auf die Erinnerungsleistung zu untersuchen.

In beiden Experimenten konnten die Regensburger Forscher beobachten, dass sich bei einem kombinierten Lernverhalten die Effekte wiederholten Lesens denen von reinen Abrufübungen angleichen und somit beide Übungsformen zu ähnlichen Gedächtniseffekten – wie beim abrufinduzierten Vergessen – führen. Die Untersuchungen von Bäuml und Dobler belegen damit erstmals dynamische Effekte zwischen reinen Abrufübungen und wiederholtem Lesen und sind von großer Bedeutung für den schulischen und universitären Alltag.

Der Originalaufsatz im Volltext unter:
http://link.springer.com/content/pdf/10.3758%2Fs13421-012-0282-5

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml
Universität Regensburg
Institut für Psychologie
Tel.: 0941 943-3818
Karl-Heinz.Baeuml@psychologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics