Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch von legalen Waffen geht Gefahr aus

18.03.2009
Legal erworbene Waffen stellen ein erhebliches Risiko für tödliche Gewalt dar.

Dies gilt nicht nur im Kontext von Amokläufen wie im Fall des 17-Jährigen aus Winnenden, der mit einer Waffe seines Vaters in seiner Schule ein Massaker angerichtet hat, sondern auch bei Familiendramen und anderen Tötungsdelikten im sozialen Umfeld.

Zu diesem Ergebnis kamen Max-Planck-Forscher um den Kriminologen Dietrich Oberwittler bei einer Studie, mit der sie 400 Fälle solcher "Amokläufe im Privaten" untersuchten.

In Deutschland sterben jährlich rund 550 Menschen bei Tötungsdelikten. "Die meisten Opfer waren mit dem Täter entweder verwandt oder bekannt", skizziert Oberwittler den charakteristischen Hintergrund dieser Familientragödien.

Seit Mitte des Jahres 2006 untersucht er zusammen mit Kollegen am Freiburger Institut 400 solcher Fälle. Zum Täterprofil konnte er dabei genaue Vorstellungen entwickeln. "Es handelt sich meist um einen männlichen Täter, der mit oftmals legal erworbenen Schusswaffen seine Ehefrau, Partnerin, Kinder oder andere Verwandte tötet und in vielen Fällen anschließend Selbstmord begeht."

Schusswaffen seien in 15 Prozent dieser untersuchten Fälle im Spiel gewesen - diese aber wiederum zu 55 Prozent auf legalem Wege in den Besitz des Täters gelangt. Für sich betrachtet, erschienen diese Zahlen nicht besonders spektakulär, meint der Kriminologe. Doch in anderem Zusammenhang offenbare sich hier das große Gefahrenpotenzial, das auch von Waffen ausgeht, die auf legalem Wege in Privatbesitz gelangt seien. "Man kann auf der Basis dieser Ergebnisse annehmen, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 20 bis 25 Menschen bei einem Tötungsdelikt innerhalb der Familie oder Partnerschaft durch eine Schusswaffe im legalen Besitz des Täters sterben."

Mit seinen Ergebnissen sieht Oberwittler Resultate der internationalen kriminologischen Forschung bestätigt. Diese zeige, dass eine große Verbreitung von Schusswaffen in Privathaushalten wie in den USA und der Schweiz die Wahrscheinlichkeit von Suiziden und Tötungsdelikten (insbesondere mit mehreren Opfern) erhöhe. "Neben einer Affinität zu Waffen bei so genannten 'Waffennarren' begünstigt auch die reine Verfügbarkeit von Schusswaffen Familientragödien und Amokläufe wie den aktuellen in Winnenden", stellt er fest. Die Täter entstammten in sehr vielen Fällen unauffälligen sozialen Milieus und verfügten oft über ein hohes Bildungsniveau. Sein Fazit: "Diese Erkenntnisse weisen eindrücklich auf die Gefährdungen durch privaten Waffenbesitz hin, sowohl im Hinblick auf Amokläufe als auch in Hinblick auf die weniger spektakulären, aber häufigeren familiären Tötungsdelikte." Daher sehen Oberwittler und seine Kollegen die jetzt entfachte politische Diskussion über weitere Einschränkungen des privaten Waffenbesitzes in Deutschland positiv: "Auch wenn Deutschland bereits strenge Waffengesetze hat, so kann doch jede weitere Verminderung der Anzahl von Waffen im Privatbesitz zu mehr Sicherheit vor tödlicher Gewalt beitragen", so ihr Fazit.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Priv.-Doz. Dr. phil. Dietrich Oberwittler
Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Freiburg
Tel.: +49 761 7081-219
Fax: +49 761 7081-294
E-Mail: d.oberwittler@mpicc.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpicc.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie